Beim Vater der Hund, beim Sohn die Katze: Möglichst detailgetreu nachstellen wollte Matthias Zimmerer das alte Foto seines Vaters.
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Beim Vater der Hund, beim Sohn die Katze: Möglichst detailgetreu nachstellen wollte Matthias Zimmerer das alte Foto seines Vaters.

70 Jahre nach Rudi Zimmerer fährt dessen Sohn Matthias das gleiche BMW-Motorrad

70 Jahre später: Sohn fährt gleiches Motorrad wie sein Vater

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
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Vor 70 Jahren war ein BMW-Motorrad der ganze Stolz von Rudi Zimmerer. Jetzt will sein Sohn Matthias das gleiche Modell fahren. Es fehlt nur noch der TÜV.

Moosstetten – Matthias Zimmerer zeigt ein altes Foto von zwei jungen Männern auf einem BMW-Motorrad. „Das sind die beiden im Juni 1949 bei einer Fahrzeugweihe in Forstern“, erzählt er. Die zwei auf dem Schwarz-Weiß-Bild sind Rudolf „Rudi“ und sein Bruder Josef „Sepp“ Zimmerer aus Harthofen.

Rudi war der Vater von Matthias Zimmerer und die Maschine vor 70 Jahren sein ganzer Stolz. Wenige Jahre zuvor war er froh gewesen, den Krieg überlebt zu haben. „Mein Vater war erst 16, als er 1944 eingezogen wurde“, sagt Zimmerer. Rudis Bruder Josef war zwei Jahre älter. Nach ihrer Rückkehr stürzten sich die beiden Schuhmacher in die Arbeit. „Schuster wurden nach dem Krieg gebraucht“, sagt Sohn Matthias.

Und sie waren sparsam. Nach der Währungsreform 1948 konnten sich die Zimmerer-Brüder einen Traum erfüllen: Für 1750 Mark kauften sie beim damaligen BMW-Händler Alois Schießl in Erding eine R 24, das erste Nachkriegsmodell der Einzylinder-Serie von BMW. Das war damals sehr viel Geld, laut Sohn Matthias lag der Stundenlohn in der Traktorenfabrik Eicher gerade mal bei 80 Pfennig.

Bald spürten die Brüder einen entscheidenden Nachteil des 12 PS starken Zweirads: Die Maschine hatte keine Hinterrad-Federung. „Die Straßen waren damals noch nicht befestigt, und entsprechend holprig war das Fahren“, sagt Matthias Zimmerer schmunzelnd. Seinem Vater war das bald zu hart, und so wurde die R 24 wieder verkauft und dafür eine R 25 mit Hinterrad-Federung angeschafft – wieder beim Schießl und wieder für 1750 Mark. Das war im März 1951.

Auf einem Foto posiert der frischgebackene Eigentümer stolz mit seiner neuen Maschine, die da noch nicht mal ein Zulassungsschild trägt. Neugierig schaut der Familienhund zu. Rudolf verstarb, ebenso wie sein Bruder Josef, der später als Schuhmachermeister in Isen bekannt wurde, im Jahr 2016.

Sohn Matthias haben die Geschichten von dem Motorrad, das er nie live gesehen hat, schon als Kind fasziniert. Er hat sich sehr für das Leben seines Vaters interessiert und schon anlässlich dessen 85. Geburtstags Erinnerungen und alte Dokumente in einem Buch zusammengefasst. „Er hat oft erzählt, wie stolz er war, sich so kurz nach dem Krieg diese Mobilität leisten zu können. Er hat auch jeweils zwei Reisen an den Bodensee und zu seiner Schwester nach Frankfurt unternommen. In seinem Nachlass haben wir noch mehrere Zündschlüssel des Motorrads gefunden“, erzählt der 52-Jährige.

Der erste Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 hat auch dem selbstständigen Elektroinstallateurmeister ein Plus an Freizeit beschert. Normalerweise ist er in mehreren Vereinen und als CSU-Gemeinderat in Pastetten aktiv, doch nun hatte Zimmerer auf einmal Zeit, sich um die Vergangenheit zu kümmern. „Zunächst habe ich mich mit meiner Tante in Frankfurt in Verbindung gesetzt. Sie konnte sich trotz ihrer 96 Jahre noch an die ersten beiden Motorräder erinnern“, erzählt der vierfache Familienvater.

Auch mit der Geschichte der Baureihen R 24 und R 25 hat er sich auseinandergesetzt. Etwa die Hälfte aller R 25 damals seien für Beiwagen ausgelegt gewesen, hat er erfahren. „Dann habe ich im Internet nach einer Solomaschine mit Hinterrad-Federung gesucht, die der meines Vater so ähnlich wie möglich ist. Sie sollte auch möglichst im März 1951 erstmals zugelassen worden sein“, erzählt Zimmerer.

Fündig wurde er schließlich in Trier. „Der Verkäufer wollte die Maschine nur in gute Hände abgeben und hat erst zugestimmt, als ich ihm das alte Foto von meinem Vater geschickt und erklärt hatte, dass ich sie selbst fahren will.“

Gemeinsam mit Tochter Anna holte er die R 25, die seit 1978 abgemeldet in einer Garage stand, ab. „Der Motor lief. Vor allem sehr gut ist, dass das Motorrad nicht verbastelt ist, Rahmen- und Motornummer stimmen mit dem Typenschild überein“, freut sich Zimmerer. Er hat die Maschine auseinandergenommen und die Technik instandgesetzt. Dabei achtete er darauf, die Patina zu erhalten. Aber: „Ich will kein Museumsstück, ich will das Motorrad ganz normal fahren.“ Zuvor muss der TÜV Ende März noch seinen Segen geben, danach darf „ED RZ 3“ auf die Straße. „Das Kennzeichen soll an meinen Vater Rudi erinnern“, so Zimmerer.

Henry Dinger

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