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Wie könnte der Hochwasserschutz in Reithofen künftig aussehen? Die neuesten Pläne von Göran Brandhorst vom Ingenieurbüro Sehlhoff (rechts neben Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger) lockten zahlreiche Besucher in die Sondersitzung des Gemeinderates Pastetten. 

Hochwasserschutz

Reithofen: Wird der Hirschbach doch umgeleitet?

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Pastetten - Seit Monaten ringt der Pastettener Gemeinderat um tragfähige Hochwasserschutzmaßnahmen für Reithofen. Obwohl eine Verlegung des Hirschbachs aus Kostengründen bislang auf wenig Begeisterung gestoßen war, ist sie nun wieder im Rennen. 

Planer Göran Brandhorst vom Ingenieurbüro Sehlhoff hatte auch die Kosten für die Verlegung des Hirschbachs  ermittelt. In einer Sondersitzung des Pastettener Gemeinderates am Dienstag stellte er drei Varianten vor. Jetzt müssen die Räte entscheiden.

Dass das Interesse der Bürger groß sein würde, ahnte man in der Gemeinde. So standen Bierbänke im Saal, damit mehr Zuhörer – überwiegend Reithofener – Platz haben. Sehr zur Freude von Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger: „Schön, dass so viele gekommen sind, das zeigt das Interesse an diesem Thema.“

Planer Göran Brandhorst vom Ingenieurbüro Sehlhoff hatte Marina Ruhstorfer dabei, eine Studienabsolventin des Bauingenieurwesens, die sich in ihrer Master-Arbeit vier Monate lang mit den Wasserschutzmaßnahmen in Reithofen befasst hatte. Das Problem: Bei einem theoretisch angenommenen Jahrhunderthochwasser kommt das Nass mit 13,3 Kubikmeter pro Sekunde aus Richtung Forstern angerauscht. „Um eine staatliche Förderung für Gegenmaßnahmen zu bekommen, müssen da noch 15 Prozent draufgeschlagen werden“, sagte Brandhorst. Das heißt, dass über 15 Kubikmeter pro Sekunde durch den Ort geschleust werden müssten. Der Hirschbach in seinem Bett und mit allen Durchlässen packt aber nur 4,5 Kubikmeter pro Sekunde. Die Folge: Der Ortskern Reithofens säuft ab.

In der Vergangenheit wurde stets nach einer günstigen Lösung mit Retentionsflächen vor dem Ort – beispielsweise mit einem Ablauf in eine Kiesgrube – überlegt. Doch bei allen Alternativen stehen Genehmigungsfähigkeit und Zuschüsse in Frage.

Aus den vielen Ideen blieb nun die vor einiger Zeit aus Kostengründen noch verworfene „Generationenlösung“ bestehen, deren Varianten in erster Linie Ruhstorfer durchgerechnet hat. „Es bleiben drei Varianten“, sagte Brandhorst.

Bei Variante eins wird der Hirschbach kurz vor dem Ortseingang Reithofen aus Richtung Forstern nach Westen abgeleitet und schließlich parallel zum Ort nach Norden in Richtung großer Retentionsflächen geführt. In Reithofen selbst bleibt das Bachbett bestehen, da von den Seiten – wenn auch wesentlich weniger – Wasser einfließt. Diese Lösung ließe sich naturnah ausführen, ist jedoch mit 3,8 Millionen Euro auch die teuerste Version. Hinzu kommt der notwendige Grunderwerb durch die Gemeinde für das neue Bachbett.

Variante zwei wäre, den Hirschbach durch den Ort fließen zu lassen, ihm aber für den Fall eines Hochwassers eine Flutmulde zu bauen. Diese würde ähnlich wie im Fall des komplett verlegten Baches westlich um Reithofen herumgezogen. Unterm Strich wäre diese Lösung mit 2,6 Millionen Euro etwas günstiger, aber auch hier kommt der Grunderwerb dazu.

Alternative drei würde eine Retentionsfläche im Oberlauf vor dem Ort vorsehen, in der das Wasser zunächst aufgestaut werden kann. Kosten: rund 2,9 Millionen Euro.

Planer Brandhorst plädierte für Variante eins mit naturnah verlegtem Hirschbach. Hier könne man zusätzlich einen Spazierweg und einen Ort der Naherholung schaffen. Allerdings erfordere diese Variante noch einen weiteren Feinschliff durch zusätzliches Retentionsvolumen. Die Diskussion im Gemeinderat zeigte, dass diese Lösung durchaus in Betracht kommen könnte. Alois Zollner (CSU) begrüßte, dass es nun erstmals eine „realistische Lösung“ gebe, die es zu diskutieren gibt. Eine Hürde, das war von den Räten mehrfach zu hören, könnten die Verhandlungen mit den Grundstückseignern darstellen.

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