Leider nur ein Archivbild: der Nikolaus und sein Krampus in Pastetten. Heuer gelten Abstandsregeln. Andernorts fällt die Tradition ganz aus.
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Leider nur ein Archivbild: der Nikolaus und sein Krampus in Pastetten. Heuer gelten Abstandsregeln. Andernorts fällt die Tradition ganz aus.

Corona bremst heuer auch die Nikolaus-Dienste aus – Manche haben ganz abgesagt

Der Heilige Bischof geht auf Abstand

  • Henry Dinger
    VonHenry Dinger
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Der Besuch vom Nikolaus ist für viele Kinder im Landkreis Erding eine der schönsten Traditionen in der Vorweihnachtszeit. heuer wird er coronabedingt anders ausfallen.

Erding – Corona macht nicht mal vor Heiligen Halt, etwa dem Nikolaus. Der würde Anfang Dezember anfangen, die Kinder zu Hause zu besuchen. Heuer ist in der Pandemie alles anders.

„Wir möchten unseren Nikolausdienst auch in dieser schwierigen Zeit anbieten, um den Kindern ein wenig Normalität zu geben und um an dieser schönen Tradition festzuhalten“, schreibt die Freiwillige Feuerwehr Pastetten auf ihrer Homepage. „Wir wollten den Dienst nicht sterben lassen“, macht Feuerwehr-Vorstand Günter Plieninger deutlich. Erst 2016 hat die Feuerwehr nach über 50 Jahren Max Faltlhauser als Nikolaus abgelöst und sich mächtig ins Zeug gelegt. Die Telefondrähte glühen seit Oktober, 108 Kinder aus 54 Familien wurden im vergangenen Jahr glücklich gemacht. Heuer ist es anders.

„Wir werden keine Häuser oder Wohnungen betreten“, sagt Plieninger. Der Mindestabstand zwischen Nikolaus, Krampus und Kind soll immer zwei Meter betragen. Damit fallen gemeinsame Fotos genauso flach wie die persönliche Übergabe der Geschenke. Die werden von den Eltern vor die Tür gestellt, was der Nikolaus den Kindern natürlich nicht verrät.

Wie in jedem Jahr würden sich die Teams auch heuer wieder über Spenden für einen guten Zweck freuen, bitten aber um Überweisung, da sie kein Bargeld annehmen dürfen. „Leider geht’s nur so“, sagt Plieninger und wünscht sich, dem Nachwuchs trotzdem einen schönen Nikolausabend bereiten zu können. „Wir hoffen, dass sich bis dahin die Corona-Regeln nicht so ändern, dass wir es ganz abblasen müssen“.

Das hat die Kolpingsfamilie Isen bereits jetzt gemacht. Die Entscheidung sei sehr schwer gefallen, erzählt Vorstandsmitglied Josef Müller. In den über 40 Jahren, in denen er erst der Krampus und später der Heilige Nikolaus war, sei es das erste Mal, dass der Besuch bei den Kleinen abgesagt wird.

„Für die Kinder tut es mir am meisten leid“, sagt Müller. Aber der Schutz der Kinder, Eltern und Akteure gehe vor, daher habe man sich von vornherein zu diesem Schritt entschieden. „Noch enttäuschter wären die Kinder, wenn wir zwei Tage vorher erklären müssten, dass der Nikolaus nun doch nicht kommt.“

Dass sich die Lage nicht so weit verschärft, dass der Besuch des Heiligen noch gecancelt wird, hofft Markus Sedlmeir. Er ist Vorsitzender des Kulturvereins Neuching, der seit etwa vier Jahren die Familien besucht. „Die Leute freuen sich doch darauf. Es wurde heuer ohnehin alles gestrichen, Veranstaltungen genauso wie private Geburtstagsfeiern“, erklärt Sedlmeir, der mit seinem Verein 2020 auch aufs Theaterspielen verzichten musste. Der Vorstand habe sich erst recht kurzfristig entschieden, den Nikolaus loszuschicken. „Uns allen macht das viel Spaß“, sagt der Familienvater.

Dafür wurden Sicherheitsstandards festgelegt: Die Besuche finden in erster Linie im Freien mit zwei Metern Abstand statt, eine persönliche Geschenkübergabe ist ebenso nicht möglich wie das Halten des Bischofsstabes. Selbst die Hand- und Flächendesinfektion ist genau festgelegt. Außerdem haben die kostümerprobten Schauspieler die Mund-Nase-Bedeckung so in die Verkleidungen eingearbeitet, dass sie kaum zu erkennen sein soll.

Ein ganz anderes Konzept hat sich die Kolpingsfamilie in Taufkirchen ausgedacht, wo es den Nikolausdienst bereits seit über 50 Jahren gibt. „Wir haben lange überlegt, wie wir es lösen“ sagt Vize-Vorstand Robert Pyrkosch. Nun haben sie eine Möglichkeit gefunden: „Die Kinder kommen zum Nikolaus“, erklärt Pyrkosch. Dafür werden in den Pfarrkirchen Taufkirchen und Moosen sowie im Pfarrzentrum Taufkirchen Möglichkeiten geschaffen. Termin ist Sonntag, 6. Dezember, von 16 bis 20 Uhr. Die Familien buchen vorher unter Tel. (01 77) 5 43 89 95 einen Termin, senden die Angaben zum Kind und stellen die Geschenke ab. Zum festgelegten Zeitpunkt sind dann nur der Nikolaus und sein Diener in der Kirche. „Die Hygieneregeln lassen sich da gut einhalten“, meint Pyrkosch und hofft, nicht am Ende durch eine Verschärfung der Regeln doch noch absagen zu müssen. Die Spenden kommen wieder karitativen Projekten zu Gute. Zuletzt waren es 2700 Euro.  

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