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Bei der Arbeit: Kraft und Geschick braucht Franz Stanner, wenn er bei einem Besen-Rohling die drei „Zehen“ mit Draht abbindet. Dadurch wird der Besen stabiler. 

Altes Handwerk

Besuch in Harthofen: Franz Stanners Besen kehren am besten

Früher konnte jeder Bauer einen Besen binden. Heute gibt es nur noch wenige, die dieses Handwerk beherrschen. Einer von ihnen ist Franz Stanner aus Harthofen.

Harthofen– Unzählige Kehrbesen hat Franz Stanner in seinem Leben schon hergestellt. Wir haben den Landwirt (71) daheim in Harthofen besucht und ihm bei der Arbeit über die Schulter geschaut.

Gelernt habe er das Besenbinden vom Vater, erzählt der Landwirt, der den elterlichen Hof in Harthofen erst kürzlich seinem Sohn überschrieben hat. „Sobald das Laub abgefallen ist, haben wir im Herbst und Winter die Birkenreiser gesammelt“, sagt er. Unterschieden werden dabei die Stehreiser, die von jungen Bäumen stammen, und die Hängereiser von älteren Bäumen.

Beim Besenbinden kommt es auf die optimale Mischung dieser beiden Reisig-Arten an, die auch den Charakter des Besens bestimmt. Überwiegen die härteren, starren Stehreiser, wird auch der Besen am Ende härter. Wer lieber einen Fege- oder Wischbesen herstellen möchte, der fügt mehr Hängereiser hinzu. Sie machen ihn weicher.

Nach dem Sammeln werden die beiden Reiser-Arten in Bündeln zusammengebunden und trocken gelagert, bis wieder ein Schwung neuer Besen gebraucht wird. „Da habe ich als Kind schon mitgeholfen. Der Opa hat alles vorbereitet, das war eine Gemeinschaftsarbeit im Winter, bei der wir dann gleich 30 bis 40 Besen am Stück hergestellt haben“, erzählt Stanner. Diese seien nur für den Eigenbedarf verwendet worden, nicht zum Verkauf.

Wie bei einem Blumenstrauß sucht Franz Stanner die Steh- und Hängereiser einzeln zusammen und kombiniert sie zu einem dicken Bündel dünner Äste. „Die Reiser sollten nicht zu rau, die Äste also nicht zu groß sein, mit feinen Reisern hält der Besen später besser“, erklärt der 71-Jährige. Hat der Strauß den erforderlichen Umfang, wird er in eine spezielle Zwinge eingespannt, die nur dem einen Zweck dient, den Buschen zu fixieren, bis er mit Draht umwickelt ist. Dementsprechend heißt auch das Gerät ganz einfach „Besenbinder“. Mit einem stabilen, dünnen Draht wird das Ende des Straußes nun mehrfach umwickelt, der Rohling bleibt aber weiter in der Halterung. Dann sägt Stanner die Endstücke ab.

„Ganz früher wurden die Besen sogar ohne dieses Werkzeug gebunden. Der Besenbinder hielt dabei den Reisigbuschen mit einer Hand fest und hat ihn mit der anderen Hand mit gespaltenen Weidenästen umwunden. Das waren schon Könner“, sagt Stanner noch heute bewundernd über die Handwerkskunst seiner Vorgänger, die dadurch oft schrundige Hände mit viel Hornhaut entwickelten.

Stanners Ehefrau Martha erinnert sich noch an eine alte Nachbarin, die aus dünnen, geschälten Birkenästen sogar einen richtigen Schneebesen für die Küche hergestellte: „Der hat gut funktioniert, nicht schlechter als die heutigen aus Edelstahl.“

Nach dem Bündeln der Äste beginnt Franz Stanner mit dem so genannten „Zehen binden“: Dabei werden die Äste des Rohlings in drei Teile geteilt, mit einem Abstandsholz fixiert und ein Draht dazwischen geflochten. Der Besen hat nun drei Stränge. „Damit wird er stabiler“, erklärt der sechsfache Opa. Er erkennt schon beim Binden, ob das ein guter Besen wird.

Sind die drei Zehen sauber abgebunden, begradigt Stanner den oberen Rand des Besens mit einem Beil. Der Rohling ist nun noch zu „straußig“ und deshalb noch nicht einsatzbereit. Seine endgültige flache Form erhält er erst nach dem „Einschweren“. Dazu wird der Besen für eine Woche mit einem Brett bedeckt, das mit einem großen Stein beschwert ist.

Auch den hölzernen Besenstiel stellt Franz Stanner selbst her. Er schiebt ihn mit dem angespitzten Ende voran mit aller Kraft in den Rohling, bis er streng auf Spannung sitzt. Um zu vermeiden, dass die dürren Spitzen der Äste gleich beim ersten Einsatz abbrechen, wird der Besen zuvor für eine Stunde ins Wasser gestellt. Aber dann heißt es: „Besen marsch“.

Martha Stanner schwört auf die Reisigbesen ihres Mannes. „Es gibt keinen besseren zum Kehren für den Hof und den Stall“, betont sie. Nach ihrer Erfahrung bleibt im Kunststoffbesen oft der Dreck hängen, beim Reisigbesen ist das viel weniger der Fall. Ganz besonders gut kehren natürlich die neuen Besen – da stimmt das gängige Sprichwort. Durch das Kehren wird der Besen immer kürzer und bekommt seine etwas abgeschrägte Form. Nach ein bis zwei Jahren im Einsatz hat der Besen ausgedient. Dann ist Besenbinder Franz Stanner wieder gefragt und muss für Nachschub sorgen.

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