Land unter hieß es im Juni 2013, als vielerorts die Straßen überschwemmt waren - wie hier in Reithofen. ArchivFoto: (Seidl)
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Land unter hieß es im Juni 2013, als vielerorts die Straßen überschwemmt waren - wie hier in Reithofen. (Archivfoto)

Zusätzlicher Kanal – In Reithofen „sind wir noch nicht so weit“

Hochwasserschutz für Pastetten rückt in greifbare Nähe

  • Henry Dinger
    VonHenry Dinger
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Der Hochwasserschutz für Pastetten rückt in greifbare Nähe. Vor Reithofen liegt indes noch ein langer Weg.

Pastetten – Auf Antrag der Grünen-Gemeinderäte Alice und Christian Lorenz rückte im Gemeinderat Pastetten das Thema Hochwasserschutz wieder in den Fokus. Das Räte-Ehepaar wollte den Stand der Planungen wissen. Als Referent war Göran Brandhorst vom Ingenieurbüro Sehlhoff eingeladen. Das Büro ist bereits seit der letzten Legislaturperiode mit der Planung von Schutzmaßnahmen beschäftigt.

Für das Vorhaben in Pastetten nannte Brandhorst einige neue Details. Angedacht ist nun ein zusätzlicher Kanal, der von einer Art erhöhtem Weg gebildet wird. So soll das Wasser aus Richtung Süden besser in das Rückhaltebecken geleitet werden. Wie Brandhoff nochmals in einer Simulation zeigte, würden die Maßnahmen auch ein Jahrhunderthochwasser plus der zusätzlich eingerechneten 15 Prozent Sicherheit abfedern können. „Das Wasserwirtschaftsamt würde das so auch mittragen“, so der Planer. Sobald eine Entscheidung fällt, könne man die Grundstücksverhandlungen angehen und dann im Herbst dieses Jahres das Genehmigungsverfahren in die Wege leiten.

Im Notfall Wasser in eine Kiesgrube leiten

Auf Rückfrage von Andreas Winner (FWE) meinte Brandhorst, dass man die Bauarbeiten durchaus im Frühjahr kommenden Jahres starten könne – vorausgesetzt, der Grunderwerb gehe zügig über die Bühne. Die Frage von Alois Zollner (CSU) nach einer bereits vorhandenen Kostenkalkulation verneinte Brandhorst, nannte aber im weiteren Verlauf der Diskussion eine Summe von geschätzten 200 000 Euro. Davon könnten 50 bis 75 Prozent aus Fördertöpfen stammen. Eine von Winner erwähnte Förderung von 90 Prozent sei laut Bürgermeister Peter Deischl (FWE) nicht möglich, da es sich nicht um ein Fließgewässer handele.

Während in Pastetten der Schutz in greifbare Nähe rückt, liegt noch ein langer Weg vor den Nachbarn. „In Reithofen reden wir über eine ganz andere Situation, hier sind wir noch nicht so weit“, erklärte Brandhorst. Mit der sogenannten Generationenlösung, bei der der Hirschbach um Reithofen herumgeführt würde, käme man nicht weiter. Also müsse man versuchen, Rückhaltelösungen vor dem Ort zu realisieren. Die Variante, das Wasser im Notfall in eine Kiesgrube zu leiten, sei nach wie vor aktuell.

Allerdings werde nun eine andere Fläche anvisiert. Bei der vorherigen Idee habe man sich mit dem Grundstückseigner nicht einigen können. Daher kommen nun gemeindeeigene Areale ins Gespräch, die allerdings erst zu einer Grube ausgebaut werden müssen. „Wir versuchen das Beste“, so Brandhorst. „Es wäre aber gut, wenn die Bürger auch mithelfen könnten und Grund zur Verfügung stellen würden.“ Nach seiner Erfahrung gebe es Gemeinden, „die an den Grundstücksverhandlungen scheitern“.

„Jedes Teilstück bringt Vorteile und strahlt aus“

Zollner forderte ein „modulares Konzept“, sonst würde der Hochwasserschutz auch in dieser Periode des Gemeinderats nicht realisiert. Man müsse ein Zeichen setzen, auch wenn es erst „20 Prozent Fortschritt“ wären, damit ein Vorankommen sichtbar wäre. Dem stimmte Deischl zu: „Jedes Teilstück bringt Vorteile und strahlt aus.“

Susanne Gerster (WRH) fragte nach, ob in Reithofen selbst auch Maßnahmen angedacht seien, man könne doch im Zuge von Baumaßnahmen die Straße tiefer legen oder den Graben verbreitern. Brandhorst erklärte, dass man diese Vorschläge bereits überprüft habe. Das Problem beim Graben sei nicht die Breite, sondern die Tiefe: „Da muss man richtig weit runter.“ Außerdem seien die Überfahrten in privater Hand, „so was ist schwierig“. Deischl erklärte, dass die Staatsstraße laut Straßenbauamt keine „wasserführende Straße“ sei.

Alois Huber (WRH) schlug vor, die Planung in einzelne Maßnahmen zu splitten und eine Lösung für die Kreuzung Erdinger Straße und Buchrainstraße zu finden. „Die kleinen Maßnahmen werden kein Jahrhunderthochwasser aufhalten, aber sie sind Bausteine in einem größeren Netz“, meinte Brandhorst. Er werde die Anregungen mitnehmen. Ein Beschluss fiel weder zu Pastetten noch zu Reithofen.

Deischl teilte noch mit, dass beim jüngsten Hochwasser 3500 bis 4000 Sandsäcke gefüllt und 15 Tauchpumpen bereitgestellt worden seien. Derzeit habe man die Reinigung der Sickerschächte in Pastetten-Mitte und am Steidlerring beauftragt. „Die sind verschlammt, da wurde sehr lange nichts dran gemacht.“ Die Reinigung soll künftig alle vier bis fünf Jahren erfolgen. Das sei zwar nur eine kleine Aktion, aber vielleicht könne es der „letzte entscheidende Punkt sein, warum ein Keller nicht vollläuft“.

hd

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