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Inmitten der Schüler fühlte sich Lehrerin Barbara Unger (sitzend) schon immer wohl. Nach 39 Jahren an der Grundschule Ottenhofen wurde sie nun in den Ruhestand verabschiedet. Die Kinder hatten dafür ein Musical einstudiert.

Verabschiedung von Lehrerin Barbara Unger 

Die Piratenkönigin geht vom Schulschiff

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Nach 39 Jahren als Lehrerin verlässt Barbara Unger zum Schuljahresende die Grundschule Ottenhofen. Beim Sommerfest am Freitag wurde sie mit einem Piraten-Musical in den Ruhestand verabschiedet.

Ottenhofen – In zwei Wochen beginnen für Barbara Unger die ganz großen Ferien: Die 64-Jährige geht nach 39 Jahren als Lehrerin an der Grundschule Ottenhofen in den Ruhestand. Am Freitag sagten ihr beim Sommerfest aktuelle und ehemalige Weggefährten aus Schulfamilie, Politik und Kirche schon jetzt „Auf Wiedersehen“.

Es war ein rührendes Fest, das Elternbeirat, Kollegen und Schüler auf die Beine gestellt hatten. Dank des Spiegewagens des Kreisjugendrings Erding konnten die Kinder während des Festes fleißig Schaumküsse fangen, Rasen-Ski oder Rollenrutsche fahren und vieles mehr.

Mit viel Musik schickten sie Unger in der Josef-Vogl-Halle in den Ruhestand – und bereiteten ihr damit einen Abschied ganz nach ihrem Geschmack, spielte Musik im Unterricht der Markt Schwabenerin doch stets eine wichtige Rolle.

Mit ihren Lehrerinnen hatten die Schüler ein Musical vorbereitet. Verkleidet als Piraten machten sie sich auf die Suche nach einem Schatz. Es wurden Fotos aus den vergangenen Jahren gezeigt und Unger in umgedichteten Songs gewürdigt. Ebenfalls musikalisch am Start waren die Liedermacher Margit Sarholz und Werner Meier von Sternschnuppe, die dank Ungers guten Drahts zu ihnen schon oft an der Ottenhofener Schule zu Gast waren. Sie sangen mit den Kindern das Lied „Hand in Hand“ – inklusive besonderer Strophe für die Lehrerin: „Dankeschön, Du, Frau Unger. Wir lassen dich nicht gerne gehen.“

Schulleiterin Marianne Staudinger nahm in ihrer emotionalen Rede das Piratenthema des Musicals auf. Unger – mit passendem Hut ausgestattet zur „Piratenkönigin“ ernannt – verlasse nun das „Ottenhofener Schulschiff“. „Du warst ein ganz wichtiger Mast auf unserem Schulschiff und hast das Schulleben entscheidend geprägt“, sagte Staudinger. Die „patente Vollblutlehrerin“ habe zwei Generationen von Ottenhofenern unterrichtet und sei auch für ihre Kolleginnen stets eine wichtige Beraterin und große Stütze gewesen. „Du hast frühmorgens Tee gekocht, im Advent die Kerzen angezündet und deine Kollegen regelmäßig zu dir zum Essen eingeladen“, blickte Staudinger zurück.

„Es geht eine Institution von der Schule“, sagte Elternbeiratsvorsitzender Christian Strobel. Und Bürgermeisterin Nicole Schley versicherte, Unger werde als „Frau für Kultur“, als „tolle und mega-engagierte Lehrerin“ sowie „herzensguter Mensch“ in Erinnerung bleiben. Unvergessen bleibe auch ihre „direkte und mit einem hohen Anteil an Ironie versehene Art“.

Seit September 1978 hat Unger in Ottenhofen unterrichtet. Insgesamt war sie 42 Jahre lang Lehrerin – „und ich kann mir gar nicht vorstellen, keine mehr zu sein“, gab sie zu. Rund 500 Mädchen und Buben habe sie unterrichtet, nicht selten schon die Kinder von ehemaligen Schülern. „Dabei habe ich gelernt, dass es als Lehrerin sehr viel leichter ist, Kinder zu erziehen, denn als Mutter“, sagte Unger mit einem Augenzwinkern in Richtung ihrer Töchter Lisa (37) und Lena (31) sowie ihres Sohnes Lukas (35).

„Mir war und ist die Beziehung zu jedem einzelnen Kind an der Schule besonders wichtig“, sagte Unger. Dabei habe sie stets versucht, die Schüler über das Klassenzimmer hinaus Dinge entdecken zu lassen, „die für mich zum Leben dazu gehören“ – beim Besuch der Staatsoper oder bei Fahrten ins Schullandheim mit den Viertklässlern zum Beispiel.

Es sei bereichernd gewesen, Kinder auf einem Teil ihres Weges in die Zukunft begleiten zu können. „Ich fühle mich reich beschenkt.“ Ein Gefühl, zu dem auch das Kollegium, allen voran Schulleiterin Staudinger, beigetragen hätte. „Ich danke dir für alles. Nicht viele Menschen bekommen solch eine Chefin geschenkt“, sagte Unger.

Wie sie ab August ihre freie Zeit nutzen wird, dafür hat die 64-Jährige noch keine konkreten Pläne. Den Kindern fiel im Lied „Frau Unger ist ’ne Coole“ da schon einiges ein: in den Bergen wandern, mit dem Enkelkind spazieren gehen, die Ruhe im Museum genießen oder mit den Töchtern Sizilien erkunden. Denn mit der Reise auf die italienische Insel startet Unger im August in ihre ganz großen Ferien.

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