Kaminkehrer und Umweltberater ist Michael Haas – und natürlich ein lebendiger Glücksbringer.
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Kaminkehrer und Umweltberater ist Michael Haas – und natürlich ein lebendiger Glücksbringer.

Glücksbringer und Energieprofi: Michael Haas ist seit über 20 Jahren Kaminkehrer und liebt seinen Job

Dieser Mann steigt den Pastettenern aufs Dach

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
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Michael Haas ist Umweltberater, Glücksbringer und Energieprofi in einem: Er ist seit über 20 in Pastetten und den Nachbargemeinden unterwegs und hat schon so einiges auf den Dächern erlebt.

Pastetten - Michael Haas gehört zu den Leuten, die jedes Kind sofort erkennt. Schwarzer Arbeitsanzug mit goldenen Knöpfen, Kehrbesen und Kehrleine über der Schulter, die Leiter auf dem Autodach – das kann nur der Kaminkehrer sein. Doch nicht nur wegen seines Outfits kennt ihn nahezu jeder Pastettener. „Ich bin schon seit mehr als zwanzig Jahren hier als Kaminkehrer unterwegs“, erzählt Haas. Sein Job sei auch eine Vertrauenssache. Denn er bekommt auch viele private Einblicke bei seinen Kunden. Er läuft nicht nur auf dem Weg zum Dach durchs ganze Haus, sondern muss mitunter in alle Räume, in denen die Öfen, Abluftrohre oder auch Lüftungsanlagen stehen. Verschwiegenheit zählt also auch in seinem Job zu den ungeschriebenen Regeln.

Auch Vater und Großvater waren Schornsteinfeger

Die Grundlagen und die Feinheiten seines Berufs hat der zweifache Familienvater von der Pike auf gelernt. Schon sein Großvater war als Kaminkehrermeister in Erding unterwegs gewesen, sein Vater Ludwig war bereits in Pastetten Schornsteinfeger. So kam Michael als Lehrbua unter den Augen seines Vaters im Jahr 1998 in den Ort und ist bis heute „seinem“ Kehrbezirk treu geblieben.

Natürlich gehören auch heute noch Kehrbesen und Kugel zu seinem Handwerkszeug. Mit ihnen steigt er bei etwa 80 Prozent seiner Kunden aufs Dach, um die Kamine zu reinigen. „Wird nicht gekehrt, kann es zum gefährlichen Funkenflug und damit zu Kaminbränden kommen“, erklärt Haas. Für diese Sicherheit zu sorgen, ist seit Jahrhunderten die Aufgabe der Kaminkehrer.

Die Balance in luftiger Höhe ist „reine Übungssache“, ist sich Haas sicher

Wie man sich sicher in luftiger Höhe bewegt, hat der heutige Meister schon in der Ausbildung gelernt. „Das ist eine reine Übungssache“, lacht Haas. Er erzählt, dass er auch auf dem Hausdach nach dem Rechten schaut und auch schnell mal eine kleine Reparatur ausführt, wenn es einfach zu bewerkstelligen ist. Wer wie er den ganzen Tag auf den Beinen ist, bleibt fit. „Früher habe ich noch Fußball gespielt“, erzählt Michael Haas.

Seit er selbstständig ist, habe er dafür kaum noch Gelegenheit. Denn auch für Weiterbildungen muss er einen ordentlichen Teil seiner Zeit einplanen. Vor allem in den vergangenen Jahrzehnten hat sich durch neue Gesetze und Vorschriften zum Emissionsschutz, zum Brandschutz und durch die Weiterentwicklung schlichter Feuerstätten zu komplexen Heizanlagen sein Aufgabengebiet grundlegend erweitert.

Kugel und Kehrbesen wurden durch moderne Technik ergänzt

Kugel und Kehrbesen wurden durch modernste Messtechnik per Tablet-PC ergänzt, mit der nicht nur Sicherheitslücken aufgedeckt werden, sondern dank der Messergebnisse die Heizungsanlage auch optimal eingestellt werden kann. Dass er als Kaminkehrer nicht nur Energie- und Umweltberater ist, sondern auch Kaminaufsätze montiert und Rauchmelder einbaut, erwähnt Haas beinahe am Rande.Seit sieben Jahren ist er auch bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger, einer von 13 im Landkreis Erding. Sein Kehrbezirk trägt die Nummer 3 und umfasst neben Pastetten unter anderem auch Forstern, Wörth und Hörlkofen sowie Teile von Walpertskirchen, Ottenhofen und Herdweg. Im Herbst vergangenen Jahres hat er sich um diesen Posten neu beworben und wurde im Dezember 2020 für weitere sieben Jahre in diesem Amt bestätigt.

„Bevollmächtigt heißt, dass ich hoheitliche Aufgaben übernehme“, erklärt Haas. Sprich: Er kontrolliert im staatlichen Auftrag, ob die Bestimmungen für Betriebs- und Brandsicherheit von Feuerstätten, die Auflagen des Umweltschutzes und die notwendigen Maßnahmen für die Energieeinsparung eingehalten werden.

Bevor das erste Mal geheizt wird, muss Haas die Feuerstätte abnehmen

Wer also beispielsweise einen Kamin neu baut, einen Ofen anschließen will oder seine Feuerstätte umgebaut hat, kommt an Michael Haas nicht vorbei. „Bevor das erste Mal geheizt wird, muss ich die Anlage abnehmen“, sagt der 37-Jährige. Es muss sichergestellt sein, dass beispielsweise Öfen mit den passenden Abluftsystemen kombiniert werden, damit kein lebensgefährliches Kohlenmonoxid in die Wohnräume gelangen kann.

Dass er die Feuerstätte dann auch weiterhin regelmäßig kontrolliert, kann sein, muss aber nicht. „Der Hausherr entscheidet, ob ich weiterhin vorbeikomme, oder ob er den Auftrag an einen meiner Kollegen vergibt“, sagt er.

Beruf abwechslungsreicher als viele glauben

Nach wie vor gilt ein Kaminkehrer als Glücksbringer und schon allein das verschafft ihm ein sympathisches Ansehen. „Zum Glück gibt’s den Kaminkehrer“ ist auch der Slogan, den sich die Innung der Kaminkehrer auf die Fahnen geschrieben hat. Haas hofft allerdings, dass sich davon bald wieder mehr junge Leute überzeugen lassen, denn momentan fehlt der Nachwuchs. „Mir macht mein Beruf sehr viel Spaß. Und er ist viel abwechslungsreicher, als viele glauben“.

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