Rollatoren stehen in einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft
+
Der Pastettener Gemeinderat hat den vom Landkreis geplanten Pflegekrisendienst abgelehnt. (Symbolbild)

Pastetten stimmt gegen die Pläne des Landratsamts

Klare Absage an Pflegekrisendienst

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
    schließen

Der Pastettener Gemeinderat hat den vom Landkreis geplanten Pflegekrisendienst abgelehnt.

Pastetten – Der Plan aus dem Landratsamt, einen Pflegekrisendienst einzurichten, stößt bei den Pastettener Gemeinderäten auf wenig Gegenliebe. Wie berichtet, soll dieser Dienst in dringenden Notfällen einspringen, wenn eine Pflegekraft gebraucht wird. Etwa, wenn ein alter Mensch nach einer schweren OP am Freitagnachmittag aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen wird, ein Pflegedienst aber erst am Montag übernehmen kann.

Um das Wochenende zu überbrücken, soll der Pflegekrisendienst schnell und unkompliziert einspringen – so sieht es das Konzept des Landkreises vor. Angedacht ist ein Probebetrieb von einem Jahr, die Finanzierung soll aus den Kassen der Gemeinden erfolgen. Pro Einwohner ist ein Betrag von einem Euro vorgesehen.

Dem negativen Abstimmungsergebnis von 3:12 Stimmen ging eine Diskussion voraus, die Gemeinderätin Susanne Gerster (WRH) angestoßen hatte. Die Allgemeinmedizinerin erteilte dem Projekt eine klare Absage. Ihren Ratskollegen trug sie den Inhalt einer Mail vor, in der sie Landrat Martin Bayerstorfer ihre ablehnende Haltung bereits im Juli mitgeteilt hatte.

„Warum muss man wieder etwas Neues ins Leben rufen?“, fragte Gerster. Ihr sei unverständlich, wie das Klinikum alte und gebrechliche Leute entlassen kann, ohne zu klären, ob es zu Hause jemanden gibt, der sich kümmert. Der Dienst sei nicht die optimale Lösung. „Es ist fraglich, ob ein alter Mensch es schafft, sich die Telefonnummer aus dem Internet zu suchen.“ Besser sei es, die Hausärzte rechtzeitig zu informieren. Sie könnten schnell Hilfe organisieren.

Gerster schlug vor, das Vorgehen im Klinikum zu ändern und von dort aus die Hilfe zu planen. „Wenn man jemanden nicht nach Haus entlassen werden kann, muss er eben drei Tage länger bleiben.“ Zustimmung bekam sie von Alice Lorenz (Grüne) und Hans Kerschbaum (FWE). „Ich bin auch der Meinung, dass man sich um ein vernünftiges Entlassungsmanagement kümmern sollte“, sagte Lorenz.

Horst Ippisch (FWE) verstand die Problematik, fände es aber dennoch besser, einen Krisendienst zu etablieren, auch wenn er nur „ein Pflaster für eine Wunde ist, die gar nicht erst entstehen sollte“. Bürgermeister Peter Deischl (FWE) meinte, dass er den Versuch für ein Jahr starten würde.

Auch Alois Zollner (CSU) sprach sich dafür aus. „Das Geld sollten wir spendieren“, meinte Zollner, auch wenn es noch kein überzeugendes Konzept sei. Er stimmte ebenso dafür wie Ippisch und Deischl. Die Mehrheit war dagegen.

Henry DInger

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kroatien-Urlaub zu Corona-Zeiten: Familie aus Bayern erhält Hassbrief - der Inhalt macht betroffen
Kroatien-Urlaub zu Corona-Zeiten: Familie aus Bayern erhält Hassbrief - der Inhalt macht betroffen
Lehrerin an Gymnasium mit Corona infiziert
Lehrerin an Gymnasium mit Corona infiziert
Krach um einen Straßenmusiker
Krach um einen Straßenmusiker
Flughafen München: „Wie das gehen soll?“ - Passagier verwundert über Schild - Airport reagiert
Flughafen München: „Wie das gehen soll?“ - Passagier verwundert über Schild - Airport reagiert

Kommentare