Provisorium auf Zeit: Die Garderoben haben die Aktiven mit Unterstützung selbst gebaut, die Fahrzeuge haben auch Platz in der Maschinenhalle in Harthofen.
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Derzeit ist die Reithofener Wehr pandemiebedingt in einer Landwirtschaftshalle in Harthofen untergebracht. Ein Provisorium auf Zeit. Der Traum vom eigenen Haus auf Dauer bleibt.

Reithofen-Harthofen will mit Eigenleistung selber bauen – Pastetten möchte Umbau prüfen lassen

10 000 Arbeitsstunden fürs eigene Feuerwehrhaus

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
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In einer Sondersitzung am Dienstag, 8. Juni, befasst sich der Pastettener Gemeinderat ausschließlich mit dem Thema Feuerwehrhaus. Dazu liegen mehrere Anträge vor - unter anderem von den beiden Feuerwehren selbst.

Pastetten – Einer davon ist die Durchführung eines Bürgerentscheids – bekanntlich hatten sich 703 Pastettener gegen die Bebauung des Schulsportplatzes ausgesprochen. Die acht Räte, die das Feuerwehrhaus auf dem Sportplatz initiiert haben, beantragen eine Projektgruppe, um den Vorentwurf zu optimieren und an der Kostenschraube zu drehen. Ein Schreiben dieser acht Räte macht derzeit die Runde durch den Ort.

Nun sind auch die Feuerwehren in die Offensive gegangen. Die Wehr Reithofen-Harthofen beantragt den Bau eines Feuerwehrhauses in Harthofen. Das dreiseitige Schreiben ist von Vorsitzendem Tobias Mühlhuber und Kommandant Thomas Huber unterzeichnet. „Wir wollten eine tragfähige Lösung, die die Gemeinde finanziell auch schultern kann“, erklärt Huber auf Nachfrage. Keiner wolle ein Fünf- oder Sechs-Millionen-Haus, man sei selbst über die Kostenexplosion erschrocken gewesen.

Kommandant Thomas Huber: „Die Planungen für das Gerätehaus sind weitgehend abgeschlossen“

Pandemiebedingt musste die Reithofener Wehr vor gut einem Jahr in eine Landwirtschaftshalle in Harthofen umziehen. Dort haben sich die Ehrenamtlichen zwar provisorisch, aber so gut es geht eingerichtet. Der Traum vom eigenen Haus bleibt. Um ihn zu erfüllen, haben die Kameraden nach einer Lösung gesucht. Denn die Gemeinde hat bereits 2018 laut Huber „relativ günstig“ ein Grundstück zwischen Reithofen und Harthofen gekauft. „Die Planungen für das Gerätehaus sind weitgehend abgeschlossen, ein eingabefähiger Bauplan liegt vor.“

Die Einverständniserklärungen von Fachbehörden und öffentlichen Stellen gebe es ebenso wie eine „explizite Zustimmung und sogar Empfehlung“ der Kreisbrandinspektion. Die Regierung von Oberbayern habe die Förderfähigkeit in Aussicht gestellt. Die zentrale Lage sei ideal. So wäre das Domizil für die Kameraden etwa für Übungen teils sogar fußläufig oder mit dem Fahrrad zu erreichen.

Feuerwehr Reithofen-Harthofen will 10 000 unentgeltliche und ehrenamtliche Arbeitsstunden leisten

Nun wagt der Feuerwehrverein einen ungewöhnlichen Vorstoß: „Wir stellen den Antrag, ein Feuerwehrhaus mit erheblicher Eigenleistung zu einem Kostenrahmen von 2,5 Millionen Euro auf dem vorhandenen Grundstück zu erbauen“, heißt es in dem Schriftstück. Dadurch bleibe die Gemeinde schuldenfrei und habe Geld für andere Projekte übrig, und der Sportplatz könne voll erhalten werden.

Zudem bietet die Wehr der Gemeinde über einen Zeitraum von drei Jahren 10 000 unentgeltliche und ehrenamtliche Arbeitsstunden an. Der Verein würde als Vertreter der Bauherren fungieren, sodass keine kostenintensiven Ausschreibungen nötig wären. Um die Koordination und Abwicklung soll sich ein Bauausschuss kümmern, der aus den Reihen der Aktiven gebildet wird und mit dem Bauamt zusammenarbeitet.

Auf der Grundlage des Plans vom Architekturbüro B3 haben die Feuerwehrler bereits Gespräche zu allen großen Gewerken mit regionalen Firmen und Baustofflieferanten geführt. „Uns wurden Rabatte, vergünstigte Arbeitsleistungen oder Spenden in Aussicht gestellt“, erklärt 2. Kommandant Franz Stanner. Eine Kostenaufstellung, die dem Antrag beiliegt, benennt die beteiligten Firmen und zeigt deren jeweilige Leistungsvorschläge auf. „In die einzelnen Positionen wurde eine Sicherheit von acht Prozent eingebaut“, so Stanner.

Feuerwehr Pastetten: Ertüchtigung oder Umbau des bestehenden Gerätehauses prüfen

Auch die Feuerwehr Pastetten hat einen Antrag gestellt, unterzeichnet von Kommandant Peter Lex. Darin wird gebeten, die Möglichkeiten der Ertüchtigung oder des Umbaus des bestehenden Gerätehauses zu prüfen, um „wirklich alle Alternativen zu betrachten und gegebenenfalls Kosten zu sparen“. Lex bezieht sich dabei auf einen gemeinsamen Antrag beider Wehren, der 2015 im Ergebnis einer Mediation gestellt wurde: Sie hatten einen Zehn-Jahres-Plan vorgelegt, der aus Lex’ Sicht nach wie vor realisierbar und die kostengünstigste Lösung wäre.

Der Plan sieht die Ertüchtigung des bestehenden Hauses in Pastetten vor, zeitgleich den Bau eines Hauses für Reithofen-Harthofen. Erst zehn Jahre, nachdem das Pastettener Haus vorübergehend fit gemacht wurde, ist ein Neubau vorgesehen. Damals wurden die Kosten für den Umbau inklusive Planung auf 600 000 Euro geschätzt, die sich heute vermutlich verdoppelt haben dürften. „Dieser Antrag wurde damals nicht näher geprüft“, sagt Lex, „und natürlich ist ein ertüchtigtes Haus auch nicht für 50 Jahre gedacht. Aber wenn es etwa 15 wären, hätte man genügend Zeit, sich um einen Neubau zu kümmern.“

Die Sondersitzung

findet am Dienstag, 8. Juni, um 19.30 Uhr in der neuen Turnhalle der Grundschule statt. Für alle Teilnehmer gelten FFP2-Maskenpflicht, Mindestabstände und die Vorlage eines negativen Corona-Tests. Ausführliche Infos dazu auf www.pastetten.de.

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