Christian Kerschbaum ist gebürtiger Pastettener und lebt in Shanghai. Hier erzählt er, wie die Corona-Lage in der chinesischen Metropole läuft.
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Leben normalisiert sich: Das erste Grün sprießt an den Bäumen, die Menschen strömen ins Dreie. An der parkähnlichen Uferpromenade namens West-Bund am Huangpu-Fluss, der durch Shanghai fließt, genossen die Menschen Anfang April wieder das gute Wetter.

Einiges läuft in der Metropole wieder normal

Pastettener in Shanghai: Angst vor der zweiten Corona-Welle

  • Henry Dinger
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Christian Kerschbaum ist gebürtiger Pastettener und lebt in Shanghai. Hier erzählt er, wie die Corona-Lage in der chinesischen Metropole läuft.

Pastetten/Shanghai Vor etwa einem Monat haben wir mit Christian Kerschbaum gesprochen. Der gebürtige Pastettener lebt seit über zwei Jahren in der chinesischen Metropole Shanghai und hat dort den „Lockdown“ – das Herunterfahren des kompletten gesellschaftlichen Lebens – in der Millionenstadt am eigenen Leib erfahren.

Was uns der Vermögensberater via Skype-Telefon erzählte, klang damals gleichermaßen utopisch wie gespenstisch. Kerschbaum berichtete von menschenleeren Straßen, einer unheimlichen Ruhe in der sonst proppevollen U-Bahn, geschlossenen Bars, Restaurants und Kinos. Er erzählte von neu eingerichteten Lieferdiensten, von neu entstandenen Rezept-Apps und vom Nachtleben der sonst pulsierenden Großstadt, das auch im privaten Bereich völlig zum Erliegen gekommen war. Damals ahnte kaum jemand, dass das gleiche Schicksal nur wenige Tage später auch Deutschland mit voller Härte ereilen wird.

App vorzeigen wird zur Routine

Während bei uns nun derzeit diskutiert wird, wann und wie das Leben wieder hochgefahren werden kann, verändert sich in Shanghai die Lage zunehmend in Richtung Normalität. „Zur Rush Hour merkt man nahezu keinen Unterschied mehr zur Vor-Corona-Zeit“, erzählt der junge Mann am Telefon. Die U-Bahnen sind zur Hauptverkehrszeit wieder total voll, die meisten Geschäfte haben wieder geöffnet. Friseure bedienen ihre Kunden, auch Cafés, Bars und Restaurants warten auf Gäste. „Es sind aber nicht alle offen“, sagt Kerschbaum. Er vermutet, dass doch einige Betreiber aus finanziellen Gründen das Handtuch werfen mussten.

Christian Kerschbaum (31) und seiner Freundin Wenyu aus Beihai sind glücklich. Die 26-Jährige arbeitet als Unternehmensberaterin.

Was sich im Straßenbild nicht geändert habe, seien die Masken, die nach wie vor getragen werden. Sie sind, so Kerschbaum, nicht zwingend vorgeschrieben, aber das Tragen des Mundschutzes ist für die Chinesen eine Art ungeschriebenes Gesetz. Die Angst vor einer zweiten Corona-Welle ist groß, schon allein deshalb geht niemand ohne den Schutz vor die Tür. Um ein Einschleppen des Virus von außen zu verhindern, haben die Chinesen die Grenzen komplett dicht gemacht, Ausländer, egal mit welchem Visum, werden abgewiesen. Für Kerschbaum, der in einer WG lebt, bringt das ein Problem mit sich. „Mein Mitbewohner ist Deutscher, der in der Heimat ist und nun seit Wochen nicht wieder ins Land gelassen wird. Die Miete läuft aber dennoch weiter“, sagt der Pastettener. Nun will er mit dem Vermieter verhandeln. 

Auch wenn das öffentliche Leben größtenteils wieder funktioniert, so gibt es doch immer noch an öffentlichen Gebäuden oder Restaurants Kontrollen. Dabei wird per Infrarotthermometer die Temperatur gemessen, und per Protokoll werden die persönlichen Daten und letzten Aufenthaltsorte erfasst. Schneller geht es aber mit dem Smartphone. „Dafür wird eine App genutzt, die eh schon die meisten auf dem Handy haben“, beschreibt Kerschbaum. Sie heißt „Alipay“, dient zum Zahlen und bietet weitere Funktionen. Nun wurde die Applikation um den „Health Code“ erweitert und zeigt einen grünen, gelben oder roten QR-Code. Wie bei einer Ampel erlaubt nur „grün“ den Zugang, „gelb“ bedeutet, dass man ein Verdachtsfall ist und eine Woche zu Hause bleiben soll, bei „rot“ ist man Covid-19 positiv und muss 14 Tage in Quarantäne. Der Code ermittelt sich aus verschiedenen persönlichen Nutzerdaten und Bewegungsprofilen. „Das Handy rauszuziehen und die App vorzuzeigen, ist mittlerweile zur Routine geworden“, erzählt Kerschbaum. Die App sei keine Pflicht, aber sie vereinfache vieles.

Abend ist noch nicht viel los

Während tagsüber kaum noch etwas zu spüren sei, habe sich das Nachtleben noch nicht wieder erholt. „Bei der Stimmung am Abend ist der Unterschied zu früher deutlich spürbar“, sagt der Immobilienfachmann. Es ist zwar wieder möglich, sich mit Freunden zu treffen, aber beispielsweise Bars schließen früher. „Die Vorsicht, sich nicht anzustecken, und die Furcht vor einer zweiten Welle ist in der Freizeit höher“. Bis jetzt sei es draußen aber auch noch recht kalt gewesen, in den kommenden Tagen sollen die Temperaturen jedoch auf frühlingshafte 22 Grad klettern. „Ich bin gespannt, ob sich dann die Parks wieder ordentlich füllen werden.“

Mit großer Sorge blickt der 31-Jährige nun in seine oberbayerische Heimat zu seinen Angehörigen. Gleichzeitig rät er zur Zuversicht: Er habe den Lockdown gut überstanden, auch deshalb, weil er immer optimistisch die Tage nach der Krise im Blick hatte. Telefonate oder der Kontakt über soziale Medien mit Freunden und Verwandten hätten dabei viel geholfen.

Henry Dinger

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