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Kistenweise Ingwer und Zitrone verarbeitet Philip Martin in seiner kleinen Sirup-Manufaktur in Pastetten. Mehr Infos gibt’s im Internet auf.
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Kistenweise Ingwer und Zitrone verarbeitet Philip Martin in seiner kleinen Sirup-Manufaktur in Pastetten. Mehr Infos gibt’s im Internet auf.

Philip Martin stellt in Handarbeit Ingwersirup für regionale Geschäfte her

Pastettens kleine Sirup-Manufaktur

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
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Mitten in Pastetten stellt Philip Martin in Handarbeit Ingwersirup für regionale Geschäfte her. Wir erzählen, wie der frühere Manager dazu kam.

Pastetten – Pastetten hütet im Verborgenen so manch kleines Geheimnis – etwa im Keller des früheren Produktionshauses der Metzgerei Winner. Hier entsteht ein Saft, dem so manch wundersame Wirkung nachgesagt und auch nachgewiesen wird: Ingwer-Sirup. Hier ist das Reich des „Ingwer-Königs“, wobei damit weniger Manufaktur-Chef Philip Martin gemeint ist, sondern eine gelbe Lego-Figur, die präsent am Arbeitstisch steht. „Den hat mir mein Sohn geschenkt“, sagt Martin und lacht, „der passt nun auf, dass ich alles richtig mache“.

Vom Manager-Job mit Vielfliegercard zur kleinen Manufaktur

Mit Sirup hatte der gebürtige Niedersachse bis vor ein paar Jahren noch nichts am Hut. Der heute 49-Jährige war bei einem Elektronikkonzern Werbeleiter für die Schweiz und hat damit viel Geld verdient. Er genoss das volle Programm mit Firmenwagen, Senator-Vielfliegercard, teuren Reisen mit der Familie.

Doch irgendwann kam ein Punkt, wo es nicht mehr weiterging. „Ich saß in der Business-Lounge am Flughafen und habe die Manager in ihren teuren Anzügen gesehen, wie sie mit ihren iPhones telefonieren. Da habe ich mich gefragt: ,Was machen die da eigentlich?’. Bis mir bewusst wurde, dass ich auch dazugehöre.“ Das war der Wendepunkt. Martin hängte seinen Job an den Nagel und nahm sich ein Jahr Auszeit. Danach bewarb er sich wieder und bekam Zusagen. „Dann saß ich aber im Auto und habe mir gedacht: ,Nein, du kannst nicht genauso weitermachen’.“

Fast alle Produktionsschritte passieren in Handarbeit

Der Zufall bringt ihn schließlich zum Sirup: „Für meine Frau habe ich oft Ingwersirup gekauft. Aber irgendwann gab es den Laden nicht mehr“, erinnert sich Martin. Warum also nicht selbst kochen? Die ersten Flaschen dienten dem Eigenbedarf oder wurden an Freunde verschenkt. Aus dem Hobby entwickelte sich eine Geschäftsidee. Über den Kontakt zur Metzgerei Winner fand sich der Keller im früheren Schlachthaus als Produktionsstätte. 2014 zog die Familie von Aschheim nach Pastetten. „Jetzt muss ich nur über den Hof laufen und bin in meiner kleinen Manufaktur“, freut sich der frühere Vielflieger.

Dass es eine Manufaktur ist – also fast alle Produktionsschritte in Handarbeit passieren – darauf legt Martin großen Wert. Ebenso darauf, dass sein Sirup rein und natürlich ist, ohne Konservierungsstoffe oder künstliche Aromen.

Etwa 500 Gramm Ingwerwurzel werden für eine große Flasche Sirup benötigt

Das Hauptprodukt ist Ingwersirup, verfeinert mit Bio-Zitrone und nur zusätzlich Zucker und Zitronensäure. Die genauen Mengen bleiben geheim. Lange hat Martin experimentiert, bis Farbe, Geschmack und Konsistenz stimmten. „Wichtig zu wissen ist, dass Pektine und Gerbstoffe zum Boden der Flasche sinken. Man muss die Flasche schütteln, wenn sie ein Weilchen stand.“

Etwa 500 Gramm Ingwerwurzel werden für eine große Flasche Sirup benötigt. Martin kauft seine Zutaten im Großmarkt ein, meist dienstags. In der Regel mittwochs und donnerstags steht der Familienvater dann an seinem Arbeitstisch und schält zunächst den Ingwer mit einem Messer. Dass er für 13,5 Kilogramm pro Kiste nur 25 Minuten benötigt, ist seiner langen Übung zu verdanken. „Schälen ist wichtig, sonst kann es sein, dass der Sirup muffig schmeckt“, sagt der Fachmann. Die Zitronen allerdings werden des Aromas wegen mit Schale verarbeitet, „deswegen ist das auch reine Bio-Ware“. Bis vor kurzem hat Martin den Sirup noch in Töpfen gekocht, jetzt konnte er zufällig einen großen Kessel erstehen. Etwa 200 Flaschen füllt er momentan pro Woche ab.

Bewusst werden nur kleine und private Geschäfte beliefert

Auf den Freitag freut sich der Unternehmer ganz besonders, denn da fährt er seine Ware höchstpersönlich aus. Abnehmer sind Dorfläden, Teegeschäfte, Kramerläden und Metzgereien, man kann den Sirup aber auch direkt in der Manufaktur kaufen. „Ich beliefere bewusst nur kleine und private Geschäfte und räume die Flaschen auch selbst ins Regal“, sagt Martin. Denn nur so habe er einen direkten Draht zu seinen Kunden und bekomme aus erster Hand mit, ob den Leuten sein Sirup schmeckt und wie sie ihn verwenden. „Als Limo, im Salat, mit Meeresfrüchten, in den Tee oder Cocktail – da könnte man ein ganzes Buch drüber schreiben“, sagt Martin.

Dabei erlebt er auch Bewegendes: „Eine Kundin hat mir erzählt, dass sie wegen einer Chemotherapie schlecht schlafen könne. Sie nehme dann zwei Kappen vom Sirup und könne durchschlafen.“ Für Martin sind das die Momente, in denen er weiß, dass sich die Zeit, in der er auch oft Zweifel hatte, gelohnt hat. „Ich habe ein Produkt mit meinen Händen geschaffen und bekomme ein ehrliches, teils auch emotionales Feedback für meine Arbeit“, fasst der frühere Manager zusammen. „So macht das richtig Freude.“

Eine große Nummer soll seine Sirup-Produktion jedoch nicht werden. „Ich mache noch nicht mal Werbung, das läuft alles über Mundpropaganda und Empfehlungen.“ Ein bisschen mehr könnte es der Kostendeckung wegen trotzdem sein, deswegen produziert er auch saisonale Sorten wie Holunder-, Johannisbeer- oder Erdbeersirup. „Wichtig sind dabei auch die Früchte aus der Region, die, wenn sie hier reif sind, verarbeitet und verkauft werden“, so Martin.

Mehr Infos gibt‘s auf

www.philipmartin.de.

Henry Dinger

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