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In einem Trauerwald bei Regensburg ist Carsten Steinleitner  bestattet. Unser Bild zeigt seine Söhne Maxi, Raphael und Simon an seinem Grab. 

Plötzlich war Papa nicht mehr da

Dreifacher Vater stirbt kurz vor Weihnachten - jetzt braucht die Familie dringend Hilfe

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Familie Steinleitner ist mitten im Hausbau, als Vater Carsten (52) überraschend stirbt. Unser Leserhilfswerk „Licht in die Herzen“ will der Familie nun helfen.

Pastetten - Der fünfjährige Raphael sitzt auf der Couch und trinkt Kaba. Den mit Himbeergeschmack, den mag er am liebsten. Simon (7) hat ein Spielzeuggewehr in der Hand. „Peng“, ruft er fröhlich, und sein zwei Jahre älterer Bruder Maxi jagt ihm mit einem Plastikschwert hinterher. Mama Lydia hat gerade den Esstisch abgeräumt.

Dass es trotzdem kein ganz normaler Nachmittag bei Familie Steinleitner aus Pastetten ist, darauf deutet die Kommode im Wohnzimmer hin. Kerzen stehen darauf, Fotos und kleine Erinnerungen. Maxi hat am Valentinstag in der Schule eine Rose geschenkt bekommen und sie dazu gestellt. Eine Rose für seinen Papa Carsten, der im Dezember völlig überraschend verstorben ist. Sein Tod hat eine Lücke in die Familie gerissen, die jetzt auch noch mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen hat.

Plötzliche Schmerzen am Nikolaustag - der Notarzt muss reanimieren

Papa Carsten mit seinen drei Söhnen

Es ist der 6. Dezember 2018, Nikolaustag. Die Kinder sind längst im Bett, da will Carsten Steinleitner (52) nur noch schnell nach den Wunschzetteln der Buben schauen. Die warten auf dem Balkon darauf, vom Christkind abgeholt zu werden. Plötzlich rennt er zurück in die Wohnung, hat von einer Sekunde auf die nächste extreme Schmerzen, erzählt seine Frau Lydia. Der Sanka kommt und bringt ihren Mann nach Erding ins Klinikum. Die Kinder bekommen davon nichts mit. Die Kleineren schlafen. Nur Maxi wird wach, seine Mama schickt ihn gleich wieder ins Bett.

In Erding können die Ärzte Carsten nicht helfen, er wird mit dem Rettungshubschrauber nach Augsburg geflogen. Vor dem Start telefoniert er mit seiner Frau, klingt dabei zuversichtlich. „Hey, ich darf umsonst Hubschrauber fliegen“, sagt er am Telefon.

Doch schon auf dem Flug wird der 52-Jährige das erste Mal reanimiert. Die ganze Nacht lang kämpfen die Ärzte um sein Leben. Als Lydia am Morgen des 7. Dezember im Krankenhaus anruft, ist er immer noch im OP. Kurz darauf klingelt das Telefon. Der Arzt sagt: „Er hat es nicht geschafft.“

Mama Lydia:  „Ich hab’ einfach funktioniert“

„Da dachte ich, ich hätte kein Blut mehr im Körper. Ich wusste nicht, was ich denken, sagen, machen soll“, erinnert sich die 41-Jährige. Der Arzt sagt, sie habe drei Stunden Zeit, um ein Bestattungsinstitut zu beauftragen. „Aber das war so ziemlich das Letzte, an das ich denken konnte. Mein erster Gedanke war: ,Ich will ihn sehen, ich muss so schnell wie möglich zu ihm!‘ Ich hatte tausend andere Sachen im Kopf, tausend Stellen, wo ich Bescheid sagen musste, in der Schule, bei den Arbeitgebern.“

Lydia Steinleitner ruft ihren Schwager an. „In dem Moment ist mir gekommen: Wie sage ich das jetzt den Kindern?“ Erst eine halbe Stunde vorher hatte sie ihnen erzählt, dass der Papa nicht da ist. Und plötzlich muss sie ihnen erklären, dass er nie wieder kommen wird.

Die Mama sagt, dass es dem Papa nicht gut gegangen sei, dass er ins Krankenhaus habe müssen. „Ich konnte fast nicht reden. Wir haben gemeinsam geweint und sind eine ganze Weile auf der Couch gesessen“, erzählt Lydia Steinleitner. Dann setzt sie sich mit ihren Kindern ins Auto und fährt nach Augsburg. Was dabei hätte passieren können, daran denkt sie in dem Moment nicht: „Ich hab’ einfach funktioniert.“

Unterstützung aus der Familie für Lydia und die Kinder

Im Krankenhaus erfährt die gelernte Erzieherin, dass sich die Innenwände von Carstens Aorta aufgelöst hatten. So etwas passiere schleichend, und wenn man es bemerke, sei es meist schon zu spät. Selbst während der OP hätten die Ärzte nicht gewusst, wie schlimm es letzten Endes tatsächlich war.

Weihnachten verbringen die Mama und ihre drei Buben bei ihrer Familie in Regensburg. Da sind die Kinder abgelenkt, sie muss sich um nichts kümmern. Als alle gemeinsam in der Christmette sitzen und Lydia die Tränen kommen, sagt ihr Sohn Simon: „Aber Mama, Weihnachten ist doch kein Fest zum Weinen, da muss man doch fröhlich sein.“

Erst Wochen nach Carstens Tod wird Lydia Steinleitner bewusst, dass schon der Arzt in Erding gesagt hatte, dass die Situation lebensbedrohlich sei und die Chancen nicht gut stünden. „Ich habe das sogar aufgeschrieben, damit ich alles seinem Bruder weitergeben konnte. Und trotzdem war sein Tod einfach keine Option. Das konnte nicht sein, weil es gar nicht sein durfte. Wir haben doch so viel vorgehabt.“

Im August 2016 hatte die Familie ein Grundstück im neuen Pastettener Baugebiet gekauft, das Fertighaus kurz danach. Es sollte ihr Traumhaus werden. Aus Bleistiftzeichnungen hatte Lydias Schwester, eine Architektin, das Haus geplant.

Der Traum vom Eigenheim gerät ins Wanken

„Darin steckt so viel von meinem Mann“, sagt Lydia Steinleitner. Das Paar, seit elf Jahren verheiratet, plante dafür schon, als Maxi vor neun Jahren zur Welt kam. Eine kleine Werkstatt wollte sich Carsten im Keller einrichten, um dort zu basteln. Mit Holz oder Leder, wie das Schaukelpferd in Form einer Vespa, das im Wohnzimmer steht, oder die Handyhülle mit dem Logo von Assassin’s Creed, einem Computerspiel, das Carsten geliebt hatte.

Doch der Baubeginn verzögert sich, dann kommt auch noch ein Baustopp hinzu. „Nach einer Zeit mit vielen Problemen war endlich der Punkt da, wo es weitergehen konnte“, sagt Lydia Steinleitner. Am 5. Dezember, zwei Tage vor Carstens Tod, wird der Baustopp aufgehoben. Die Freude ist groß, „dass es endlich weitergeht, wir den Keller noch vor Weihnachten fertig bekommen und Ende Januar das Haus aufgebaut wird“.

Kredit nach Carstens Tod nicht mehr gesichert

Lange haben die Steinleitners auf ihr Eigenheim hingefiebert. Die Mietwohnung ist längst zu klein, die drei Buben teilen sich dort ein Zimmer. Für ihre eigenen Reiche haben sie schon ganz genaue Vorstellungen. Oft sagen sie: „Wenn wir dann im neuen Haus sind...“, und Lydia Steinleitner denkt: „Ich hoffe so, dass wir es schaffen.“

Denn seit Carsten, der als Technical Assistance Manager Tiefgaragen und Parkplätze betreut hat, nicht mehr lebt, steht auch der Kredit auf wackligen Beinen. Zunächst heißt es, der Kreditvertrag laufe weiter wie bisher, solange die Zahlungen kommen. „Dementsprechend habe ich auch gehandelt, habe geschaut, dass ich genug zusammenbekomme, um die Raten zahlen zu können. Das geht knapp, aber es geht, sodass wir weitermachen konnten. Auch die Firmen haben weitergemacht“, erzählt Lydia Steinleitner, die bisher als Schulbegleiterin gearbeitet hat und ab 1. März eine Vollzeitstelle als Erzieherin in einem Kindergarten in Markt Schwaben antritt.

Mama Lydia: „Ich weiß nicht wie es weitergeht“

Doch jetzt soll alles doch neu überprüft werden. Dabei hat sie noch nicht einmal den Bescheid über die Witwenrente oder eine Info zum Erbe bekommen. „Im Moment weiß ich nicht, wie es weitergeht.“

Carsten Steinleitner ist in der Nähe von Regensburg beerdigt. Nicht auf einem normalen Friedhof, sondern in einem Trauerwald. Bei der Trauerfeier hat Lydia, die eigentlich ausgebildete Schauspielerin und Sängerin ist, für ihren Mann gesungen.

Die Nichten haben für sie eine Schachtel gebastelt mit einem Glas voll M&Ms als Glückspillen, jede Farbe steht für ein anderes Gefühl. Auch Fotos der Familie sind darin und viele Zettel, auf die die Trauergäste bei der Beerdigung geschrieben haben, was sie mit Carsten verbindet. „Das ist so schön, wenn man abends da sitzt und ein paar Zettel liest“, sagt Lydia Steinleitner. Das sind die Momente, in denen Carsten seiner Familie wieder ganz nah ist.

Bitte helfen Sie Familie Steinleitner

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt unverschuldet in Not geratene Bürger im Landkreis wie Familie Steinleitner. Spenden sind auf das Konto 17 111 bei der Sparkasse Erding möglich. 

Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern, IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11.

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