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Alt und Jung vereint: Genau wie der Altersunterschied bei den Schleppern ist auch der von seinen Fans. Und alle hatten mächtig Spaß, durch den Acker zu pflügen.

Eicher-Feldtag in Siggenhofen

Ordentlich Auslauf für die Eicher-Oldies

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Beim Eicher-Feldtag in Siggenhofen zeigen die Oldtimer-Schlepper, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören - auch wenn sie schon bis zu 68 Jahre auf dem Buckel haben.

Siggenhofen– Zweieinhalb Stunden Fahrt auf seinem Eicher Mammut EM 500 hat Franz Nieder aus der Nähe von Trostberg hinter sich, als er im Ottenhofener Ortsteil Siggenhofen auf dem Hof von Franz Gerlmaier ankommt. Zusammen mit einem Spezl und dessen Eicher Mammut EM 600 hat Nieder die 70 Kilometer lange Strecke auf sich genommen, um zum Eicher-Feldtag zu kommen.

Den Eicher komplett zerlegt und in unzähligen Stunden restauriert

Mehrmals im Jahr ist der Landwirt mit einem Eicher-Oldie zu einem Treffen unterwegs, rund 20 bunte Kofferaufkleber auf der Motorhaube zeigen Orte in den Dolomiten, den Ofenpass, die Großglockner-Hochalpenstraße. Überall dorthin sei der 1967er-Traktor mit seinem 60 PS starken Vierzylinder auf den eigenen Rädern gerollt, erzählt Nieder. Insgesamt habe er zwölf Eicher und sieben Pflüge zum Anhängen. Das Exemplar, mit dem er nach Siggenhofen kam, habe er in Forstern von einem Eicher-Werksvertreter gekauft, komplett zerlegt und in unzähligen Stunden restauriert.

Den ältesten Schlepper dürfte Franz Gerlmaier haben

Rasch bildete sich am vergangenen Donnerstag eine schöne Reihe historischer Schlepper. Die allermeisten waren Eicher, einer der ältesten dürfte ein 1951er von Franz Gerlmaier selbst gewesen sein. Das Treffen haben er und weitere Eicher-Freunde nicht zum ersten Mal organisiert. Etwa 50 Fahrzeuge sind diesmal gekommen, ein Großteil nicht im sterilen Museumszustand, sondern zwar gepflegt, aber mit entsprechender Patina und den Narben eines langen Arbeitslebens.

Gib Stoff! Traktor-Pulling funktioniert selbst mit dem alten Eicher-Diesel. Dem Fahrer und seinen beiden Beifahrerinnen scheint das sichtlich Spaß zu machen.

Wer den Duft von Maschinenöl und Gummi mag, konnte sich in aller Ruhe die zunächst ausgestellten Traktoren verschiedenster Größen und Motorisierungen anschauen. Die meisten kamen doch aus der Nähe, es scheint, dass viele Landwirte ihre Schätze aufbewahren. So wie Peter Deischl aus Zeilern. Seine Familie und er sind mit drei Eicher-Schleppern aus den Baujahren 1957, 1958 und 1963 erschienen. „Den von 1958 hat mein Vater damals für 9600 Mark neu gekauft. Er ist seitdem in Familienbesitz und angemeldet“, erzählt der Zimmerermeister. „Die anderen beiden sind erst später dazugekommen.“ Zum dritten Mal kommt er bereits zum Feldtag.

„Da rührt sich was“

Die Veranstaltung ist bei den Traktorfreunden deshalb beliebt, „weil sich da was rührt“, wie Franz Nieder sagt. Zwar müsse er abends das Gefährt gründlich putzen, aber das nehme er gern in Kauf. „Das Feld wurde vor 14 Tagen abgeerntet, heute darf jeder mit dem Gerät, das er dabei hat, hier auf dem Acker arbeiten“, erklärt Franz Gerlmaier. Viele nutzen diese Gelegenheit, um ihrem Eicher und Pflug, Egge oder Düngerstreuer ordentlich Auslauf zu geben. Sprich: Das Gespann darf mal wieder das tun, wofür es gebaut wurde.

Auf dem Acker sind die Eicher-Fahrer in ihrem Element

Ab 11 Uhr ging es für die Maschinen auf den Acker. Brav in Reihe beim Pflügen oder auch in gerader Fahrt über den Acker waren die Eicher-Fahrer in ihrem Element. Als Beobachter konnte man regelrecht die kindliche Freude spüren, mit der die alten Maschinen durch die Erde getrieben wurden. Manchmal schien die Gefahr des Streckenbleibens zu drohen, aber selbst die kleinen Motoren produzieren so ein starkes Drehmoment, dass die Räder immer wieder weiterrollten.

Liebe, die unter die Haut geht: Für manche ist Eicher mehr als ein Arbeitsgerät – und das soll ruhig jeder sehen.

Dass Eicher-Fahren viel mehr ist, als eine landwirtschaftliche Maschine zu bewegen, zeigen die Besitzer gern: Ein junger Landwirt zum Beispiel präsentierte sein Eicher-Tattoo am Bein als sein besonderes Merkmal. Und Eicher-Fan zu sein, das ist Familiensache: Auf dem Feld waren zum Teil drei Generationen auf einem Gefährt unterwegs.

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