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Der historische Teil des alten Hofmarkschlosses wird verkauft.

Der Südflügel wird verkauft 

Es soll wieder Leben ins alte Schloss

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Wer schon immer mal Schlossherr sein wollte, hat dazu jetzt in Ottenhofen Gelegenheit. Die Gemeinde verkauft den Südflügel des ehemaligen Hofmarkschlosses.

Ottenhofen Die Geschichte der Hofmark Ottenhofen reicht einige Jahrhunderte zurück. Heute ist nur noch ein kleiner Teil der ehemals prächtigen Anlage, zu der einst Wohngebäude, Brauerei, Mastochsenstallung und mehr gehörten, übrig. Nach über 60 Jahren in Gemeindehand soll das Gebäude, das als „Schloss Ottenhofen“ bekannt ist, verkauft werden.

Das Exposé ist seit einiger Zeit auf der Homepage der VG Oberneuching abrufbar. Demnach steht der Südflügel des ehemaligen Hofmarkschlosses Ottenhofen zum Verkauf. Er war Teil einer vierflügeligen Anlage, die im Kern aus dem 17./18. Jahrhundert stammt. Das Dachwerk ist auf die Zeit zwischen 1692 und 1700 datiert.Als „lang gestreckter zweigeschossiger Satteldachbau mit Dachreiter und zwei aufgedoppelten Türen des 18. Jahrhunderts“ ist das Gebäude im Bayerischen Denkmal-Atlas beschrieben. Denn das Schloss Ottenhofen steht unter Denkmalschutz.

„Die Reste von Gewölben in Keller und Erdgeschoss auf in spätgotischer Manier abgefassten Backsteinpfeilern und den historischen Putzoberflächen reichen vermutlich bis in die Anfänge des Schlossbaus zurück“, heißt es im Exposé. Heute befinden sich in beiden Geschossen je zwei unterschiedlich große Mietwohnungen, die frühestens 1954 eingerichtet wurden.

Wie stattlich die Anlage einst war, zeigt der Kupferstich von Wening (um 1720, l.). „Der Moränenhügel über der Sempt war auch schon im frühen Mittelalter ein bedeutender Sitz“, hat die Heimatzeitung am 9./10. September 1967 zu diesem Bild berichtet.

Das Gebäude steht derzeit jedoch leer. Es weist erhebliche statisch-konstruktive Schäden auf, wie Verformungen und Risse, vor allem an dem in den 1960er Jahren neu aufgemauerten Ostgiebel, aber auch im Bereich der Gewölbezonen. Es sind auch Putzschäden als Folge von Mauerfeuchte in Keller und Erdgeschoss vorhanden, zudem Grünalgen-Befall im Keller und Anobien im Dachwerk.

Das Exposé beinhaltet auch zwei Vorschläge seitens der Gemeinde, wie das alte Schloss mit einer Nutzfläche von rund 780 Quadratmetern nach einer Sanierung genutzt werden könnte – etwa mit Café, Ladengeschäften, Büros und Arztpraxen. Bei einer Variante ist ein Anbau für einen Aufzug vorgesehen, um das Gebäude barrierefrei zu machen. „Das kann man zum Beispiel ganz modern machen, mit Glas und Stahl, das würde super passen“, findet Nicole Schley.

Für potenzielle Käufer seien dies freilich nur Vorschläge. „Wir wollten einfach zeigen, was wir uns gut vorstellen könnten“, erklärt die Bürgermeisterin. Wer immer das Schloss kauft, könne es selbstverständlich privat nutzen. Sogar ein Abriss wäre eventuell möglich. Denn was der Gemeinde als Eigentümerin verwehrt bleibt, könnte ein privater Besitzer durchaus erwirken: eine Abrissgenehmigung trotz Denkmalschutzes. Das könnte aufgrund der aktuellen Rechtslage möglich sein, da bei Privateigentümern das Thema Wirtschaftlichkeit der Sanierung eine Rolle spiele, während das für Gemeinden kein relevantes Argument sei.

Ein seltener Einblick ins Gebäude ist das Foto von einem Gewölbegang.

Wie das gesamte Areal im Fall eines Abrisses gestaltet werden könnte, darüber gibt es in der Gemeinde noch keine konkreten Ideen, sondern lediglich Gedankenspiele. Eines davon beinhaltet zum Beispiel, den neuen Teil des Schlosses, der auch in Gemeindehand ist, ebenfalls wegzureißen und einen Ersatzneubau zu errichten, der an die ursprüngliche Anlage erinnert. Doch diese Überlegungen seien momentan Zukunftsmusik. Man wolle sie erst angehen, wenn der erste Bauabschnitt des Neubaugebiets und der Ersatzbau fürs Autohaus Bauer erledigt sind.

Beim Schloss konzentriere sie sich derzeit auf den Verkauf, bei dem nun das Landesamt für Denkmalpflege Unterstützung geleistet habe, freut sich Schley und gibt zu: „Über den Verkauf an sich freuen wir uns als Gemeinde natürlich nicht so sehr. Wir hätten gerne das Grundstück in Gemeindehand belassen und einen Ersatzbau im Stil des alten Schlosses gebaut, aber eben neu und mit Wohnungen.“ Die Rathauschefin erinnert jedoch daran, dass der Abrissantrag der Gemeinde eben aus Denkmalschutzgründen abgelehnt worden sei. So habe der Gemeinderat „schweren Herzens“ für den Verkauf gestimmt, damit das leer stehende Gebäude wieder mit Leben gefüllt werden könne.

Offiziell endet die Frist zur Abgabe eines Angebots für den Kauf am Dienstag, 31. Oktober. Die Gemeinde behält sich jedoch vor, „auch nicht frist- und formgerechte Angebote zu berücksichtigen“. Ein konkretes Gebot habe sie bereits erreicht, verrät Schley. Mit weiteren Kaufinteressenten sei sie zudem im Gespräch.

Lesen Sie dazu auch: „Wechselvolle Hofmarksgeschichte mit vielen Eigentümern“ zur Historie des Schlosses.

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