Schützenmeister Thomas Unterrainer von Almenrausch Pastetten mit der Salutkanone.
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Schützenmeister Thomas Unterrainer von Almenrausch Pastetten hat mit Vereinskameraden die Kanone voriges Jahr von der Gemeinde übernommen und aufpoliert.

Pastettener Böllerschützen bringen ihre Salutkanone auf Vordermann

Richtig gut in Schuss

  • Henry Dinger
    VonHenry Dinger
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Mit viel Enthusiasmus und Eigenleistung haben die Almenrausch-Schützen Pastetten im Winter 2020 ihre Salutkanone wieder auf Vordermann gebracht. Jetzt erstrahlt das Schmuckstück in neuem Glanz.

Pastetten - Die historische Salutkanone der Almenrausch-Schützen Pastetten ist ein richtiges Schmuckstück geworden, das Thomas Unterrainer, 1. Schützenmeister des Vereins, stolz präsentiert: „Hier stecken 40 Stunden Arbeit drin“, sagt er.

Dank eines Freundschaftspreises der Sandstrahlerei Bräuer in Hohenbrunn und der Möglichkeit, den Lackierraum in der Werkstatt der Bayerischen Staatsoper in Poing zu nutzen, blieb die Reparatursumme bei vergleichsweise moderaten 636 Euro. 500 Euro davon kommen aus der Gemeindekasse.

Die Schützen hatten vor einem Jahr vorgeschlagen, das bis dato gemeindeeigene Gerät in ihre Hände zu übergeben und sich auch um die Pflege zu kümmern. „Bis dahin stand die Kanone in einem feuchten Betonkammerl“, sagt Unterrainer, „das ist dem Metall überhaupt nicht gut bekommen“.

Interessant und spannend zugleich ist die Geschichte der Kanone, die übrigens keine Kriegswaffe ist. Sie wurde als Böllerkanone gebaut und kommt beim Ehrensalut für verstorbene Kriegsteilnehmer, beim Neujahrsschießen, beim Erntedankböllern, beim Dämmerungsböllern oder am Volkstrauertag in Pastetten und Reithofen zum Einsatz. „Gebaut wurde die Kanone von Josef Wenig in Pocking“, erklärt Unterrainer. Das verrät auch ein geprägtes Messingschild am Rohr. Die Firma gibt es bis heute, sie ist eine der letzten in Deutschland, die diese Kanonen in Handarbeit fertigt.

Die Kartuschenkanone vom „Typ A1“ wurde 1928 an die Gemeinde Pastetten verkauft. Zum Preis gibt es keine Überlieferung. Sehr wahrscheinlich ist, dass Hörlkofen zu dieser Zeit eine baugleiche Kanone kaufte und fest steht, dass sich Josef Wenig damals spezielle technische Erfindungen mit einem „Deutsches Reichs Gebrauchs Muster“ (D.R.G.M.) unter der Nummer 932932 patentieren ließ. Auch das belegt eine Plakette an der Kanone.

Wie aus den Aufzeichnungen von Hans Märkl vom Krieger- und Soldatenverein hervorgeht, wäre das gute Stück beinahe als Kriegsbeute für immer verloren gewesen. Märkl schreibt, dass die Kanone damals im Feuerwehrhaus neben der Spritze stand. Dort haben sie amerikanische Soldaten im Mai 1945 entdeckt und an ein Fahrzeug gehängt. „Auch die Kartuschen nahmen sie mit. Drei waren heruntergefallen und lagen hinter den Feuerwehrschläuchen. Die blieben uns noch“, steht in den Erinnerungen des früheren Kanoniers Märkl. Einige Tage später habe der Milchfahrer Josef Wegmeier die Kanone in einem Graben in Harthofen entdeckt. Ein paar Männer haben sie dort wieder herausgezogen und, unter einer Decke gut versteckt, auf einem Wagen zurückgebracht. Das Fahrgestell war laut Märkl „total verbogen und verbeult“. Martin Dötsch und er hätten es, so gut es ging, zurechtgebogen.

Im Laufe der Jahre gab es immer mehr Vorschriften zu beachten. Ab 1955 musste alle sechs Monate eine Schießerlaubnis beantragt werden, ebenso ein Munitionsbezugsschein. Den Versuch, die Kanone mit Luftreifen auszustatten und sie damit bequemer transportabel zu machen, unterbanden die Behörden schnell. „Am Fahrgestell dufte nichts verändert werden“, hat Märkl festgehalten.

Mitte der 1980er Jahre übernahmen die neu formierten Böllerschützen des Schützenvereins die Aufgabe des Kanoniers und brachten damals die Kanone schon einmal auf Vordermann. Nun erstrahlt sie erneut in altem Glanz, wobei das nicht an jeder Stelle wörtlich zu nehmen ist: Das gusseiserne Rohr hat seine matte Oberfläche behalten.

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