„Älterwerden auf dem Lande“ in Pastetten 

Mehr Ruhebänke sind nur der Anfang

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Welche Hilfen und Einrichtungen für Senioren gibt es in der Gemeinde Pastetten – und wo hapert es noch? Seniorenbeauftragter Hans Kerschbaum (FWE) zog im Gemeinderat Bilanz.

Pastetten– Vor drei Jahren hat sich Pastetten mit Buch, Forstern und Hohenlinden an der Studie „Älterwerden auf dem Lande“ beteiligt. Daraus hat sich eine ganze Liste an Handlungsbedarfen ergeben, wovon aber kaum etwas umgesetzt wurde.„Was die Senioren angeht, ist bei uns lange gar nichts gelaufen“, sagte Hans Kerschbaum (FWE) im Gemeinderat, wo der Seniorenbeauftragte über den aktuellen Stand berichtete.

Derzeit sind in Pastetten rund 24 Prozent der Einwohner über 60 Jahre alt. Welche Angebote es für sie bereits gibt, fasste Kerschbaum kurz zusammen: Nachbarschaftshilfe, VdK, Seniorennachmittag der Pfarrei, Vereine. Die stellvertretende Seniorenbeauftragte und Ärztin Susanne Gerster (WRH) ergänzte diese Liste um Angebote wie ambulante Pflegedienste, Hospiz- oder Palliativteam.

Kerschbaum stellte zudem mehrere Ziele vor, die sich aus der Studie ergeben haben und von denen einige auf einem gute Weg seien. Dazu zählt die Stärkung der Ortsmitte als lebendiges Zentrum. „Was sich da beim Wirt entwickelt hat, ist schon sehr gut“, fasste er zusammen. Café, Metzger, Post, Dorfladen, Arzt – lediglich eine Apotheke fehle noch zur Sicherung der Alltagsversorgung.

Fülle von Ideen

Außerdem seien Sicherheit und Barrierefreiheit durch den Ausbau der Ortsdurchfahrt verbessert worden. Kerschbaum betonte aber, dass beides nur für Pastetten gelte. Schon im nächst größeren Ortsteil Reithofen schaue es ganz anders aus.

Ein Treffpunkt außerhalb der eigenen vier Wände, der Aufbau von Fahrdiensten und die Verbesserung des ÖPNV seien weitere Ziele. In Gesprächen mit einigen Bürgern habe sich gezeigt, dass vor allem das Wohnen im Alter ein wichtiges Thema sei – sowohl Einrichtungen für Pflegebedürftige als auch Angebote im gewohnten Umfeld. Ein nach Kerschbaums Meinung gelungenes Beispiel dafür sind ist das seniorengerechte Wohnen auf der Abtwiese in Hohenlinden.

Bislang noch nicht erfolgreich war die Initiative des Hohenlindener Seniorenbeirats, eine gemeinsame Tagespflege aufzubauen (wir berichteten). „In der Diskussion hat sich als Idee ein Pflegeheim für die vier Gemeinden entwickelt“, berichtete Kerschbaum. Die Bürgermeister wollten darüber bald sprechen, wie Cornelia Vogelfänger (CSU) zusagte.

„Daneben gibt es eine Fülle von Ideen, die man lang-, mittel- und kurzfristig umsetzen kann“, erklärte Kerschbaum. Zur ersten Kategorie zählt ein multifunktionales Gemeindehaus mit Tagespflege, Mittagstisch, Gymnastikraum und mehr. Mittelfristig könnte man die Spazier- und Radwege ergänzen, ein internetbasiertes Mitfahrportal aufbauen, einen regelmäßigen Bürgerbus installieren oder öffentliche WC-Anlagen errichten.

Kurzfristig stellt sich Kerschbaum vor, dass die Gemeinde ihre Senioren zum Gedankenaustausch einlädt. Das soll auch geschehen, möglichst noch im Herbst. Außerdem müsse man Angebote schaffen, an denen sich ältere Bürger ehrenamtlich beteiligen können. Ein regelmäßiges gemeinsames Essen sei ebenso denkbar – ein solches Angebot gebe es in Isen, wo es sehr geschätzt werde. „Und wir müssen die jüngeren Senioren gezielt ansprechen, denn die Interessen der Generation 60plus sind höchst unterschiedlich“, sagte Kerschbaum.

Infos zum Wohnen

Er nannte als weiteres Hemmnis bei der Umsetzung der Ziele, dass bürgerschaftliches Engagement für Senioren grundsätzlich sehr gering sei. Nicht zuletzt stelle sich auch die Frage nach der Finanzierung der Projekte. Dennoch nannte Kerschbaum einige Punkte, die man sofort umsetzen könne – zusätzliche Ruhebänke im Gemeindegebiet etwa.

Er schlug vor, mit interessierten Bürgern die Wohnanlage in Hohenlinden zu besichtigen und über das Wohnen im Alter zu informieren. Eine Wohnberatung könnten entsprechend fortgebildete Laien geben, schlug Vogelfänger vor. In Wörth funktioniere das sehr gut. Sie führe außerdem gerade Gespräche mit einem Fachmann zu diesem Thema, der eventuell einen Infoabend zu Wohnformen bestreiten könne.

Zudem verkündete Kerschbaum den Wunsch der Nachbarschaftshilfe, ein Pilotprojekt „Tagesbetreuung“ zu starten: Versuchsweise würden Senioren im Pfarrheim an zwei Tagen pro Woche, jeweils von 12 bis 16 Uhr, betreut. Dafür wären zusätzlich ein ehrenamtlicher und ein professioneller Helfer nötig.

Zum Thema Tagespflege berichtete Gerster aus ihrer Erfahrung als Ärztin, dass bestehende Angebote in Erding bisher ausreichend seien. Sie betonte zudem, dass man auf alle Gemeindeteile schauen müsse, nicht nur auf den Hauptort. Und sie monierte, dass ein Seniorenbeirat seit längerem im Gespräch, bisher aber nicht umgesetzt sei. Bevor Pastetten diesen Schritt geht, will man die Beiräte aus Hohenlinden und Forstern zur Information einladen.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ ZB

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