Inmitten seiner mobilen Schätze fühlt sich Markus Zawadke wohl.
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Inmitten seiner mobilen Schätze fühlt sich Markus Zawadke wohl. Die meisten Schönheiten weckt er kurz vor Ostern aus dem Winterschlaf.

Bei Oldtimer-Sammler Markus Zawadke warten besondere Fahrzeuge auf wärmere Zeiten

Alte Schätze im Winterschlaf

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
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In einer Halle in der Gemeinde Pastetten hat Markus Zawadke seine ganz besondere Sammlung trocken untergestellt. Hier hält ein ganz besondere Fuhrpark derzeit Winterschlaf.

Moosstetten – Wer wohlgeformtes Blech liebt, die herbe Geruchsmischung aus Leder, Schmierfett und Motorenöl als anregenden Duft empfindet und beim Anblick von Automobilen mit Charakter einen beschleunigten Puls bekommt, der findet in dieser Halle sein Dorado: In der Gemeinde Pastetten hat Markus Zawadke seine Sammlung trocken untergestellt. Hier halten seine Schätze Winterschlaf.

In der Garage ist eine illustre Automobilgesellschaft versammelt, dominiert von rassigen Sportlern mit US-Wurzeln wie Chevrolet Corvette C1, 57er Ford Thunderbird, Pontiac Firebird, Chevrolet Chevelle SS und weiteren Leckerbissen dieser Art. Begleitet werden die Amis von deutschen Sportgeräten wie Opel GT, Elfer-Porsche oder einer 356er-Porsche-Replik, die vom Original nahezu nicht zu unterscheiden ist. Aber auch die Oberklasse ist in Form eines noblen Rolls-Royce Corniche vertreten – einem Lustkauf, der aus einem Kindheitstraum resultiert, wie Zawadke verrät.

In der Halle finden sich darüber hinaus ein halbes Dutzend liebevoll restaurierter Feuerwehrfahrzeuge – jene Gefährte, die einst den Grundstein des bunten Fuhrparks bildeten. Denn Zawadke, der früher als gelernter Koch in namhaften München Lokalen gearbeitet hat und seit drei Jahrzehnten eine Firma für Geschirrverleih- und Eventausstattung betreibt, ist nicht nur aktiver Feuerwehrler, sondern auch Sammler von Ausrüstungsgegenständen und Uniformen.

Sein Fachwissen, das er sich damit aneignen konnte, hat ihm mittlerweile den Posten des Technischen Leiters in einem der größten deutschen Feuerwehrmuseen in Waldkraiburg beschert. Allerdings hat das zurzeit ebenso Corona-Pause wie die komplette Messe- und Eventbranche. Der 55-Jährige beschäftigt sich zurzeit vor allem mit Dingen, die bislang liegen geblieben waren.

Dass die meist achtzylindrigen Kraftwerke seiner Preziosen derzeit nicht klanggewaltig bollern, liegt an der ganz normalen Winterpause. „Von O bis O, wie bei den Winterreifen“, dauere auch bei ihm die Ruhesaison, so Zawadke. Sprich: Im Oktober werden die ersten Autos eingestellt, und etwa gegen Ostern dürfen die ersten ohne Saisonkennzeichen wieder an die Luft. Wenn es warm und trocken ist, vielleicht auch früher. Dazwischen passiert nicht viel.

Die Art des Einlagerns ist bei Oldtimer-Freunden eine Grundsatzphilosophie. Der gebürtige Münchner wendet dafür seine eigenen Methoden an. Fachlichen Rat holt er sich auch schon mal von seinem Bruder, der sich als gelernter Kfz-Mechaniker und Maschinenbau-Ingenieur bestens auskennt und mit Tipps und Tricks zur Seite stehen kann. „Die Wagen werden regelmäßig hin- und hergeschoben“, erklärt Zawadke, der seit frühester Kindheit ein Autonarr ist. Eineinhalb Radumdrehungen reichen, damit die beweglichen Teile fit bleiben.

Bevor es in den Winterschlaf geht, bekommen die Motoren frisches Öl und werden an den erforderlichen Stellen frisch abgeschmiert. Erst nach der Pause wird der Schlüssel wieder gedreht. Wenn der Motor läuft, fährt der Chef die erste ruhige Tour mit 15 bis 20 Kilometer Länge – eigentlich. „Je nachdem, wie das Wetter ist, kann die Strecke auch mal länger werden“, erzählt Zawadke und erwähnt mit spitzbübischem Lächeln, dass er dann auch gern mal mit dem Thunderbird einen Ausflug auf die Autobahn unternimmt.

Seine altehrwürdigen Schätze vermietet Zawadke übrigens auch – über seine Firma „Mietoldtimer & mehr“. Mit größeren Touren wird es allerdings für seine Oldie-Mieter im kommenden Frühjahr und Sommer wohl nichts werden – coronabedingt. „Ich plane fürs laufende Jahr erst mal keine geführten Gruppenreisen mit Übernachtung“, sagt der Oldie-Enthusiast. Er könne sich vielleicht im Herbst geführte Tagestouren vorstellen. „Wir Veranstalter müssen Verantwortung übernehmen“, sagt Zawadke. Oldtimerfreunde seien emotionale, herzliche Menschen – aber fachsimpeln in geselliger Runde oder eine freundschaftliche Umarmung zum Abschied ist zurzeit nicht drin. „Emotionen auf Distanz zu zeigen, ist schwer.“

Wie es im April mit dem Vermietgeschäft weitergeht, werden die Vorschriften zum Infektionsschutz zeigen. Immerhin zählten in den vergangenen Jahren auch Filmproduktionsfirmen zu Zawadkes Kunden – auch auf diesem Gebiet lief im Jahr 2020 nichts.

hd

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