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Thomas Keller vom Ingenieurbüro IBG (stehend) bei seiner Präsentation in der Pastettener Gemeinderatssitzung, die erneut in die Turnhalle verlegt wurde. Als Experten waren auch Peter vom Hofe von der Regierung Oberbayerns und Kreisbrandrat Willi Vogl eingeladen (links von ihm).

Gemeinderatsbeschluss

Pastetten baut zwei Feuerwehrhäuser

Nachdem das angedachte Doppelhaus für die Feuerwehren Pastetten und Reithofen-Harthofen am Sportplatz wegen der Hilfsfrist-Problematik vom Tisch ist, wird es nun zwei Häuser geben. Wann und wo ist noch nicht entschieden.

Pastetten Im Gemeindegebiet Pastetten werden zwei Feuerwehrhäuser gebaut. Das haben die Gemeinderäte entschieden. Der Grundsatzbeschluss wurde von einer Mehrheit gefasst, dagegen stimmten Andreas Winner (FWE), Roswitha Bayer-Siegling (SPD) und Fritz Deutinger (CSU). Der Entscheidung vorausgegangen war eine teils heftige Diskussion mit Bürgern der Gemeinde vor dem öffentlichen Teil der Sitzung.

Die Verwaltung hatte, wie bereits im Februar, die Sitzung in die Turnhalle verlegt, um mehr Besuchern Platz zu geben. Als Diskussionspartner waren Thomas Keller vom Ingenieurbüro IBG, Kreisbrandrat Willi Vogl und Peter vom Hofe von der Regierung von Oberbayern eingeladen. Dass ein gemeinsames Haus der Wehren Pastetten und Reithofen-Harthofen aus Sicht von Regierung und Kreisbrandinspektion wegen der Hilfsfristen nicht machbar ist, hatte Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger bereits in der Sitzung vom 12. September bekanntgegeben.

Planer Keller hält an der grundsätzlichen Empfehlung des Planungsbüros für ein gemeinsames Feuerwehrhaus fest. Zwar sei hinsichtlich der Hilfsfristen beispielsweise die Autobahn A 94 bei dezentralen Häusern schneller zu erreichen, aber beim Thema Tagesalarmsicherheit wäre ein gemeinsames Haus besser. Das liege daran, dass tagsüber eine größere Anzahl an Atemschutzträgern schneller im Gerätehaus wäre und damit auch rascher ausrücken könnte. Für den Kreisbrandrat geht es jedoch um die Hilfsfristen und damit um die Erreichbarkeit der weit entfernten Ecken des Gemeindegebiets in einer festgelegten Zeit. „Bei dezentralen Feuerwehrhäusern kann man die Außenbereiche in der geforderten Frist abdecken“, sagte Willi Vogl. Auch für Bauherren sei die Einhaltung der Hilfsfristen wichtig. Schafft die Feuerwehr es nicht, im geforderten Zeitrahmen anzurücken, müssen höhere Brandschutzauflagen erfüllt werden.

Für Gemeinderat Winner waren die Aussagen zu unkonkret. „Ich wüsste gern, warum wir zwangsläufig zwei Feuerwehrhäuser brauchen?“, fragte er in Richtung Vogl und vom Hofe. „Ob es ein oder zwei Häuser gibt, dazu haben wir uns nicht konkret geäußert. Für uns die Einhaltung der Hilfsfrist die Maßgabe für die grundsätzliche Planungshilfe und damit auch für die Förderfähigkeit“, erklärte vom Hofe. Er verlasse sich auf die Stellungnahme des Kreisbrandrats, dieser habe eine bessere Ortskenntnis.

Harte Wortwechsel gab es zu den Kosten für die Häuser. „Bei der jetzigen Planung für zwei Häuser sind wir bei 5,5 Millionen Euro. Dieser Betrag überschreitet meiner Meinung die Leistungsfähigkeit unserer Gemeinde“, betonte Andreas Winner. Man sei da auf einem Niveau mit Markt Schwaben, das hätte aber 13 000 Einwohner, Pastetten nur 2600. „Wenn eine Kosteneinsparung der Verbesserung der Hilfsfrist gegenübersteht, mache ich dann als Gemeinderat einen Fehler, wenn ich nicht für zwei stimme?“ Bürgermeisterin Vogelfänger hielt dagegen, dass die bislang genannten Zahlen nur grobe Schätzungen gewesen seien, ohne Förderzuschüsse und ohne Eigenleistung der Feuerwehren mit einzurechnen.

Von seiten der Zuhörer meldete sich Horst Ippisch zu Wort. „Im Finanzplan der Gemeinde sind bis bis 2020 3,6 Millionen für die Feuerwehrhäuser vorgesehen, ohne Baunebenkosten und ohne Grunderwerb“. Das würde grob gerechnet 1,5 Millionen pro Haus ausmachen. Er erinnerte an das Bürgerbegehren, das nach der letzten diesbezüglichen Entscheidung des Gemeinderats mehr Transparenz forderte. Auch Ippisch zog Markt Schwaben zum Vergleich heran: „Hier plant man vielleicht zwei Häuser für jeweils 75 Mann, in Markt Schwaben eins für 80. Der Aufwand ist hier doppelt so groß. Markt Schwaben hat aber fünfmal so viele Einwohner, in Pastetten ist das Pro-Kopf-Aufkommen fast zehn Mal so hoch. Das gibt es zu diskutieren.“

WRH-Gemeinderat Franz Stanner entgegnete, es sei „müßig, dass Zahlen genannt werden und damit den Leuten ein Schmarrn erzählt wird“. Petra Schwarz, die das Bürgerbegehren mitinitiiert hatte, kritisierte ebenfalls, dass noch keine konkreten Kostenberechnungen vorlägen. Vogelfänger entgegnete: „Wir hatten die Auskunft, dass wir auf jeden Fall die Hilfsfristen einhalten müssen. Das ist die Grundlage für die Entscheidung. Danach können wir konkret in die Kostenschätzung gehen.“

Alois Zollner (CSU) sagte hatte bei der Diskussion, er habe ein „déjà-vu zur Sitzung vom 21. Februar“. Damals war die Kostenplanung bereits ein Streitthema. „Wir haben Zahlen im Millionenbereich angesetzt, um einfach einen Haushalt zu planen. Wir haben keine dieser Zahlen bestätigt.“

Die Grundsatzentscheidung, die der Gemeinderat letztendlich fällte, macht nun den Weg frei für die Feinplanung. Allerdings sollen die Häuser zeitlich nacheinander entstehen, um die Kosten zu entzerren.

Henry Dinger

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