„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“: Cornelia Vogelfänger bei der Feier zur Verkehrsfreigabe des Teilstücks der Autobahn A 94 bis Fendsbach im Jahr 2011.
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„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“: Cornelia Vogelfänger bei der Feier zur Verkehrsfreigabe des Teilstücks der Autobahn A 94 bis Fendsbach im Jahr 2011.
Ein bisschen Spaß muss sein: Vogelfänger als heißes Hendl beim Faschingsumzug.
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Ein bisschen Spaß muss sein: Vogelfänger als heißes Hendl beim Faschingsumzug.
ine Bürgermeisterin braucht viele Talente: Im Jahr 2012 durfte Cornelia Vogelfänger das große Fest zum 100-jährigen Bestehen der Burschengemeinschaft anzapfen.
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ine Bürgermeisterin braucht viele Talente: Im Jahr 2012 durfte Cornelia Vogelfänger das große Fest zum 100-jährigen Bestehen der Burschengemeinschaft anzapfen.
Ein Prosit auf die Jubilarin: Zu ihrem 60. Geburtstag im Januar 2014 hatte Cornelia Vogelfänger (M.) zum Empfang geladen. Auch ihre Familie nahm an der Feier teil (v. l.): Tochter Julia, Schwiegersohn Andreas, Mutter Elisabeth († 2018), Gatte Rolf, Enkel Adrian, Schwiegersohn Georg und Tochter Kathrin mit Enkelin Nina. Inzwischen gehört auch Enkel Florian zur Familie, der im vergangenen Jahr zur Welt kam.
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Ein Prosit auf die Jubilarin: Zu ihrem 60. Geburtstag im Januar 2014 hatte Cornelia Vogelfänger (M.) zum Empfang geladen. Auch ihre Familie nahm an der Feier teil (v. l.): Tochter Julia, Schwiegersohn Andreas, Mutter Elisabeth († 2018), Gatte Rolf, Enkel Adrian, Schwiegersohn Georg und Tochter Kathrin mit Enkelin Nina. Inzwischen gehört auch Enkel Florian zur Familie, der im vergangenen Jahr zur Welt kam.
„Chefin heißt Vogelfänger“: So titelte die Heimatzeitung am Tag nach der Kommunalwahl 1996, als Vogelfänger zum „ersten weiblichen Gemeindeoberhaupt“ im Landkreis gewählt wurde.
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„Chefin heißt Vogelfänger“: So titelte die Heimatzeitung am Tag nach der Kommunalwahl 1996, als Vogelfänger zum „ersten weiblichen Gemeindeoberhaupt“ im Landkreis gewählt wurde.

Pastettens Bürgermeisterin im Abschiedsinterview

„Die verlorene Klage gegen die A 94 war ein schwarzer Tag“

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Die erste Bürgermeisterin im Landkreis hört nach 18 Jahren im Amt auf. Im Interview spricht Cornelia Vogelfänger (CSU, Pastetten) über ihre Amtszeit, politische Niederlagen und schöne Momente.

Pastetten– Sie war die erste Bürgermeisterin im Landkreis, nach 18 Jahren ist jetzt Schluss. Pastettens Rathauschefin Cornelia Vogelfänger (CSU) übergibt das Amt an ihren Nachfolger. Wir sprachen mit der 66-Jährigen über schöne Erlebnisse, über Niederlagen und Erfolge, aber auch über die Corona-Krise und darüber, wie sie ihren Ruhestand jetzt verbringen will.

Frau Vogelfänger, können Sie sich eigentlich noch an Ihren ersten Tag als Bürgermeisterin erinnern?

Ja. Ich habe das Personal begrüßt, bin durchs Rathaus gegangen, und wir haben gleich am ersten Tag die Möbel in den Bürgermeisterbüros umgestellt. Bis dahin war die Tür zwischen den Büros von mir und Ferdinand Geisberger nämlich zugestellt, seitdem ist sie oft offen.

Sie waren die erste Bürgermeisterin im Landkreis. Wie war das für Sie?

Der Anfang war sehr aufregend, und ich war stolz, dass ich das geschafft hatte als erste Frau. Von allen Kollegen habe ich damals Hilfe angeboten bekommen – das fand ich wirklich toll.

Wie verbringen Sie Ihre letzten Tage im Amt?

Ich durchstöbere meine Schränke und räume sie aus, über die Jahre sammelt sich einiges an. Ich habe schon einen ganzen Wäschekorb voll mit nach Hause genommen, zum Beispiel Geschenke der Kindergartenkinder. Daneben bereite ich alles für die Übergabe vor und führe auch Gespräche mit meinem Nachfolger. Zurzeit ist es aufgrund der Corona-Krise durchaus ruhiger.

Corona hat das Ende Ihrer Amtszeit ganz schön durcheinander gewirbelt.

Ja. Es ist schade, dass ich keine Bürgerversammlung mehr abhalten und keinen letzten Rechenschaftsbericht ablegen konnte. Jetzt wären viele Jahreshauptversammlungen gewesen, bei denen ich mich gern von den Vereinen verabschiedet hätte. So geht diese Zeit irgendwie sang- und klanglos zu Ende. Ich werde auch keine Ratssitzung mehr abhalten, weil es nichts Dringliches gibt, das unbedingt noch beschlossen werden müsste. Zwar hätten wir das Thema Feuerwehrhäuser gehabt, aber jetzt kommt ein neuer Gemeinderat mit vielleicht anderen Ansichten, da will ich so kurz vor knapp nichts mehr mit Gewalt durchdrücken.

ine Bürgermeisterin braucht viele Talente: Im Jahr 2012 durfte Cornelia Vogelfänger das große Fest zum 100-jährigen Bestehen der Burschengemeinschaft anzapfen.

Apropos Feuerwehr. Die beiden Häuser für Pastetten und Reithofen-Harthofen beschäftigen Gemeinderat und Bürger seit Jahren. Warum ist dieses Thema so emotional?

Historisch gesehen spielt noch immer eine Art unterschwelliges Gegeneinander der Wehren eine Rolle. Aber auch, dass es bei den Bürgern nicht richtig ankommt, dass unsere Feuerwehren als einzige im Landkreis zu zweit unter einem Dach sind. Viele sehen nur das Geld, das die Häuser kosten, nicht aber die Ehrenamtlichkeit der Aktiven. Es tut mir weh, dass wir den Bürgern nicht vermitteln konnten, dass sie eigentlich ein eigenes Haus verdient hätten.

Jedoch geht es dabei um sehr viel Geld.

Sicher, und wenn wir schon vor zehn Jahren gebaut hätten, wäre es nicht so teuer wie jetzt. Aber daran sind nicht die Feuerwehren schuld. Wir brauchen Gerätehäuser, die nicht von Anfang an schon zu klein sind und die in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz den Anforderungen entsprechen.

Ein bisschen Spaß muss sein: Vogelfänger als heißes Hendl beim Faschingsumzug.

Man hatte als Zuschauer im Gemeinderat oft das Gefühl, dass Diskussionen von Seitenhieben und Unterstellungen geprägt waren. Wie schafft man es da als Bürgermeisterin, cool zu bleiben – oder schafft man das überhaupt?

Das schafft man nicht immer, auch wenn man mit einer gewissen Vorbereitung in die Sitzung geht, sich nicht provozieren zu lassen. Zumindest aber konnte ich nach fast jeder Sitzung gut schlafen. Immer mal wieder habe ich in den Sitzungen Klartext geredet, dass die Räte für alle Bürger da sind, nicht nur für einzelne Ortsteile. Insgesamt finde ich aber, dass der respektvolle Umgang abgenommen hat – sowohl im Gemeinderat als auch bei den Bürgern.

Wie sind da Ihre Erfahrungen?

Ich habe nie anonyme Drohungen oder Ähnliches erhalten, aber durchaus respektlose E-Mails. Insgesamt ist der Umgangston rauer geworden. Zweimal musste ich in meiner Amtszeit Menschen aus dem Rathaus werfen, einmal, weil wir als Nazis beschimpft wurden.

Haben Sie schon eine Vorstellung davon, wie Ihr letzter Arbeitstag im Rathaus aussehen könnte?

Vormittags will ich mit Gemeindereferentin Manuela Steck und Ferdinand Geisberger noch einen Kaffee trinken und mittags für die Mitarbeiter ein Abschiedsessen geben. Das können wir im Sitzungssaal machen, da haben wir genügend Abstand, wenn wir noch ein paar Tische reinstellen. Nachmittags ist dann die Übergabe.

Und wie wird Ihr erster Tag in Rente aussehen?

Mal schauen, was machbar ist. Eigentlich wäre der Tag mit dem Maibaumaufstellen in Fendsbach verplant gewesen. Unter Umständen wird es ein gemütlicher Tag in sehr kleiner familiärer Runde – daheim bleiben und vielleicht spazieren gehen.

Eines der größten Projekte, das Ihre Gemeinde betroffen hat, war die Isentalautobahn. Sie haben sehr dagegen gekämpft, vor allem der Lärmschutz war Thema. Wie sehen sie die A 94 heute?

Bis die A 94 durchgängig gebaut war, war es vom Lärm her auszuhalten. Jetzt ist es nicht mehr so toll. Wegen des Tempolimits fangen in Richtung München alle an, bei uns aufs Gaspedal zu treten. Sogar im Baugebiet Pastetten Süd hört man den Lärm je nach Wetterlage. Unsere Bürger sind alle sauer.

Ein Prosit auf die Jubilarin: Zu ihrem 60. Geburtstag im Januar 2014 hatte Cornelia Vogelfänger (M.) zum Empfang geladen. Auch ihre Familie nahm an der Feier teil (v. l.): Tochter Julia, Schwiegersohn Andreas, Mutter Elisabeth († 2018), Gatte Rolf, Enkel Adrian, Schwiegersohn Georg und Tochter Kathrin mit Enkelin Nina. Inzwischen gehört auch Enkel Florian zur Familie, der im vergangenen Jahr zur Welt kam.

Was erwarten Sie in der Hinsicht von der Politik?

Ich hab es satt, dass wir damit abgespeist werden, dass ja alle Lärmwerte vorab berechnet wurden. Jetzt soll auch mal gemessen werden, ob das tatsächlich so ist. Diese Messungen erwarte ich. Das bin ich den Bürgern schuldig, auch wenn ich bald nicht mehr Bürgermeisterin bin. Ich fühle mich noch immer verantwortlich, meine Gemeinde liegt mir am Herzen.

Wie hat sich die A 94 insgesamt auf Pastetten ausgewirkt?

Ich habe schon bei der Einweihung des Teilstücks bis Fendsbach gesagt, dass ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehe. Dass Entwicklung stattfinden muss, ist klar. Aber die Preise haben angezogen, landschaftlich hat sich einiges verändert, der Siedlungsdruck ist gestiegen, der Lärm auch. Auf der anderen Seite haben wir ein Gewerbegebiet ausgewiesen, was uns auf Dauer Geld bringt, wobei wir bei der Vergabe der Grundstücke auch darauf geschaut haben, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze entstehen.

Wie ist der aktuelle Sachstand beim Gewerbegebiet Harthofen?

Verkauft sind alle Parzellen dort schon lange, aber noch nicht alles ist bebaut. Heuer wollten zwei, drei Betriebe mit dem Bau anfangen, aber durch die Konjunktur aufgrund der Corona-Krise kann vieles zurückgeworfen werden. Was jetzt noch kommt, sind zum Beispiel ein Handel mit hochwertigen Fahrzeugen, eine Firma für Trockenbau, ein Küchenmöbel- und ein Wasserbettengeschäft, sowie ein Unternehmen für Medientechnik.

„Chefin heißt Vogelfänger“: So titelte die Heimatzeitung am Tag nach der Kommunalwahl 1996, als Vogelfänger zum „ersten weiblichen Gemeindeoberhaupt“ im Landkreis gewählt wurde.

Was würden Sie als größten Erfolg in Ihrer Zeit als Bürgermeisterin werten?

Es gab ein paar Sachen, bei denen ich im Nachhinein durchaus sage: Das war schon eine Leistung. Dazu gehört definitiv, dass ich es innerhalb von Stunden geschafft habe, dass am nächsten Tag der Betrieb weitergehen konnte, als wir binnen vier Wochen beide Kindergärten wegen Statik-Problemen sperren mussten. Freitagmittag haben wir den Kindergarten Am Feuerwehrhaus geräumt, schon am Montag ging es weiter. Eine Gruppe war im Sitzungssaal des Rathauses untergebracht, getagt wurde im Untergeschoss. Ein großer Erfolg war auch der Bau des Radwegs von Pastetten nach Reithofen, den wir mindestens seit zehn Jahren wollten.

Gab es auch Niederlagen?

Obwohl es nicht meine persönliche Niederlage war, sehe ich die verlorene Klage gegen die A 94 dennoch als solche. Das war ein schwarzer Tag. Eine Niederlage ist für mich auch, dass ich es nicht geschafft habe, die Feuerwehrhäuser zu bauen.

Gibt es Entscheidungen, die Sie heute anders treffen würden?

Mit der Erfahrung von heute würde ich sagen, ich hätte mehr Druck ausüben sollen beim Feuerwehrhausbau.

Was war im Rückblick das schönste Erlebnis?

Schön war nach den Sperrungen der Kindergärten die Einweihung des neuen Kinderhauses und die der neuen Turnhalle, weil sich die Kinder einfach gefreut haben über diese moderne Halle. Und die vielen Trauungen waren eigentlich alle schön.

Und das schlimmste Erlebnis?

Neben der Sperrung der Kindergärten und dem Hochwasser 2013 waren der Tod der Pfarrer Riedmaier und Wiesbeck sowie deren Beerdigungen emotional sehr schlimm, weil ich beide sehr mochte.

Wenn Sie Ihre Amtszeit Revue passieren lassen – haben sich die Anforderungen an einen Bürgermeister verändert?

Das kann man so nicht sagen, aber es wird immer mehr. Mehr Aufwand, mehr Termine. Neues Baugebiet, Straßensanierung oder auch die A 94 – wir haben sie weder gebaut noch gewollt, aber wir waren immer involviert mit Besprechungen, Jours fixes, Ortsterminen. Früher haben Ferdinand Geisberger und ich uns oft zusammengesetzt und über gemeinsame Themen gesprochen. Heute brauchen wir dafür Termine.

Dennoch waren Sie bis zum Schluss gerne Bürgermeisterin.

Absolut. Ich merke zwar jedes Jahr, dass ich älter werde und die Belastungsfähigkeit nachlässt. Aber es hat immer Spaß gemacht und ist mit die abwechlungsreichste Arbeit, die man machen kann.

Wenn etwas anders läuft, wie Sie es gerne gehabt hätten, dann merkt man das Ihnen auch an. Ihre direkte, emotionale Art – ist die als Bürgermeister eher hinderlich oder hilfreich?

Ich finde, Emotionalität zeigt, dass man mit dem Herzen dabei ist. Ich bin keine Maschine, und ich kann mich nicht gut verstellen. Das kann mal gut sein, aber auch mal schlecht. Ein flammender Appell kann genau das bewirken, was ich damit erreichen will – oder auch in die Hose gehen.

Zu Ihrem Nachfolger: Hätten Sie mit diesem Erdrutschsieg, auch der FWE insgesamt, gerechnet?

Ganz ehrlich – nein. Ich dachte, es wird knapp. Aber ich hoffe, die FWE geht verantwortungsvoll mit ihrer absoluten Mehrheit um.

Was ist das Dringendste, was Ihr Nachfolger angehen muss?

Da muss ich mich ab 1. Mai raushalten. Aber Peter Deischl und ich haben schon einige mehrstündige Gespräche geführt, und es werden noch weitere folgen. Er weiß, dass jetzt schnellstmöglich ein Feuerwehrhaus gebaut werden muss. Auch die Flurstraße muss dringend saniert werden, und man müsste schauen, ob es ein neues Baugebiet gibt.

Welchen ganz persönlichen Tipp aus Ihrer Amtszeit geben Sie Ihrem Nachfolger?

Neutral zu bleiben. Ob ich jemanden mag oder nicht, ob er bei meiner Partei ist oder nicht, das hat für mich nie eine Rolle gespielt. Für mich waren alle gleich. Es ging um die Sache und nicht um die Person.

Ganz von der Politik verabschieden Sie sich nicht – Sie wurden als Kreisrätin wiedergewählt. Herzlichen Glückwunsch. Was gefällt Ihnen an dieser Arbeit?

Ich war schon seit 1996 im Kreistag, bevor ich Gemeinderätin wurde. Das ist eine Ebene, auf der man noch sieht, was man beschließt. Seit 1996 bin ich durchgängig im Jugendhilfeausschuss. Soziale Themen sind einfach meine Themen.

Zum Schluss die obligatorische Frage: Was machen Sie in Zukunft mit Ihrer vielen Freizeit?

Ob das so viel wird, weiß ich noch nicht. Auf jeden Fall will ich mehr Zeit mit meiner Familie und unserem Hund verbringen. Gerade meine beiden jüngeren Enkel sehe ich zu wenig, aktuell natürlich kaum. Für den ganz Kleinen bin ich zur Zeit die Luftbussi- und Winkewinke-Oma. Der Kontakt geht mir stark ab. Ich will mich ein bisschen mehr sportlich betätigen. Im Förderverein Fendsbacher Hof bin ich ja weiter, dort auch Betreuerin. Und seit 1. April bin ich ehrenamtliche Richterin am Verwaltungsgericht in München. Bei den Senioren möchte ich noch mitmischen und als Schulweghelferin sowie bei den Lesepaten einspringen, wenn ich gebraucht werde. Und dann ist da noch mein Hobby, das Lesen. Ich lese querbeet, gerne Krimis, bei denen man auch lachen kann, zum Beispiel von Tatjana Kruse.

Das Gespräch führte Vroni Macht.

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