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„Sichtung I“ im Kleinformat: Hildegard Rasthofer und Christian Neumaier mit einem Modell. 

Raum- und Klangskulptur in der Kiesgrube

In stählernen Kuben hoch über Reithofen

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Die Raum- und Klangskulptur „Sichtung I“ von Hildegard Rasthofer und Christian Neumaier kann ab 18. Oktober besichtigt werden.

Forstern/ReithofenDass in Reithofen derzeit ein Kunstprojekt entsteht, hat sich über den Buschfunk – der in Form des sozialen Netzwerks Facebook rasend schnell funktioniert – herumgesprochen. Als Erstes war es die Feuerwehr Pastetten, die auf das Objekt, ohne nähere Fakten zu nennen, neugierig machte.

Doch an dem Ganzen ist nichts Geheimnisvolles, es ist eher etwas Ungewöhnliches. Im Reithofener Kiesgruben-Areal entsteht die Raumskulptur „Sichtung I“, eine Art Stahlturm mit quadratischer Grundfläche. Im Inneren führen Treppen auf eine Aussichtsplattform in knapp 33 Metern Höhe. Die Skulptur ist so konzipiert, dass sie auch an einem anderen Ort und mit anderen Höhen aufgebaut werden kann. In Reithofen findet die Premiere statt, daher „Sichtung 1“.

Das Objekt erdacht haben die Architektin Hildegard Rasthofer, Jahrgang 1967, sowie der Metallbildhauer und Kunstschmiedemeister Christian Neumaier. „Die Idee für ein solches Projekt hatten wir unabhängig voneinander schon lange“, erzählt Rasthofer. Die Bezeichnung „Turm“ möchte sie nicht so gern hören, vielmehr sei es eine Raum- und Klangskulptur, die zeigen soll, „welche vielfältigen Eindrücke mit einer Stahlkonstruktion und einer aufs Wesentliche reduzierten Ausstattung“ erreicht werden können – sei es bei Raum, Material, Farbe, Volumen oder Licht.

Die Skulptur besteht aus 13 stählernen Kuben. Jede Seite der 4,8 Tonnen schweren Würfel misst 2,40 Meter. Sie werden, jeweils um 90 Grad versetzt, übereinander gestapelt. Zwei einander diagonal gegenüber liegende Einschnitte mit jeweils 48 Zentimetern Breite erlauben einen Blick nach draußen, während man die 156 Stufen auf dem Weg nach oben erklimmt.

Die U-förmige, dreiläufige Treppe mit leicht federnden Stahlstufen gehört zum Klangerlebnis: „Der Hall, der dabei entsteht, klingt bei jedem Menschen anders“, beschreibt die Architektin. Je nach Intensität von Bewegung, Vibration, Temperatur, Druck, Materialspannung und dem Standort der Besucher innerhalb der Skulptur verändere sich der Klang. Jeder Besucher hinterlasse eine spezifische Klangspur.

Zum Raumerlebnis gehört auch der Blick, der sich in luftiger Höhe ergibt. „Man bekommt eine völlig neue Perspektive“, meint Neumaier, Jahrgang 1965. Er und seine Partnerin leben in Reithofen und kennen die schöne Aussicht, die man hier mancherorts genießen kann. Mit dem Kunstwerk können sie den Blick in die Ferne noch erweitern. „Wir hoffen auf schönstes Herbstwetter“, sagt Neumaier, denn bei klarem Himmel könne man auf die Münchner Schotterebene bis ins Alpenvorland schauen.

Aber auch die Sicht auf die Kiesgruben zu Füßen der Konstruktion biete eine neue Wahrnehmung und zeige auf, wie sich Landschaft verändert. Deswegen beginnt ein Besuch der Skulptur auch im eigens eingerichteten Besucherzentrum in Neumaiers Metallbaufirma in Forstern, Gewerbering 15. Vor dort aus geht es zu Fuß eine Viertelstunde lang durch die Landschaft des Kiesgrubengeländes. „Schon auf dem Weg beginnt die Entschleunigung“, erklärt Neumaier und bittet um festes Schuhwerk.

Damit jeder ausreichend Zeit findet, sind maximal zwölf Besucher pro Stunde erlaubt. Sie werden zu keiner Zeit allein gelassen, auch auf der Plattform ist immer ein Ansprechpartner dabei. Mitte Oktober wird die Konstruktion in Reithofen zusammengesetzt, wie auch schon bei der Fundamentlegung wacht der TÜV über die Aktion.

Geöffnet für Publikum

ist das Kunstwerk von 18. bis 21. sowie von 25. bis 28. Oktober täglich von 8 bis 18 Uhr. Ein Besuch ist nur nach vorheriger Anmeldung auf www.sichtung.info möglich. Der Eintritt kostet 14 Euro, ermäßigt sechs Euro.

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