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Die gekreuzigte Frau mit dem Vollbart

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Die Pastettener Kapelle steht am Ortsausgang Richtung Poigenberg.
Die Pastettener Kapelle steht am Ortsausgang Richtung Poigenberg. © Peter Bauersachs

Ein ganz besonderes Kleinod ist die Kümmerniskapelle in Pastetten.

Pastetten – Fährt man von Pastetten in Richtung Poigenberg, sieht man am Ortsausgang eine kleine Kapelle, die durch ihren eigenartigen Baustil auffällt. Es handelt sich um die Kümmerniskapelle. Ihr hat Anton Eckert aus Preisendorf einen Film gewidmet, der am Samstag, 20. November, im Pfarrheim Pastetten gezeigt wird.

Das verputzte Ziegelmauerwerk ist zwei Meter hoch, darauf ruht ein verbretterter Kniestock mit mächtigem Ziegeldach, das auf einer Seite von zwei massiven Vierkantsäulen getragen wird. Eine vergitterte Holztür versperrt die Sicht nach innen. Wenn da nicht eine kleine Luke wäre, die Einblick auf eine bunt bemalte hölzerne Altarwand freigibt. Dort hängt als Mittelpunkt ein Kreuz mit einer kuriosen Figur: Eine schlanke Frau mit langen Haaren, Vollbart und überlangen Armen, die an Händen und Füßen ans Kreuz genagelt ist.

Recherchen im Kapellenbüchlein des ehemaligen Kreisheimatpflegers Wolfgang Schierl ergeben, dass es sich um die Heilige Kümmernis handelt. „Früher war in der Kapelle ein Votivbild, das mehrere brennende Häuser von Pastetten zeigt. Vielleicht ist in dieser Notlage die Heilige Kümmernis angerufen worden,“ schreibt Schierl.

Die Kapelle wurde zu Ehren der Heiligen Kümmernis errichtet, die ihr Vater kreuzigen ließ.
Die Kapelle wurde zu Ehren der Heiligen Kümmernis errichtet, die ihr Vater kreuzigen ließ. © Peter Bauersachs

Es handelt sich um eine fiktive Volksheilige, deren Legende im Spätmittelalter entstand. Sie wird als Gekreuzigte im langen Gewand, bärtig und gekrönt dargestellt. Sie wurde weder heiliggesprochen noch sonst wie von der Kirche offiziell als Heilige anerkannt. Aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammen die in den damaligen Niederlanden zu lokalisierenden ältesten Textüberlieferungen von in der Volkssprache verfassten Abschriften. Sie erzählen von der zum Christentum bekehrten Tochter eines heidnischen Königs, die sich gegen eine vom Vater erzwungene Heirat wehrte. Ihre inständigen Gebete, verunstaltet zu werden, um dadurch der Heirat mit einem Heiden zu entgehen, wurden erhört: Ihr wuchs ein Bart. Der erboste Vater ließ die Jungfrau daraufhin „nach Art ihres gekreuzigten Gottes“ durch Kreuzigung hinrichten, so die Legende.

Die ursprünglich Kapelle war 1870 erbaut worden. Zuletzt stand sie auf Privatgrund, 2013/14 wurde die Kapelle – auch Lutzenkapelle genannt – vor dem Verfall gerettet und an die Straße Am Freibach versetzt. Dafür wurden einige Teile restauriert. Der Großteil musste aufgrund des Verfalls aber neu gemacht werden. Das Holzdach zum Beispiel. Dazu hatten zahlreiche Geldspender und Helfer beigetragen.

Der frühere Besitzer ist Anton Hartmaier. Die Darstellung der Feuersbrunst aus dem Jahre 1850, die fünf Anwesen vernichtete, hat er aufgehoben. „Vielleicht ist die Kapelle als Dank dafür errichtet worden, weil nicht das ganze Dorf den Flammen zum Opfer fiel“, vermutet der Rentner.

PETER BAUERSACHS

Filmvorführung

Anton Eckert aus Preisendorf spürt in seinem neuen Film der Heiligen Kümmernis nach, der in Pastetten eine Kapelle gewidmet ist. Dieser Film wird am Samstag, 20. November, um 14 Uhr im Pfarrheim Pastetten gezeigt.

Dafür gelten die zu diesem Zeitpunkt aktuellen Vorgaben aus der Bayerischen Infektionsschutzverordnung – es kommt die 2G-Regel zur Anwendung. Eine Anmeldung im Pfarrbüro Pastetten, Tel. (0 81 24) 12 52 oder per E-Mail st-martin.pastetten@ebmuc.de, ist erforderlich.

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