Gerätehaus statt Bolzplatz: Wo hier auf dem Bild die zwei Tore stehen, soll das gemeinsame Feuerwehrhaus gebaut werden. Dass damit der Schulsport- und Freizeitplatz ein gutes Stück schrumpft, wird im Ort kritisch betrachtet.
+
Gerätehaus statt Bolzplatz: Wo hier auf dem Bild die zwei Tore stehen, soll das gemeinsame Feuerwehrhaus gebaut werden. Dass damit der Schulsport- und Freizeitplatz ein gutes Stück schrumpft, wird im Ort kritisch betrachtet.

Kommandanten aus Pastetten und Reithofen erbost über Gerätehaus-Bau auf dem Sportplatz

Kommandanten sind sauer: „Feuerwehren werden einfach ignoriert“

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
    schließen

Die Kommandanten der Feuerwehren Pastetten und Reithofen-Harthofen sind sauer über die Entscheidung des Gemeinderats, ein gemeinsames Feuerwehrhaus auf dem Schulsportplatz zu bauen.

Pastetten – Seinem Ärger über die Entscheidung, ein gemeinsames Feuerwehrhaus auf dem Schulsportplatz zu bauen, lässt Peter Lex mit einem Kommentar im sozialen Netzwerk Facebook freien Lauf: „Die Kosten wurden auf 6 300 000 Euro geschätzt, zusätzlich sollen zehn Prozent Sicherheit eingerechnet werden. Somit kommen wir auf knapp sieben Millionen Euro für eine Lösung, die weder die beiden Feuerwehren, die Kreisbrandinspektion, noch die Regierung von Oberbayern befürworten“, schreibt der Erste Kommandant der Pastettener Feuerwehr. Für ihn vor allem unverständlich: „Vorschläge der Feuerwehren, wie das Thema Gerätehäuser wesentlich günstiger umgesetzt werden könnte, werden einfach ignoriert.“

Kommandant Peter Lex: Viel Zeit und viele Steuergelder verschwendet

Bereits im Jahr 2010, so Lex, seien im vorhandenen Gerätehaus diverse Mängel festgestellt und der Gemeinderat darauf hingewiesen worden. „Nachdem bis 2014 nichts passierte, wurde durch die Feuerwehr ein Antrag auf Ertüchtigung des vorhandenen Gerätehauses gestellt“, sagt der Kommandant. Ein Architekt habe einen Plan und eine Kostenschätzung erstellt. „Die Kosten beliefen sich inklusive Inventar auf 660 000 Euro. Der damalige Gemeinderat hat daraufhin beschlossen, ein neues Gerätehaus zu errichten“, teilt der Kommandant mit.

Viel Zeit und vor allem viele Steuergelder seien verschwendet worden, um diverse Lösungen zu planen und wieder zu verwerfen. Mit der Entscheidung des Rates geht er hart ins Gericht: „Inzwischen geht es schon lange nicht mehr um die eigentliche Sache, sondern nur, welche Gemeinderäte ihre persönliche Meinung durchsetzen können. Es fehlt hier definitiv die Kompromissbereitschaft und auch der Wille, andere Lösungen in Betracht zu ziehen.“

Kommandant Thomas Huber: „Es ist besser, wenn die Feuerwehren eigenständig untergebracht sind“

So wäre es definitiv immer noch eine Alternative, das alte Gerätehaus zu erweitern und ein zweites, bedarfsgerechtes Gerätehaus zu bauen. Im Blick hat er dabei auch die Schule, sagt der Kommandant auf Nachfrage unserer Zeitung. Es sei ein Fehler, den einzigen Sportplatz des Ortes zu zerstören. Dieser würde immerhin von der Grundschule, der Mittagsbetreuung und von vielen Jugendlichen in ihrer Freizeit benutzt. Erst in der vorigen Sitzung haben junge Leute einen Antrag auf einen Skatepark gestellt, der von den Räten begrüßt worden sei.

Thomas Huber, Erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Reithofen-Harthofen, pflichtet Lex bei. Seine Mannschaft ist aufgrund der Corona-Situation aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen und residiert nun mit den Fahrzeugen in einer Halle in Harthofen.

Es habe sich gezeigt, so Huber, dass eine Trennung gut ist: „Es ist besser, wenn die Feuerwehren eigenständig untergebracht sind.“ Das würde auch ein Großteil der über 90 Aktiven in der Reithofen-Harthofener Wehr so sehen. Der Kommandant wähnt mit den endlosen Diskussionen und dem nun erfolgten Beschluss zu einem gemeinsamen Haus auch gewachsene Strukturen in Gefahr: „Man muss doch nicht etwas Gutes kaputtmachen, das es schon seit 100 Jahren gibt.“ Die nun anvisierte Version sei zudem nicht die wirtschaftlichste Lösung.

Auch Schulleiterin Karin Wittig wegen des Standorts in Sorge

Die immer wieder auflodernden und teils ergebnislosen Debatten sieht Huber auch in Hinblick auf die Wertschätzung seiner Kameraden kritisch: „Leute, die nie bei einer Feuerwehr waren, treffen hier Entscheidungen über die Rahmenbedingungen.“

Dass der künftige Standort auch seitens der Schule mit Sorge betrachtet wird, zeigt ein Brief von Rektorin Karin Wittig an Bürgermeister Peter Deischl. Das Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, datiert vom 18. Oktober 2020. Wittig bittet zu bedenken, dass der große Platz unter anderem den Kindern dazu diene, „ohne enge Begrenzungen und unnötige Gefahren draußen zu spielen“, und verweist auf die 50-Meter-Bahn, die für den Sportunterricht nötig sei. Außerdem sei die Zahl der Kinder in der Nachmittagsbetreuung steigend. Mit Spannung werden im Ort die Stellungnahmen von Kreisbrandinspektion und Landratsamt erwartet.

Henry Dinger

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare