Zeitungszusteller Johann Böhm steckt ein Exemplar des Erdinger Anzeigers in einen Briefkasten.
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Er sorgt dafür, dass die Zeitung täglich pünktlich im Briefkasten ist: Johann Böhm ist mit 87 Jahren einer unserer ältesten Zusteller. Jeden Morgen steht er um halb fünf Uhr auf, um zu den Lesern zu fahren.

Einer der ältesten Zusteller

Mit 87 Jahren fährt Johann Böhm noch die Zeitung aus - manchmal greift er zu ungewöhnlichen Mitteln

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
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Lange ausschlafen kommt für Johann Böhm nicht infrage. Mit 87 Jahren ist er einer unserer ältesten Zeitungszusteller. In dem Job hat er schon einiges erlebt – und manchmal muss er zu ungewöhnlichen Mitteln greifen.

  • Johann Böhm aus Ottenhofen im Landkreis Erding ist mit 87 Jahren einer der ältesten Zeitungszusteller.
  • Jeden Morgen steht er um 4.30 Uhr auf, um die Zeitung zu den Lesern zu bringen.
  • Normalerweise fährt er die 22 Kilometer lange Strecke mit dem Auto, zur Not nutzt er aber auch den Traktor.

Ottenhofen – Egal ob es einen Schneesturm gibt oder das Auto nicht anspringt – Johann Böhm sorgt dafür, dass die Zeitung pünktlich im Briefkasten ist. Zur Not greift er zur Schneeschaufel oder wirft seinen Traktor an, um damit zu den Abonnenten zu tuckern. „Aber schön ist es mit dem Traktor nicht“, gibt er zu. „Es geht zu langsam und ist zu laut. Da wachen ja die Leute auf.“ Jeden Morgen fährt er in einigen kleinen Orten und Weilern den Erdinger Anzeiger, die Ebersberger Zeitung oder die tz aus. Mit seinen 87 Jahren ist er einer der ältesten Zusteller.

Johann Böhm lebt mit seiner Frau Marianne etwas außerhalb von Ottenhofen (Kreis Erding) auf einem alten Bauernhof. Drei Rinder hat er noch, ab und zu macht er etwas Brennholz, den Rest der Landwirtschaft hat er aufgegeben. „Nur rumhängen und faulenzen ist nichts“, sagt er. „Man muss in Bewegung bleiben, das hält jung.“

Auch am Sonntag wälze ich mich im Bett hin und her.

Johann Böhm

Nachdem er 1998 in Rente ging, wollte er eine neue Aufgabe – und meldete sich auf eine Anzeige, in der Zeitungszusteller gesucht wurden. Seitdem klingelt täglich um halb fünf Uhr sein Wecker. „Es wäre ungewohnt, wenn ich nicht mehr aufstehen müsste“, sagt er. Einmal war er in der Schweiz bei einem seiner Enkel zu Besuch. Sogar dort trieb es ihn in aller Früh nach draußen. „Auf der Straße waren nur die Straßenfeger und ich“, erzählt er. „Auch am Sonntag wälze ich mich im Bett hin und her.“

So früh am Morgen hat er schon einiges erlebt. Johann Böhm erinnert sich zum Beispiel daran, wie er von der Polizei verfolgt wurde, als er auf dem Weg zu einem etwas abgelegenen Hof war. „Sie haben mich aufgehalten, weil sie gedacht haben, ich komme von einer Feier“, sagt er. Die Beamten wurden stutzig weil er auf einem Schleichweg unterwegs war – und wollten sichergehen, dass nicht ein Betrunkener mit dem Auto nach Hause fährt.

Die Tour ist längst Routine für den 87-Jährigen. 22 Kilometer fährt er jeden Morgen mit seinem silbernen Ford Focus. „Die Route ist immer dieselbe“, erklärt er. „Ich weiß auch ganz genau, wer die Zeitung gleich in der Früh haben will und bei wem es nicht so pressiert.“ So weit wie möglich, versucht er solche Wünsche zu beachten.

Bei starkem Schnee ändert er die Strecke

Nur im Winter ändert er manchmal die Strecke. Schon in seinen ersten Tagen als Zusteller gab es ein starkes Schneegestöber. „Da hab ich mir gedacht, schlimmer kann es nicht mehr kommen“, sagt er. Es war nicht das einzige Mal, dass er mit schwierigen Witterungsverhältnissen zurechtkommen musste. „Einmal musste ich mein Auto ausschaufeln, weil ich in einer Schneewehe stecken geblieben bin“, erzählt er. „Seitdem fahr ich, wenn es stark, schneit an diese Stelle zuletzt.“ Denn dann ist oft schon der Winterdienst unterwegs.

Johann Böhm ist ein Ottenhofener Original: Auf seinem urigen Hof wurden bereits Filme gedreht, er war begeisterter Tänzer beim Unterschwillacher Bauernballett und als grantelnder Bauer bescherte er für die Fernsehsendung „Verstehen Sie Spaß“ mit stinkendem Odel dem Sänger Mark Medlock sein „braunes Wunder“. Das Güllefass ist natürlich nicht dabei, wenn er als Zeitungszusteller mit seinem alten Traktor vorfährt – aber das ist sowieso die Ausnahme: „Ein paar Mal war mein Auto nicht da“, erklärt er. „Aber ich kann die Kunden ja deswegen nicht warten lassen.“

Um sieben Uhr ist die Tour fertig

Denn Verlässlichkeit ist ihm besonders wichtig. Umso mehr hat er sich gefreut, als er den persönlichen Weihnachtsgruß eines Kunden las: „Hoffentlich haben wir Sie noch lange als Austräger, Sie sind so zuverlässig“, schrieb der Leser. Dass er die Arbeit noch lange erledigen kann, das wünscht sich auch Johann Böhm.

Um sieben Uhr beendet er normalerweise seine Tour. Dann hat er Zeit, selbst die Zeitung zu lesen, und freut sich aufs Frühstück: „Wenn man ein paar Stunden unterwegs ist, kommt der Appetit“, sagt er. Das weich gekochte Ei, die Cornflakes und die Tasse Kakao hat er sich wahrlich verdient.

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