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Die historische Löschgruppe – unser Bild zeigt sie beim Feuerwehr-Jubiläum in Waldperlach – ist heuer beim Trachten- und Schützenzug am ersten Wiesn-Sonntag, 23. September, in München dabei. 

Feuerwehr Reithofen-Harthofen beim Trachtenumzug auf dem Oktoberfest 

Ausgerüstet wie 1903 zur Wiesn

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Der Feuerwehr Reithofen-Harthofen wird heuer eine besondere Ehre zuteil. Sie darf beim großen Trachten- und Schützenzug am ersten Wiesn-Sonntag mitmarschieren. Zu sehen ist die historische Löschgruppe am 23. September gegen 11.20 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

Reithofen/Harthofen– Eigentlich sind beim großen Trachten- und Schützenzug am ersten Wiesn-Sonntag festlich gekleidete Trachtler dabei, Sport- und Gebirgsschützen, Musikkapellen, Spielmannszüge und historische Trachtengruppen. Rund 9500 Mitwirkende präsentieren eine Vielfalt von Trachten, Volkstanz, Brauchtum und Tradition, während sie von der Maximilianstraße durch die Münchner Innenstadt zur Wiesn ziehen.

Doch zur Tradition in Bayern gehören auch die Feuerwehren. Als eine von drei Feuerwehrgruppen darf heuer die Wehr Reithofen-Harthofen mitmarschieren. „Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt Feuerwehr-Vorsitzender Matthias Zimmerer, der gemeinsam mit Johannes Huber federführend dafür gesorgt hat, dass die Wehr in München dabei sein darf.

Sie bewirbt sich schon seit einigen Jahren um eine Teilnahme bei dem Umzug, der sich heuer am Sonntag, 23. September, um 10 Uhr am Maximilianeum in Bewegung setzt. Noch nie hat es geklappt. Bis zum vorigen Sommer, als die Reithofener mit ihrer historischen Löschgruppe bei den Feierlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen der Feuerwehr Waldperlach anrückten. Auch Dieter Reiter war da dabei und entdeckte die Löschgruppe. Beim Gespräch mit Thomas Huber ließ sich der Münchner OB für das Ticket zum Umzug hinreißen.

Was sie mit München verbindet? In den Jahren 1943 bis 1945 waren die Kräfte nach den schweren Bombenangriffen und den damit verbundenen Großfeuern regelmäßig in der Landeshauptstadt im Einsatz. In der Chronik der Wehr ist beispielsweise die Beteiligung an den Löscharbeiten an der Paulanerbrauerei am 2. Oktober 1943 genannt.

Die Reithofener marschieren mit der Startnummer 41 und werden laut Zimmerer gegen 11.20 Uhr im Bayerischen Fernsehen zu sehen sein. Das Drehbuch beziehungsweise der Ablauf des Umzugs steht längst fest: Nach einer Feuerwehrkapelle und den Kameraden aus Aubing kommt die Wehr Reithofen-Harthofen – „und zwar voll historisch ausgerüstet, wie wir 1903 ausgerückt sind“, erklärt Zimmerer.

Das Gründungsfoto der Feuerwehr Reithofen-Harthofen von 1903: Nach dem Vorbild der Uniformen haben sich einige Mitglieder Kleidung nachschneidern lassen.

Dazu gehören neben der Handdruckspritze, 1901 von der Löschgerätefabrik Justus Christian Braun gebaut, auch historische Uniformen. „Einige unserer Mitglieder haben sich eigens Uniformen schneidern oder Helme nach historischem Vorbild nachkonstruieren lassen“, berichtet Zimmerer und betont: „Das ist rein aus deren Privatinitiative entstanden und für jeden ein richtiger Schatz.“

Historisches Vorbild ist dabei die Ausrüstung, die die Feuerwehrler auf dem Gründungsfoto der Wehr aus dem Jahr 1903 getragen haben: Jacken aus schwarzem oder grauem Filzstoff mit roter Paspel und Messingknöpfen, darunter weiße Baumwollhemden mit Stehkragen und auf dem Kopf polierte Messinghelme. Höhere Dienstgrade tragen zudem Kragensterne und historische Orden des Königreichs Bayern.

„Solche Details haben die Kameraden übers Internet oder bei Sammlern aufgetrieben“, erklärt Zimmerer, der selbst zum Beispiel eine Jacke tragen wird, die bereits sein Vater als junger Feuerwehrler anhatte. Sie enthält historische Elemente wie den Schriftzug „Fire Department“, der nach dem Zweiten Weltkrieg als sichtbarer Ausweis gegenüber den Besatzungskräften auf die Uniformjacken genäht worden war. Moderner Schmuck oder Tattoos hingegen sind beim Umzug tabu. Da gibt es strenge Regeln.

Anführen wird die Gruppe ein historisch uniformierter Taferlbub mit der handgeschnitzten Vereinstafel. Es folgt Franz Stanner als Hornist (Melder) mit Originaltrompete, auf der er bayerische Feuerwehrsignale der Jahrhundertwende zu Gehör bringen wird. Das dazu passende Fahrrad stammt aus der Zeit gleich nach dem Ersten Weltkrieg und wurde der Feuerwehr von einem Sammler aus Karlsdorf überlassen. „Der freut sich, dass ein Teil seiner Sammlung beim Umzug mitfährt, statt nur bei ihm daheim rumzustehen“, sagt Zimmerer.

Insgesamt beteiligen sich 15 Feuerwehrler an der Löschgruppe – Kommandant mit weißem Paradebusch, Adjutant mit rotem Paradebusch, Maschinist, Spritzenzugführer mit weiß-rotem Paradebusch, Sanitäter. Auch sogenannte Feuerhaken haben sie dabei – lange Haken, die damals zum Einreißen abgebrannter Gebäudeteile dienten.

Ebenfalls mit nach München nehmen sie die Original-Standarte von 1903. „Damals ist man zu jedem Löscheinsatz mit der Standarte ausgerückt“, berichtet Zimmerer. Wo der Kommandant war, da war auch die Standarte. An deren oberen Ende war eine Lampe befestigt, „damit man den Kommandant auch bei Einsätzen in der Nacht schnell finden konnte“, erklärt Zimmerer.

Hauptbestandteil der Löschgruppe ist jedoch die holzbereifte Feuerspritze mit der angehängten Schiebeleiter (Baujahr 1903). Deren wurmzerfressene Holzreifen hat der langjährige Vorsitzende Josef Neumaier herrichten lassen, sodass das historische Gefährt jetzt wieder einwandfrei rollt.

Eine Besonderheit der Handdruckspritze ist deren Motorleistung von zwei PS – in Form von echten Pferden versteht sich. Die bringt Franz Stanner sen. aus Harthofen, der selbst lange bei der Wehr aktiv war, mit nach München.

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