Die Rechtsprechung der Bundesrepublik Deutschlands wollte der Angeklagte nicht anerkennen. Foto: mm

Parallelwelt Deutsches Reich

Dorfen/Erding - Ein 38-Jähriger aus Simbach am Inn erkennt das Amstgericht Erding nicht an, weil er seiner Überzeugung nach nicht in der Bundesrepublik Deutschland, sondern im Deutschen Reich lebt.

Der Ingenieur war Anfang Februar mit seinem Lkw auf der B 15 bei Dorfen kontrolliert worden. Dabei stellte sich heraus, dass er keinen gültigen Führerschein hatte. Auf den legt der Simbacher auch keinen Wert. Er besitzt eine Fahrerlaubnis des Deutschen Reiches. Weil die Polizei aber auch diese konfisziert hat, obwohl seiner Meinung nach ein Beamter der BRD dazu nicht berechtigt ist, forderte er gar 200.000 Reichsmark Schadenersatz.

Der 38-Jährige gehört offenbar der in Tübingen ansässigen Gruppierung Deutsches Reich an, die sich selbst auf der Grundlage der Weimarer Verfassung sieht. Kopf dieser Organisation ist der Physiker Dr. Matthes Haug, der „Präsident der Nationalversammlung“ ist. Die kommissarische Reichsregierung stellt ihren „Bürgern“ eigene Ausweise zur Verfügung und betrachtet sich als exterritorial, also werden deutsche Gerichte auch nicht anerkannt.

Zum Termin wurde der Ingenieur polizeilich vorgeführt, weil er zur ersten Verhandlung nicht erschienen war. Sein Rechtsbeistand, ebenfalls ein Bürger des Deutschen Reiches, durfte mit. Der Angeklagte machte allerdings schon die Angaben der Personalien zur Farce: Er erklärte er sei nicht Deutscher, sondern Deutscher mit Staatsangehörigkeit des Deutschen Reiches. Angaben zur Sache wollten weder der Angeklagte noch sein Rechtsbeistand machen.

Da ein Zeuge krankheitsbedingt nicht zur Verhandlung gekommen war, setzte Richterin Folk das Verfahren aus. Der Angeklagte will auch die Ladung zum nächsten Termin nicht wahrnehme. (gse)

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