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Seit über 30 Jahren haben Andreas Renner und Alexander Adam (v. l.) den Opel Blitz der Feuerwehr Pastetten unter ihren Fittichen. Und auch dank Ludwig Huber, bei dem er seinen Ruheplatz gefunden hat, kann heuer der 70. Geburtstag „vom Blitz“, wie er von den Kameraden genannt wird, gefeiert werden.

Opel Blitz der Feuerwehr Pastetten 

Das feuerrote Löschmobil wird 70

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Der Opel Blitz der Freiwilligen Feuerwehr Pastetten ist ein Blickfang auf jedem Oldtimertreffen. Sein strahlender Glanz ist vor allem dem Engagement von Andreas Renner und Alexander Adam zu verdanken.

Pastetten– „Hoffentlich springt er an“, meint Andreas Renner und lächelt verschmitzt. Klar, er springt an. Der Anlasser dreht nur kurz, dann schnurrt der Opelmotor auch schon los. Überraschend leise und rund läuft die 70 Jahre alte Maschine warm, nur der Auspuff sprotzelt in der Kaltphase noch hörbar. Autofans bekommen bei diesem Geräusch eine Gänsehaut.

Klar, es klingt wie früher, als Autos noch Charakter hatten. Und es riecht auch wie früher, als die Benzinabgase noch ungehindert von Katalysatoren ins Freie drangen und Motoren nach warmem Öl dufteten. „Das ist der Sechszylinder aus dem Kapitän“, sagt Alexander Adam nicht ohne Stolz. Der 55-PS-Motor schlägt als Herz des Opel Blitz, dem Oldtimer-Blickfang der Feuerwehr Pastetten. Das feuerrote Löschmobil begeht in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag und ist damit halb so alt wie die Wehr selbst, die heuer ihr 140. Jubiläum feiert.

Dass der Opel überhaupt so alt werden durfte, ist in erster Linie den Feuerwehrkameraden Renner und Adam zu verdanken, die den Oldie nicht nur mit neu aufgebaut haben, sondern ihn auch liebevoll erhalten. Die Früchte ihrer Mühe ernten sie meist auf Oldtimertreffen, wo der Pastettener Blitz bewundert wird.

Die Karriere des Rüsselsheimers beginnt als Fuhrarbeiter. Im Jahr 1947 gebaut, diente der Blitz bei der Kunstmühle Daschner in Oberschwillach als Mehltransporter. 1956 blätterte die Gemeinde Pastetten für den gebrauchten Opel 925 Mark auf den Tisch und nahm ihn mit. Der Wagen wurde für den Transport von Feuerwehrmannschaft, Leitern und Löschgeräten umgebaut und entsprechend lackiert.

Auf die Ladefläche war zunächst eine Flader-Motorspritze vom Typ „Siegerin“ montiert, die schon beim Vorgängerfahrzeug Dienst tat. Die Spritze wurde von einem DKW-Zweitakt-Motor aus den 1930er Jahren angetrieben. 1961 musste sie einer neuen Barchert-Tragkraft-Pumpe mit VW-Käfer-Boxer weichen.

Anfangs belächelt

Nach 20 Jahren treuem Dienst wurde der Opel schließlich von einem damals leistungsfähigeren LF 8 in Rente geschickt und in eine Garage abgeschoben. Dort hüllte sich nicht nur der Mantel des Vergessens um den alten Hessen, sondern auch eine Schicht aus Fäule und Korrosion – vollverzinkte Karosserien waren zu diesem Zeitpunkt noch stille Zukunftsmusik.

Im Jahr 1986 wurde das alte Auto aus seinem zehnjährigen Schlaf geweckt. Es war Leo Rehmann, der damalige Vorsitzende der Feuerwehr, der neben Adam und Renner auch Kameraden wie Horst Adam, Josef Renner sen., Franz Märkl, Thomas Renner, Gerald Huber und Michael Korber für den Oldtimer begeistern konnte. Auf dem Anwesen von Josef Huber in Zeilern wurde der Opel in hunderten Stunden Arbeit in ein Schmuckstück verwandelt. „Wir hatten damals beide gerade erst ausgelernt“, erinnert sich Renner. Während er sich mehr um die Mechanik kümmerte, war Adam fürs Blech zuständig.

Es gab Leute, die das Vorhaben damals belächelten. „Den kriegt ihr nie wieder hin“, bekamen sie oft zu hören, sogar Wetten wurden abgeschlossen. Doch mit Geschick und Beharrlichkeit gelang es, den alten Kameraden wieder auf Vordermann zu bringen. Dabei galt es, manche Klippen zu umschiffen. „Die Kotflügel waren komplett durch“, erklärt Renner. Ersatzteile gab es nicht, also hieß es, erst sandstrahlen und dann schweißen. Bei der Restaurierung des Wagens wurden aber auch zeitgenössische Details belassen.

Heute gut in Schuss

So etwa die Öffnungen, die Ende der 1940er Jahre in die Motorhauben geschnitten wurden. Hier liefen die Rohre eines Holzvergasers durch, der auf der Ladefläche montiert war. Zu dieser Zeit wurden viele Autos mit Holz befeuert, da Benzin Mangelware war. Später wurde der provisorische Antrieb wieder zurückgerüstet, die Löcher blieben.

Neben unzähligen Blech-, Holz- und Lackierarbeiten stand die Technik auf dem Plan. Der Kabelbaum der Sechs-Volt-Elektrik wurde komplett getauscht, die Kopfdichtung erneuert, ein elektrischer Starter montiert. „Bis dahin musste man noch mit der Hand kurbeln“, erklärt Renner und erzählt eine Anekdote: „Nach der ersten Oldtimerfahrt nach Wasserburg am Inn sind wir zu denen gefahren, die uns belächelt haben, und haben uns zwei Kästen Bier abgeholt. Das war der Wetteinsatz.“

Heute ist der Wagen gut in Schuss: Der TÜV hatte kaum etwas zu meckern, nur eine Warnblinkanlage muss nachrüstet werden. So kann das Auto auch auf den eigenen Achsen hunderte Kilometer zu Oldtimertreffen nach Weiden, Oberstdorf, Starnberg oder Melk in Österreich rollen. Am Dienstag steht das Treffen in Eicherloh auf dem Plan. Auf der Ladefläche sitzt jetzt übrigens wieder die DKW-Pumpe. „Die wollen wir eigentlich auch noch gründlich restaurieren. Dafür bräuchte der Tag aber wirklich 36 Stunden“, sagt Renner.

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