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Änderungsschneiderei schließt 

Berta Schmid legt Nadel und Faden beiseite

Seit ihrem 15. Lebensjahr sitzt Berta Schmid jeden Tag an der Nähmaschine. Vor 20 Jahren machte sie sich selbstständig. Nun hat die 51-Jährige beschlossen, ihre Änderungsschneiderei in Pastetten am Freitag zu schließen. „Ich freue mich wie ein Schnitzel auf meine Freizeit“, sagt Schmid lachend.

Pastetten– Gelernt hat sie Damenoberbekleidungsfertigerin bei der Markt Schwabener Firma Lippmann, bei der sie bis 1997 tätig war. Nach der Geburt des zweiten Kindes machte sie sich selbstständig, um flexibler für die Familie zu sein. „Von Anfang an lief meine Änderungsschneiderei gut“, erzählt Schmid. Aus Pastetten und den umliegenden Gemeinden, aber auch bis aus Ebersberg, Deggendorf und München kam ihre Kundschaft. Nicht nur Änderungen an Kleidungsstücken, sondern auch Kreativität war oft gefragt gefragt. Zum Beispiel beim Überziehen des Kopfteils eines Bettes mit Stoff, wozu sie nicht Nadel und Faden, sondern den Tacker braucht.

Neben den üblichen Änderungen war auch die Flickschneiderei gefragt, wenn die Kinderhose ein Loch im Knie hatte. Es wurden Pullis mit kleinen Löchern zur Reparatur gebracht, Schmid nähte neue Gardinen, fütterte Kleidungsstücke und auch das Oberteil für einen Sari kam aus ihrer Änderungsschneiderei. Und selbst der kaputte Henkel einer Lederhandtasche war kein Problem: Da wurde einfach ein Lederstreifen vom Schuster angenäht. „Reißverschlüsse hab ich aber nie gerne gemacht, das war eine Heidenarbeit. Und dann vielleicht noch bei Daunenanoraks, wo die Federn durch den Raum flogen“, erzählt Schmid.

Dass sie nun endgültig schließt, ist für die Kunden nicht leicht. Bis zuletzt haben sie Kleidung abgegeben. In den vergangenen 20 Jahren saß Schmid täglich mehr als zwölf Stunden an der Nähmaschine, Urlaubstage waren rar. Umso mehr freut sie sich nun auf den neuen Lebensabschnitt.

Sie möchte wieder mehr kochen, vor allem die alten Rezepte von den Eltern und Großeltern. Mit ihrem Mann wird sie eine Flusskreuzfahrt auf der Donau machen, und vor allem möchte sie sich wieder ganz intensiv ihrem Themengarten widmen. Auf über 2500 Quadratmetern hat sie einen Kräutergarten angelegt, es gibt einen Wellnessbereich, einen riesigen Obstgarten, ein kleines Waldstück und sogar einen Bachlauf um die Terrasse herum.

Schmid dankt ihren Kunden für die langjährige Treue und gesteht, dass sie vor allem die intensiven Gespräche und den täglichen Ratsch vermissen wird. Sie war eine gute Zuhörerin: „Mir wurde viel anvertraut, das ich nie weitererzählt habe“, sagt Schmid. Für diese Diskretion haben sie ihre Kunden geliebt. Elvi Reichert

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