Daniel Wolff, Digitaltrainer und Medienpädagoge, spricht vor den Pastettener Grundschülern
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Tipps für einen sicheren Umgang mit dem Internet gab Daniel Wolff, Digitaltrainer und Medienpädagoge, den Pastettener Grundschülern. Vor allem die Viertklässler hatten bei dem zweistündigen Workshop in der Turnhalle viele Fragen.

Digitaltrainer Daniel Wolff sensibilisiert Pastettener Grundschüler und ihre Eltern für die Gefahren im Netz

„Im Internet gibt es nicht nur nette Menschen“

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
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Über den richtigen Umgang mit WhatsApp, TikTok & Co. sprach Digitaltrainer Daniel Wolff mit den Pastettener Grundschüler. Und er hatte viele konkrete Tipps für die Kinder dabei.

Pastetten – „Stellt euch vor, ihr lernt online einen Jungen kennen, den ihr nie vorher gesehen habt“, bittet Daniel Wolff die Viertklässler in der Schulturnhalle Pastetten. „Der Junge ist sehr nett und sagt, dass er elf Jahre alt ist. Und natürlich ist er euer Freund, der euch manchmal ein Geheimnis anvertraut. Er hilft euch und gibt euch Tipps, wie ihr Videos noch besser machen könnt. Das geht so mehrere Wochen. Und eines Tages sagt er, dass ihr euch treffen sollt. Aber ihr dürft niemandem etwas davon erzählen, vor allem den Eltern nicht. Würdet ihr hingehen?“, fragt Wolff die Kinder. „Nein...“, kommt etwas zögerlich aus den Reihen. „Aber er ist doch euer Freund!“, bohrt der Medienpädagoge weiter. „Und er hat doch gesagt, dass er erst elf ist. Würdet ihr hingehen?“ Die Antwort lautet wieder Nein, offensichtlich entwickeln Pastettener Schüler ein gesundes Misstrauen.

Und Nein ist richtig. Im erzählten Beispiel habe sich das Kind seinen Eltern anvertraut und die Polizei verständigt. „Und stellt euch mal vor: Am See war gar kein Elfjähriger, sondern ein 53-jähriger Mann.“ Eindringlich versucht Digitaltrainer Wolff den Schülern zu vermitteln, dass es im Internet „nicht nur nette Menschen gibt“.

Das sollte jeder wissen, der ein Smartphone hat. So eins hat etwa die Hälfte der Viertklässler schon. Viele von ihnen sind bei WhatsApp, Instagram oder TikTok aktiv. Bei letztgenannter Plattform kann jeder kurze Videoclips hochladen, ob witzig oder frivol ist dabei egal. 13 Jahre ist das Mindestalter dafür, und das Einverständnis der Eltern muss vorliegen. Tatsächlich aber kann jeder die App runterladen. „Bei der Anmeldung wird zwar das Alter abgefragt, aber da kann man eintragen, was man möchte“, sagt Wolff. Und dann komme der Suchtfaktor. „Da tanzen junge Mädchen und zeigen viel Bein – je mehr sie zeigen, desto mehr Likes bekommt der Clip“, erklärt Wolff den Schülern. Sein eindringlicher Appell: „Postet niemals Videos von euch, die eure Eltern nicht gesehen haben.“

Die Gefahren lauern in der Anonymität des Internets, wo sich jeder eine falsche Identität zulegen kann. „Da bekommen Zehnjährige Nacktfotos von Erwachsenen. Die erpressen sie dann unter dem Motto ,Du hast mich nackt gesehen, jetzt will ich dich auch nackt sehen. Wenn nicht, erzähle ich es deinen Eltern‘.“ Wolff rät, in jedem Fall die Eltern zu verständigen – auch, wenn es um Wünsche nach heimlichen Treffen gehe. „Niemand darf sich mit euch treffen, ohne dass eure Eltern das wissen.“ Die Alarmglocken sollten auch bei Fragen wie „Bist du grad allein zu Hause?“ schrillen.

Für WhatsApp hat der Experte einige Tipps parat: „Stellt kein Profilbild von euch rein, auf dem man sieht, dass ihr ein Kind seid. Leitet Kettenbriefe nicht weiter, auch wenn Schlimmes angedroht wird. Das wird alles nie passieren. Erlaubt nur euren Kontakten, euch zu Gruppen hinzuzufügen oder euren Online-Status zu sehen. Nehmt keine Kontaktanfragen von Fremden an.“

In seinem zweistündigen Workshop sprach der Experte viele Themen an – auch wie man nicht auf kostenpflichtige Glücksspiele hereinfällt. Nach dem Internet-Sicherheitstraining für die Dritt- und Viertklässler am Vormittag gab es einen Elternabend zum gleichen Thema. „Schon im Januar hatten wir den Referenten eingeladen, das kam auch als Anregung von den Eltern“, erklärte Schulleiterin Karin Wittig. Konkrete Negativerfahrungen mit den Gefahren aus dem Netz gab es laut Wittig an der Schule noch nicht, dennoch seien Lehrer und Eltern wachsam.

Henry Dinger

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