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Fendsbacher Hof: Hoffen auf Normalität

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Von: Henry Dinger

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Der Weihnachtsmarkt im Fendsbacher Hof 2018.
Der Weihnachtsmarkt im Fendsbacher Hof 2018. © Dinger

„Wir hoffen wirklich, dass im Januar wieder mehr Normalität einkehrt“, sagt Gertrud Hanslmeier-Prockl. Die Gesamtleiterin des Einrichtungsverbunds Steinhöring, zu dem auch der Fendsbacher Hof in Pastetten gehört, ist mit ihrem Team seit Pandemiebeginn im Frühjahr 2020 damit beschäftigt, Konzepte zu erarbeiten, um die Sicherheit von Schützlingen und Mitarbeitern zu gewährleisten.

Fendsbach – Der Fendsbacher Hof ist die Heimat oder Arbeitsstelle von 140 Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen. Etwa genauso viele Mitarbeiter und Betreuer, viele in Teilzeit, gibt es. Neben einer Werkstatt, in der beispielsweise für Industriebetriebe Aufträge in der Produktion übernommen werden, gibt es auch eine Holzverarbeitung sowie eine Küche und Hauswirtschaft, in der die Erzeugnisse aus dem eigenen Bio-Gartenbau und der angeschlossenen Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehhaltung verarbeiten. Sich und diese Produkte in einem unterhaltsamen Rahmen beim jährlichen Hoffest zu präsentieren, war zuletzt 2019 möglich. Auch der Weihnachtsmarkt, der Menschen alle zwei Jahre weit über die Landkreisgrenzen hinaus angezogen hat, fiel dem Virus zum Opfer.

Wie in allen Bereichen des Lebens hat Corona im Fendsbacher Hof Abläufe und bestehende Strukturen teils auch nachhaltig verändert. Vor welch immense Herausforderungen die Pandemie die Verantwortlichen stellt, belegt eine Art Online-Tagebuch, das auf der Homepage des Einrichtungsverbundes zu finden ist. Eine der größten Aufgaben war, die Arbeit in den Werkstätten so zu organisieren, dass die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich gehalten wird.

„Wir haben im Jahr 2020 Wechselschichten in den Werkstätten eingeführt“, erklärt Hanslmeier-Prockl. Das heißt, dass in einer Woche die Arbeitsplätze in den Werkstätten von Menschen, die nicht auf dem Hof wohnen, besetzt wurden und in der anderen Woche von den Beschäftigten aus den Wohngruppen.

Die Werkstätten des Fendsbacher Hofs.
Die Werkstätten des Fendsbacher Hofs. © Dinger

Das bedeutete für die Betroffenen vor allem, dass die Zusammensetzung der Arbeitskollegen neu gemischt wurde und sich mancher in neue Aufgaben einarbeiten musste. Nur in der Gärtnerei ging es halbwegs normal weiter, da die Arbeit im Freien und mit großen Abständen möglich war.

„Für alle Beteiligten ist das auch eine hohe psychische Belastung“, sagt Hanslmeier-Prockl, denn auch von ihren Kollegen war ein hohes Maß an Flexibilität gefragt. Etwa dann, wenn Mitarbeiter wegen Quarantänemaßnahmen ausfielen und andere an ihren freien Tagen Schichten übernehmen mussten. Diese Regelung galt zunächst bis Mai 2021, ab Juni gab es wieder den Regelbetrieb.

Wegen der steigenden Infektionszahlen und höherer Ansteckungsgefahr durch die Delta-Variante des Virus wurde im November 2021 wieder auf die Wechselschichten umgestellt, es wird nun auch noch engmaschiger getestet. Hanslmeier-Prockl freut sich, dass in der Einrichtung bei Betreuten und Mitarbeitern eine hohe Impfquote erreicht wurde, viele sind bereits geboostert. „Wichtiger wäre aber eine hohe Quote auch in der Gesamtbevölkerung“, unterstreicht sie und spricht sich, auch im Sinne der Teilhabe, für eine allgemeine Impfpflicht aus. Es könne nicht sein, dass für die Einrichtungen eine Impfpflicht herrsche, die Betreuten müssten sich auch in der Gesellschaft wieder ohne Bedenken bewegen können.

Trotz Besuchsbeschränkungen, Masken- und Testpflicht gab es im Jahr 2021 kleinere Zusammenkünfte und Feierstunden im Fendsbacher Hof. Auch der geplante Ausbau des Dachgeschosses in der Förderstätte hat begonnen, er soll Mitte 2022 abgeschlossen sein.

Dass das neue Jahr wieder etwas mehr Normalität in den Einrichtungsverbund bringt, ist der große Neujahrswunsch aller Beteiligten. Geplant ist, dass die externen Mitarbeiter in den Werkstätten ab 10. Januar wieder starten, einen Tag später sollen die Bewohner des Hofes hinzukommen.

Doch obwohl die Einrichtung mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, sieht die Leiterin auch Positives. „Wir haben gelernt, schnell vom Regel- in den Wechselbetrieb zu wechseln. So können wir auf Veränderungen flexibel reagieren.“

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