Die Freie Wählergemeinschaft Einigkeit hat die Zahl ihrer Gemeinderäte von vier auf sieben ausgebaut. Wie das Gremium künftig aussieht und was der Bürgermeister vorhat...
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Der neue Gemeinderat in Pastetten. Die FWE stellt sieben Räte sowie den Bürgermeister, die CSU, WRH und BIG verlieren. Neu sind die Grünen mit drei Sitzen.
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Peter Deischl ist neuer Bürgermeister der Gemeinde Pastetten. Der 58-jährige Zimmerermeister gehörte von 1990 bis 2014 für die FWE dem Gemeinderat an.
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Andreas Winner (45)FWE, 1550 StimmenArchitekt
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Hans Kerschbaum (69)FWE, 1449 StimmenIngenieur
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Horst Ippisch (56/neu)FWE, 1375 StimmenKaufmann
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Gerhard Nußrainer (47)FWE, 1359 StimmenElektromeister
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Florian Faltermaier (40/neu)FWE, 1021 StimmenZimmerer
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Roswitha Bayer-Siegling (63)FWE, 851 StimmenFinanzbuchhalterin

Kommunalwahl 2020

Einigkeit Pastetten erobert Rathaus zurück – Bürgermeister im Interview

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Die Freie Wählergemeinschaft Einigkeit hat die Zahl ihrer Gemeinderäte von vier auf sieben ausgebaut. Wie das Gremium künftig aussieht und was der Bürgermeister vorhat...

PastettenDie klare Gewinnerin der Wahl zum neuen Gemeinderat in Pastetten ist die Freie Wählergemeinschaft Einigkeit (FWE). Die Gruppierung hatte bislang vier Sitze und ist künftig mit sieben Räten im Gremium vertreten. Außerdem stellt sie mit Peter Deischl den neuen Bürgermeister.

Damit erobert sich die Vereinigung, die seit 1948 die Pastettener Lokalpolitik entscheidend mitbestimmt und bereits mehrfach den Bürgermeisterstuhl besetzt hat, das Rathaus zurück. „Wir wurden von diesem Ergebnis selber überrascht“ sagt Andreas Winner, alter und neuer Gemeinderat. Als wichtigstes Thema sieht er das schwere Erbe des alten Rates, nämlich die zwei geplanten Feuerwehrhäuser. „Wir müssen hier eine Lösung finden, die sowohl finanziell passt, als auch den Feuerwehren gerecht und von der Bevölkerung akzeptiert wird“, sagt Winner. Jetzt müsse man nach vorne schauen und „die Streitigkeiten überwinden. Wir sollten die bestehenden Aufgaben bewältigen, dafür wurden wir gewählt“.

SPD ist aus dem Rat raus

Neben Winner ziehen Hans Kerschbaum und Gerhard Nußrainer wieder in den Gemeinderat ein, neu auf FWE-Seite sind Horst Ippisch, Florian Faltermaier und Leo Rehmann. Einzige Frau bei der FWE ist Gerlinde Bayer-Siegling, bislang Einzelkämpferin für die SPD. Damit sind die Sozialdemokraten aus dem Rat raus.

Neu dabei sind dagegen die Grünen. „Wir freuen uns sehr, dass wir aus dem Stand zwei Mandate erreicht haben“, sagt Alice Lorenz, die zusammen mit ihrem Mann Christian Lorenz die beiden Sitze belegen wird. „Das zeigt, dass unsere Glaubwürdigkeit bei Themen wie Nachhaltigkeit, Sozialverträglichkeit und Umweltschutz hoch eingeschätzt wird.“

Feuerwehren haben oberste Priorität

Zusammen mit den anderen Räten habe es nun oberste Priorität, schnell eine praktikable und finanzierbare Lösung für die Unterbringung und Ausstattung der Feuerwehren zu finden. Erst dann wüsste man, wie viel Geld noch für andere Pläne der Gemeinde da sei.

Die CSU, die bislang vier Räte und Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger stellte, fuhr herbe Verluste ein. Die Fraktion schrumpfte auf die zwei langjährigen Räte Matthias Zimmerer und Alois Zollner. Zimmerer, der auch die Bürgermeisterwahl gegen Deischl mit mageren 24,6 Prozent deutlich verloren hat, ist von der neuen Zusammensetzung des Gemeinderates enttäuscht. „Zu wenig Frauen, kaum Jugend, keine Landwirte“, sagt der 50-Jährige und bedauert, dass die Wähler so entschieden haben. Auf diese Punkte habe er wegen der Interessenvielfalt besonders im Wahlkampf Wert gelegt.

Nur noch drei Frauen im Gemeinderat

In der Tat bestimmen mit Bayer-Siegling, Alice Lorenz und der Reithofener Allgemeinärztin Dr. Susanne Gerster (WHR) nur drei Frauen über die Geschicke Pastettens mit. Das war im alten Rat noch besser: da waren die Frauen inklusive Vogelfänger immerhin zu viert.

Die Wählergemeinschaft Reithofen-Harthofen (WRH) hat einen Sitz eingebüßt. Für Alois Huber, der neben Gerster erneut den Einzug in den Gemeinderat geschafft hat, ist das aber kein Grund zum Klagen. „Der dritte Sitz war schon immer sehr knapp“, sagt Huber.

BIG verliert einen Sitz – Andreas Wagner jetzt allein

Er bedauert, dass das Gerangel um das oder die Feuerwehrhäuser den Wahlkampf überschattet hat. „Der Wählerwille war hier klar erkennbar.“ Es sei nun wichtig, eine gute Lösung zu finden. „Wir diskutieren gern mit und wir werden uns nicht verweigern“, kündigt Huber an. Er hoffe, dass sich das Thema nicht die nächsten sechs Jahre hinziehe, denn es gäbe noch vieles andere, was es anzupacken gilt.

Federn lassen musste bei den Wahlen auch die Bürgernahe Interessengemeinschaft (BIG). Sie verlor einen der beiden Sitze. jetzt ist Andreas Wagner allein. „Das ist kein Weltuntergang, das schaffen wir schon“, zeigt er sich optimistisch. Was ihn insgesamt am Wahlausgang stört, ist der verhältnismäßig hohe Altersdurchschnitt der Räte. „Mit meinen 34 Jahren dürfte ich der Jüngste sein“, meint Wagner. Dabei hätten auf allen Listen genügend junge Leute kandidiert.

Henry Dinger

Interview mit Bürgermeister Peter Deischel: Schnelle Lösung für die Feuerwehr

Herr Deischl, was wollen Sie als Bürgermeister als Erstes in Angriff nehmen?

An allererster Stelle steht im Moment, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit wir gut und gesund durch die Corona-Krise kommen, beziehungsweise alle Auswirkungen auf uns Bürgerinnen und Bürger und auch auf unsere Gemeinde zu managen. Außerdem braucht das Thema Feuerwehr eine schnelle Lösung und wird daher eine der ersten und großen Aufgaben sein.

Welche drei weiteren Themen sehen Sie als die wichtigsten für den Ort?

Als sinnvoll erachte ich es, gleich zu Beginn die großen Themen mit einer langen Vor- und Ausführungszeit anzupacken, sodass wir diese langfristig begleiten und steuern können. Das ist allen voran „Älter werden auf dem Land“. Wie angekündigt, werden wir uns für eine Unterstützung und Verbesserung in der Tagespflege, Kurzzeitpflege und der Mobilität für unsere älteren Mitbürger einsetzen, um für die Pflegekräfte eine Entlastung zu erreichen. Weiter steht ein vernünftiger Hochwasserschutz auf der Agenda, damit die Entwicklung der Gemeinde gesichert ist. Das dritte große Thema ist der Ausbau des Verkehrswegenetzes. Zum einen wird das der Ausbau der Staatsstraße durch Reithofen/Harthofen sein und zum anderen der Bau des Radweges von Buch am Buchrain nach Markt Schwaben.

Stichwort Transparenz: Wie werden Sie die Arbeit des Gemeinderates nachvollziehbarer gestalten?

Wichtige Themen werden mit ausreichend Vorlauf bekannt gegeben und in den öffentlichen Gemeinderatssitzungen diskutiert. Ich würde mich über eine rege Bürgerbeteiligung freuen und bin offen für Anregungen. Die Beschlüsse des Gemeinderates werden weiterhin im Mitteilungsblatt und auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht. In der Bürgerversammlung soll nicht nur der Haushalt vorgestellt werden, sondern auch die nächsten Projekte. Bei Bedarf werden wir zu wichtigen Themen Informationsveranstaltungen anbieten. In der Bürgersprechstunde können sich die Bürger bei mir persönlich Informieren.

Wie sollen die Bürger mitbestimmen können, wenn es um große Projekte geht?

Beispielsweise wurde für den Flächennutzungsplan ein Bürgerworkshop veranstaltet. Dieser kam insgesamt sehr gut an. Workshops oder auch Runde Tische, bei denen die Bürger mitwirken können, könnte ich mir auch zukünftig für bestimmte Projekte gut vorstellen. Ebenso kann eine Bürgerbefragung ein interessantes Mittel zur Verbesserung der Beteiligung sein.

Was wird sich bei der Arbeit des Gemeinderates im Vergleich zu heute ändern?

Die gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung, unabhängig von Gruppierungen, Parteien oder Ortschaften soll verbessert werden. Alle haben für mich den gleichen Stellenwert. Es wird sachbezogen und objektiv diskutiert, nicht persönlich und emotional. Mit Ehrlichkeit, Offenheit und Transparenz wird im Gemeinderat miteinander umgegangen. Das ist für mich Grundvoraussetzung. Es gibt keine Ausgrenzungen. Es gibt keine Bevorzugungen.

Das Interview führte Henry Dinger

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