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Spannende Zahlen: Harald Kienlein (l.) hat den Ersatz des Wasserversorgungsnetzes der Gemeinde Ottenhofen durchgerechnet. Für Bürgermeisterin Nicole Schley bedeutet das eine Menge Arbeit.

Es wird Preiserhöhung und Verbesserungsbeiträge geben

Ottenhofen: Schlechte Leitungen, bestes Wasser

Die Gemeinde Ottenhofen hat ihr 22-Kilometer-Wassernetz überprüfen lassen. Es muss einiges getan werden. Um Preiserhöhung und Verbesserungsbeiträge kommt man wohl nicht herum.

OttenhofenDie Gemeinde Ottenhofen setzt sich an die Spitze: Sie gehört nach den Worten des planenden Ingenieurs Harald Kienlein zu den ersten Kommunen, die einen kompletten Ersatz ihres Wasserversorgungsnetzes haben durchrechnen lassen. Das Ergebnis nannte Bürgermeisterin Nicole Schley (SPD) „ziemlich spannend“. Es wurde vor großer Zuhörerkulisse im Gemeinderat vorgestellt.

Zentrale Aussage: Würde die Gemeinde die Maßnahme auf einen Schlag in Angriff nehmen, müsste sie elf Millionen Euro investieren. Kienlein machte deutlich, dass das, was Ottenhofen jetzt in Angriff nimmt, irgendwann jeden Wasserversorger mit voller Härte treffe. Das liege daran, dass diese Wasserleitungen nur eine begrenzte Lebensdauer hätten.

Gut 22 Kilometer an Leitungen verbaut

Insgesamt sind in Ottenhofen nach seinen Berechnungen gut 22 Kilometer an Leitungen verbaut. Der größte Anteil sind PVC-Rohre, die 71,8 Prozent des Materials ausmachen und die eine Lebenserwartung von 50 Jahren haben. In den vergangenen Jahren hatte die Gemeinde immer wieder Wasserverluste. 2013 erreichten sie mit 30,4 Prozent einen exorbitant hohen Anteil. 2018 waren es noch 19,7 Prozent.

„Anzustreben sind unter zehn Prozent“, so der Ingenieur. Von Verwaltungsseite hieß es dazu, dass für 2019 durch immer wieder durchgeführte Reparaturen dieser Wert in etwa erreicht werden könne. Das änderte jedoch nichts an der Überzeugung des Gemeinderats, das Thema in Angriff nehmen zu müssen.

Mindestens 430 Meter Wasserleitung pro Jahr müssten ausgetauscht werden

Kienlein hatte dazu eine sogenannte Rehabilitationsrate errechnet. Mindestens 430 Meter Wasserleitung pro Jahr müssten mit einem Gesamtaufwand von aktuell 209 000 Euro ausgetauscht werden. In diese Summe sind auch elf neue Hausanschlüsse eingerechnet. Insgesamt gibt es 603 Hausanschlüsse.

Dieser gewaltige Aufwand muss irgendwie finanziert werden. Das wird nach Überzeugung des Rats und der Verwaltung eine Erhöhung des Wasserpreises und einen sogenannten Verbesserungsbeitrag zur Folge haben. Würde die Gesamtmaßnahme über Verbesserungsbeiträge finanziert, wäre jeder Anschlussnehmer mit 6000 Euro dabei. Das erschien allen im Gremium völlig utopisch, sodass es wohl zu einer Mischfinanzierung kommen wird. Wie so etwas aussehen kann, soll jetzt ein Fachbüro ermitteln. Der Gemeinderat vergab hierzu die erforderlichen Aufträge.

Hintergrund ist, dass die kommunale Wasserversorgung mit erheblichem Aufwand und starker finanzieller Förderung gewissermaßen auf einen Schlag errichtet worden ist. Diese Infrastruktur ist in die Jahre gekommen. Das war auch das Thema, bei dem Ingenieur Kienlein ansetzte: Ottenhofen stehe mit diesem Problem nicht alleine da.

Ausgezeichnetes Trinkwasser

Der zentrale Unterschied: Die Gemeinde geht das Thema offensiv an, wissend, dass sich Rat und Verwaltung damit angesichts der finanziellen Herausforderung nicht viele Freunde machen werden. Dafür aber, und das wurde in der Sitzung ebenfalls deutlich, bekommen die Ottenhofener ein ausgezeichnetes Trinkwasser.

Jan Hupka vom Ingenieurbüro für Grundwasser und Umweltfragen in Markt Schwaben hatte den Auftrag, die Neuberechnung des Wasserschutzgebietes um die beiden Trinkwasserbrunnen der Gemeinde vorzunehmen. Das Ergebnis: Es sind einige Korrekturen notwendig sowie die eine oder andere Messstelle. Der Ingenieur informierte darüber, dass das Wasserwirtschaftsamt diese beiden Brunnen aufgrund der ausgezeichneten Wasserqualität erhalten möchte. Darüber hinaus sei es ein sehr ergiebiger Grundwasserleiter, so der Planer.

Bürgermeisterin Nicole Schley (SPD) kündigte an, mit diesem Gutachten jetzt zum Landratsamt gehen zu wollen. Von dort war nämlich auch die Aufforderung, diese Neuberechnung vorzunehmen, gekommen. Sie deutete an, dass angesichts der Komplexität des Themas die endgültige Entscheidung über die langfristige Zukunft der Ottenhofener Wasserversorgung wohl doch nicht mehr in dieser Legislaturperiode wird getroffen werden können.

Klaus Kuhn

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