In sein kleines Notizbuch hat Michael Bowinzki den Grantler erstmals händisch gezeichnet
+
So hat alles begonnen: In sein kleines Notizbuch hat Michael Bowinzki den Grantler erstmals händisch gezeichnet. Nun tragen ihn unzählige Heimatmode-Fans aus der ganzen Welt.

Michael Bowinzki (30) aus Pastetten zeichnet für Münchner Modelabel

Modelabel „Buadep“: Erfolgreich mit bayerischem Grantler

Der Grantler mit ausgestreckten Mittelfinger ist das Markenzeichen des Klamottenlabels „Buadep“. Entworfen hat die Figur Michael Bowinzki aus Pastetten. Er hat das Modelabel mit aufgebaut.

Pastetten – Kleidung mit bayerischen Motiven ist Trend. Ob T-Shirt, Pullover, Badehose, Tasche oder Cap – die Bandbreite der Heimatmode ist groß. Einer der Hersteller ist die Münchener Marke „Buadep“. Die grafische Vorbereitung der Kleidungsaufdrucke entsteht aber in der Gemeinde Pastetten. Michael Bowinzki hat „Buadep“ mit aufgebaut und ist seit 2015 für den zeichnerischen Teil zuständig. Von dem 30-Jährigen stammt auch der bayerische Grantler, der das Modelabel zuletzt noch bekannter gemacht hat.

Ursprünglich hatte Bowinzki nie Berührungspunkte mit der Produktion von Kleidung – dafür aber schon immer ein ausgeprägtes künstlerisches Talent. Über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt wurde der Pastettener vor einigen Jahren mit seinem Porträt von Bastian Schweinsteiger. Die Zeichnung gefiel dem Fußballprofi selbst so gut, dass er ein Foto davon in den Sozialen Medien veröffentlichte und Bowinzkis Original sogar unterzeichnete.

„Buadep“: An der Uni entsteht die Zusammenarbeit

Das Talent des Pastetteners ist auch einem Kommilitonen in Bowinzkis Studium auf Lehramt an Gymnasien aufgefallen. Als er während einer Vorlesung in seinem Block zeichnete, fragte ihn der Münchner Lauritz Loske, ob er für ihn etwas entwerfen könne. Der heute 29-Jährige hatte 2014 das Label „Buadep“ gegründet, da er immer auf seine selbst designten T-Shirts mit der Aufschrift „Da ganze Bua a Depp“ angesprochen worden sei.

Schnell entwickelte sich eine Freundschaft – und eine geschäftliche Zusammenarbeit. Seit 2015 ist Bowinzki Teil des Modelabels und begann, Designs für T-Shirts und Pullover mit bayerischen Sprüchen zu entwerfen. „Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass ,Buadep‘ mal so groß wird“, gibt er zu. Aber die Nachfrage stieg stetig. Inzwischen hat die Marke eine eigene Produktion, eigenen Versand und sogar einen Laden an der Türkenstraße in München.

„Der Grantler ist Kult“, sagt sein Zeichner Michael Bowinzki. Das Bild des Urbayern ist nur eines von vielen Designs, die der 30-jährige seit 2015 für das Modelabel Buadep angefertigt hat.

Zeichnerisch halte sich der Aufwand für ihn in Grenzen, sagt Bowinzki. Zwei bis drei Kollektionen sowie Sonderaktionen produziert „Buadep“ im Jahr. Zu diesen Zeiten sei das Arbeitspensum etwas größer. „Die besten Ideen entstehen, wenn man gemeinsam Zeit verbringt und bei ein bis zwei Bier ratscht“, erzählt Bowinzki zum Entstehungsprozess von neuen Modeinhalten. Neue Entwürfe fertigt der Pastettener nach seinen Vorstellungen an, meist daheim an Laptop oder Tablet. In Abstimmung mit Loske wird dann der Entwurf finalisiert.

Gemeinsam entwickelten die beiden Männer auch die Idee für ein Aztekenmuster-Design mit bayerischen Symbolen. Noch bekannter wurde das Label durch Bowinzkis Zeichnung des Grantlers – ein Bayer mit Trachtenhut, Vollbart und griesgrämigen Blick. Auf dem fertigen Kleidungsstück wird er durch die Brusttasche etwas verdeckt. Der erhobene Mittelfinger des Grantlers kommt daher erst auf den zweiten Blick zum Vorschein.

Der Grantler ist inzwischen Kult - und wurde bereits weltweit geliefert

„Wir wollten etwas Neues machen und das eben lustig verpacken“, erklärt Bowinzki. Das erste T-Shirt mit dem Grantler wurde ein Verkaufsschlager. „Innerhalb von zwei Stunden war alles ausverkauft. Die Nachfrage hatte alles überstiegen, was wir davor gemacht haben.“ Inzwischen sei der Grantler Kult und wurde bereits auf alle Kontinente geliefert. „Das macht wirklich stolz“, sagt der Grafiker. Inzwischen hat der 30-Jährige den Grantler bereits öfter abgewandelt – als Skifahrer, mit Anzug oder im Sommeroutfit mit einer Eiswaffel.

Die Pandemie habe „Buadep“ bislang gut überstanden. In Hinblick auf den Direktvertrieb im Laden „war Corona natürlich blöd, wie für alle“, sagt Bowinzki. Da das Versandgeschäft jedoch sehr ausgeprägt sei, habe es sich finanziell ausgeglichen.

Normalerweise unterstützt der 30-Jährige auch regelmäßig bei der Logistik, im Kundenservice oder im Laden. Zuletzt musste er sich jedoch auf sein Staatsexamen konzentrieren. Die Prüfungen am Münchner Wilhelmsgymnasium in diesem Sommer hat er bestanden. Inzwischen weiß Bowinzki, dass er für seinen Beruf nicht die Heimat verlassen muss: Der 30-Jährige fängt im September an einem Gymnasium in Moosach im Münchner Norden als Latein- und Sportlehrer an. Sicher ist für ihn, dass er künftig gern wieder mehr zeichnen und auch „Buadep“ treu bleiben will: „Jetzt habe ich wieder mehr Zeit. Das Referendariat hat zuletzt einfach alle meine Kapazitäten gebraucht.“

Die Arbeit mit der Mode macht dem Lehrer Spaß und auch stolz, „wenn man die T-Shirts in der U-Bahn oder beim Wandern sieht“. Auch Familie und Freunde aus Pastetten seien mit vielen „Buadep“-Klamotten ausgestattet. Demnächst starten die Vorbereitungen für die Winterkollektion. Bowinzki wird sich dann wieder viel Zeit nehmen für neue Designs. Das Zeichnen sei für ein angenehmer Ausgleich, bei dem er gut abschalten könne.

Markus Ostermaier

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare