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Kleidung, Brillen und mehr: Fundsachen aus Pastetten und Buch werden im Rathaus gesammelt. Hier zeigen Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger (l.) und Mitarbeiterin Stefanie Gaigl die Fundkiste. 

Geschichten aus dem Fundbüro 

Eheringe, Brillen und ein ausgebüxter Hund

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Im Rathaus Pastetten gibt es manchmal ein Happy End, wenn Verlierer und Verlorenes im Fundbüro wieder zusammenkommen. Doch manches wartet jahrelang auf seinen Besitzer.

Pastetten– Schlüssel, Handy oder Mütze sind weg? Oder das Fahrrad wurde entführt? Das ist ärgerlich, denn man verliert damit nicht nur einen finanziellen Wert, sondern auch viel Zeit, wenn man die Sachen neu beschaffen muss. Oder zu Hause die Schlösser austauscht, weil man nicht genau weiß, in wessen Händen die Schlüssel nun sind.Noch schlimmer dürfte sein, wenn der Ehering abhanden kommt. Denn dann steht neben dem Verlust auch noch Ärger mit der besseren Hälfte ins Haus.

Ein kleiner Lichtblick für Verlierer heißt „Fundamt“. Das gibt es in jeder Gemeinde – auch wenn nicht jeder, der etwas verloren hat, dort zuerst nachfragt. Im Rathaus von Pastetten werden die Fundsachen aus der Gemeinde selbst und aus Buch am Buchrain verwaltet. Zuständig im Bürgerbüro sind Heidi Eixenberger und Stefanie Gaigl, beide mit jahrelanger Erfahrung. „Dass Fundsachen abgegeben werden, kommt heute öfter als früher vor“, sagt Eixenberger, die seit 1980 auch das Fundbüro betreut. „Das könnte daran liegen, dass es in der heutigen Zeit mehr Feste gibt, bei denen etwas liegen bleibt“, vermutet sie.

Und so sind es in erste Linie Dinge wie Jacken, Schlüssel, Brillen, Handys oder Uhren, die den Weg in den Fröbelweg finden. „Wir bekommen auch oft Hinweise, dass herrenlose Fahrräder irgendwo liegen oder stehen“, erzählt Gaigl. Die werden dann nach ein paar Tagen von den Bauhofmitarbeitern abgeholt und zunächst untergestellt. Gleichzeitig geht eine Meldung an die Polizei in Erding. „Nicht immer findet sich der Besitzer. Manchmal ist das Rad auch einfach entsorgt worden“, so Gaigl.

Was übrigens bis zum Redaktionsschluss des Mitteilungsblattes der Gemeinde nicht abgeholt wird, wird dort veröffentlicht. Die Liste in der Oktober-Ausgabe ist recht lang, darunter sind nicht nur der besagte Ehering, sondern vor allem Schlüssel, Fahrräder und Brillen.

Wer einen Fundgegenstand abgibt, kann entscheiden, ob er ihn nach einer Frist von sechs Monaten behalten möchte, wenn sich kein Verlierer meldet. Verzichtet der Finder auf den Gegenstand, kann das Gefundene auch versteigert oder entsorgt werden. „Wenn jemand ein Fund-Radl nach der Frist behalten möchte, ziehen wir auch die Meldung bei der Polizei zurück“, sagt die Fundbeauftragte. Im Fall von nicht abgeholten Brillen wird die Sache ganz praktisch gehandhabt: „Die heben wir auf, manchmal kann sie jemand benutzen, der bei uns etwas Lesen oder unterschreiben soll und seine Brille vielleicht zu Hause vergessen hat“, sagt Gaigl schmunzelnd. Und Schlüssel werden prinzipiell nicht weggeworfen.

Während so manches relativ schnell wieder von den meist überglücklichen Besitzern abgeholt wird, fristet anderes seit Jahren ein einsames Dasein in den Tiefen der Schubkästen. So wie die dicke Sammelmappe einer amerikanischen Science-Fiction-Serie, die seit sehr vielen Monaten nicht abgeholt wurde. „Das hat bestimmt viel Mühe gemacht, die vielen Bilder zusammenzutragen, das hat doch bestimmt auch einen gewissen Wert“, wundert sich Gaigl.

Im Lauf der Jahre gibt es auch einige kuriose Erlebnisse, an die sich die Damen aus dem Rathaus noch lebhaft erinnern. „Vor ein paar Jahren brachte jemand morgens um halb acht einen Hund vorbei“, erzählt Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger. Der größere Mischling war ausgebüxt und irrte durch Pastetten. „Er war ganz verängstigt“, erinnert sich Gaigl. Die Ortschefin selbst klemmte sich ans Telefon und machte den Besitzer ausfindig, der ihn schließlich wieder abholte. Bis dahin wurde das Tier mit Leckerlis versorgt – und von der Bürgermeisterin höchstpersönlich Gassi geführt.

Von Henry Dinger

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