Die Beleuchtung der Industrie in Harthofen ist in die Kritik geraten.
+
Die Beleuchtung der Industrie in Harthofen ist in die Kritik geraten.

Einfach mal abschalten? – Ärger über Gewerbegebiet

Pastetten nimmt sich der nächtlichen Lichtverschmutzung an

  • Henry Dinger
    VonHenry Dinger
    schließen

Wie hell müssen Straßen und Gebäude in der Nacht erleuchtet werden? Was ist nötig, was nur Umweltbelastung? Die Gemeinde Pastetten nimmt sich des Problems der Lichtverschmutzung an.

Pastetten - Dass helles Licht von Straßenlaternen, Werbeschildern und angestrahlten Gebäude nachts Insekten, Vögeln und anderen Organismen schaden kann, ist bekannt. Auch der Strom, der durch den Zähler rauscht, ist nicht zu verachten. Genau dieses Problems der Lichtverschmutzung will sich die Gemeinde Pastetten annehmen.

Aufs Tapet gebracht haben dieses Thema die Gemeinderäte Susanne Gerster und Alois Huber von der Wählergruppe Reithofen-Harthofen (WRH). Sie legten einen Antrag vor, die Lichtbelastung in der Nacht zu reduzieren. „An vielen Gemeindestraßen brennt die Straßenbeleuchtung durchgehend die ganze Nacht, beispielsweise an der Verbindungsstraße von Reithofen nach Pastetten. Aus unserer Sicht wäre hier beispielsweise eine vollständige Abschaltung im Zeitfenster von ein Uhr bis fünf Uhr denkbar“, argumentiert das WRH-Duo. Das „Zeitmanagement der Straßenbeleuchtung in Pastetten“ böte „ein erhebliches Optimierungspotenzial“.

Besonders ins Auge sticht ihnen jedoch das Gewerbegebiet Harthofen, „dass die ganze Nacht durchgehend hell erleuchtet und von weithin zu sehen ist“. Gester und Huber schlagen vor, dass die Gemeinde Einfluss auf die Gewerbetreibenden nimmt, damit die teilweise unnötige Beleuchtung der Fassaden abgeschaltet wird.

Als Experte war Stefan Munding, Geschäftsführer der SEW Erding, eingeladen. Die SEW ist für die Beleuchtung des Ortes zuständig. Munding erklärte, dass es auf dem Gemeindegebiet etwa 290 Straßenlampen gibt, etwa ein Drittel davon ist mit LEDs bestückt. Die Lampen sind vernetzt und können zentral von Siglfing aus geregelt werden. Zur Zeit werden alle Lampen gleichzeitig von einem Dämmerungsschalter ein- oder ausgeschaltet.

Das Straßenlicht in der Gemeinde zieht jährlich etwa 65 000 Kilowattstunden aus der Leitung, das sind grob gerechnet 0,7 kWh pro Lampe in 24 Stunden. Moderne LED-Leuchten ließen sich auf 50 oder sogar 30 Prozent dimmen. Allerdings müssten dann die Lampen gegebenenfalls kostenintensiv umgerüstet werden. Technisch möglich sei auch, Lampen per Internet und Handy zu steuern. Das Licht leuchtet dann nur, wenn ein Fußgänger oder Radfahrer in der Nähe ist, erklärte Munding. Dann allerdings sollte man bedenken, dass auch die Funkwellen eine Art der Umweltverschmutzung mit sich brächten. In der Beleuchtung des Gewerbegebiets sieht Munding auch einen gewissen Sicherheitsaspekt, die Tankstelle müsse zudem Kunden anlocken.

Für Susanne Gerster ist das Gewerbegebiet ein großes Ärgernis, „es leuchtet nachts wie der Flughafen“. Sie schlägt vor, die gemeindliche Straßenbeleuchtung abzuschalten, weil die Häuser ja ohnehin erhellt sind. Bürgermeister Peter Deischl regte an, zunächst die Besitzer zu bitten, ihre Beleuchtung zu dimmen.

Hans Kerschbaum (FWE) sieht im Straßenlicht nachts die Sicherheit im Vordergrund und forderte auf, „auch die Bürger zu fragen“. Das Licht am Weg zwischen Reithofen und Pastetten würde er in jedem Fall brennen lassen. Das empfindet auch sein Fraktionskollege Horst Ippisch so. Der FWE-Rat fragte nach der Rechtslage, wenn bei gedimmten Lampen jemandem etwas passiert. Munding machte deutlich, dass in so einem Fall die Gemeinde durchaus verklagt werden könnte.

Für Gerster ist diese Diskussion unverständlich. „Es werden ganze Städte nachts abgeschaltet“ und spielte unter anderem auf Vorreiter wie Fulda an. „Warum wird uns jetzt schon wieder Angst gemacht, dass wir verklagt werden können? Wenn wir alle nur noch so denken, werden unsere Vogel- und Insektenwelt und wir selber durch den gestörten Tag-Nacht-Rhythmus große Probleme kriegen.“ Peter Deischl kündigte an, in einer der nächsten Sitzungen Lösungsvorschläge für dieses Thema zu bringen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare