Sie liebt die Pferde und die Musik: Rosmarie Voglrieder mit Stute Pia und ihrem Alphorn.
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Sie liebt die Pferde und die Musik: Rosmarie Voglrieder mit Stute Pia und ihrem Alphorn.

Backfee, Alphorn- und Theaterspielerin, Sängerin

Rosmarie Voglrieder, die musikalische Marktfrau

Kuchen, Auszogne, Kiache – davon bekommen ihre Kunden nie genug. Wie das Backen liebt Rosmarie Voglrieder das Verkaufen auf dem Markt und den Ratsch mit den Kunden. Doch die Marktfrau, die in Oberschwillach lebt, hat noch weitere Talente.

Oberschwillach – Aufgewachsen ist sie auf einem Bauernhof in Großhündlbach (Gemeinde Fraunberg) und unterstützte schon als Kind die Mutter beim Verkauf der eigenen Erzeugnisse auf den Wochenmärkten in Landshut und Freising. „An Weihnachten waren wir sogar auf dem Viktualienmarkt mit unserem Geflügel“, erzählt die 74-jährige, die auch nach der Ausbildung zur Bürokauffrau und der Hochzeit mit ihrem Mann Josef den Märkten treu blieb.

Die Arbeit als Buchhalterin bei der Bayerischen Lagerversorgung in München gab Voglrieder erst nach der Geburt von Sohn Markus auf und widmete sich zusammen mit der Mutter ganz der heimischen Landwirtschaft mit 40 Milchkühen. „Es war eine harte Zeit“, sagt sie.

1985 übernahm sie einen Stand auf dem Sendlinger Markt

Um das knappe Einkommen der Familie aufzubessern, übernahm sie 1985 über den Bauernverband einen Stand auf dem Sendlinger Markt in München an der Albert-Rosshaupter-Straße. Hier war die begeisterte Bäckerin, die eher nach Gefühl als nach Rezept backt, voll in ihrem Element.

An den zwei bis drei Verkaufstagen in der Woche hieß es nun früh aufstehen für die Marktfrau. Um halb zwei morgens war die Nacht zu Ende, dann begann das große Backen in ihrer mittlerweile professionell eingerichteten Küche: Auszogne, Kirtanudeln und mindestens zehn Kuchen stellte die „Kiachebäuerin“, wie ihre Kunden sie liebevoll nannten, jeden Morgen her. Dann wurde der große Transporter beladen, auf dem Weg nach München noch zugekaufte Waren abgeholt und spätestens um 8 Uhr der Verkaufsstand geöffnet. Fast 20 Jahre lang betrieb sie ihren Stand in München, dann war eine Marktpause fällig. „Es war einfach zu viel, aber ich habe es gar nicht gemerkt“, erinnert sie sich.

Trotz Landwirtschaft plagte sie die Langeweile

Zuhause wurde sie gebraucht von der Familie, aber der Kontakt mit den Kunden ging ihr schon sehr ab. Trotz Landwirtschaft plagte sie die Langeweile, da kam die Eröffnung des Hotels Kastanienhof in Erding gerade recht. Nur mal ausprobieren, wie es im Hotel so ist, wollte Voglrieder – und daraus wurden zehn Jahre, in denen sie mit Begeisterung den Frühstücksdienst im Hotel versah. „Es war eine wunderschöne Zeit“, schwärmt sie und verrät, dass auch die Hotelgäste oft mit selbst gebackenem Kuchen verwöhnt wurden.

Seit einigen Jahren nun können die Besucher des Erdinger Bauernmarkts das frischgebackene Brot der geselligen Marktfrau genießen. „Erst war ich nur zur Aushilfe im Verkauf, dann immer öfter, und jetzt bin ich jede Woche mit eigener Ware dabei“, freut sich Voglrieder. „Ich hab’ mich auf dem Markt sofort heimisch gefühlt“, sagt sie und ist glücklich, wieder voll im Marktgeschehen zu stehen.

Seit zehn Jahren spielt sie auf dem 3,70 Meter langen Alphorn

Neben der Liebe zum Backen hat die vierfache Oma auch eine musikalische Ader. Schon seit ihrer Jugend spielt sie in einer Gruppe das Parforce-Horn, ist früher gerne auch bei Jagden geritten und kümmert sich liebevoll um ihre drei Pferde. Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, erlernte sie vor zehn Jahren das Spielen auf dem 3,70 Meter langen Alphorn und tritt zusammen mit den Langenpreisinger Alphornbläsern bei verschiedenen Veranstaltungen auf. Begeistert berichtet sie von den jährlichen Alphorntreffen im Allgäu, bei denen 350 Bläser zusammen treffen, „das ist wie Olympia, ein Traum“.

Coronabedingt muss diese Veranstaltung wie auch die wöchentlichen Übungsabende momentan ausfallen, was die unternehmungslustige Musikantin sehr bedauert. Auch die Chorproben beim Singkreis Erdinger Moos und bei den Titanic-Möwen müssen ruhen. „Der gesellschaftliche Teil fehlt mir besonders“, gibt Voglrieder zu.

Gründungsmitglied der Fraunberger LBV-Ortsgruppe

Seit 14 Jahren wohnt das Ehepaar in Oberschwillach, wo die Familie von Sohn Markus eine Hofstelle bewirtschaftet. Über die köstlichen Kuchen der Oma freuen sich nicht nur die vier Enkel, sondern auch Ehemann Sepp, mit dem sie fast 50 Jahre verheiratet ist. Zusammen wird am Zweitwohnsitz in Großhündlbach der Garten gepflegt und die zahlreichen Vogelhäuschen mit Futter bestückt. Voglrieder als Gründungsmitglied der Fraunberger LBV-Ortsgruppe freut sich über jeden gefiederten Besucher.

Sehnlich erwartet wird auch die Wiederaufnahme der Theaterproben bei der Volksspielgruppe Altenerding, bei denen die 74-jährige seit Jahren aktiv ist. Ihre Paraderolle durfte sie 2017 bei der Aufführung der „Madam Bäurin“ spielen: Eine Marktfrau, die an ihrem Stand selbst gebackene Kiache verkauft.

Rezept: Käsekuchen mit Früchten

Teig: 150 g weiche Butter, 100 g Zucker, 1 Ei, 200 g Mehl, etwas Zitronenschale. Aus den Zutaten einen Mürbeteig herstellen. Zwei Drittel des Teigs ausrollen und in eine gefettete Kuchenform legen. Backofen vorheizen auf 170 ˚C, 10 Minuten backen, rausnehmen. Aus dem restlichen Teig-Drittel eine Rolle formen und am Rand auf den Kuchen drücken.

Füllung: 4 Eier trennen, das Eiweiß zu Eischnee schlagen. 1 kg Quark, 4 Eidotter und 180 g Zucker verrühren, darauf ein Packerl Puddingpulver schütten, 220 ml heiße Milch obendrauf geben und die Masse verrühren. Am Schluss den Eischnee unterheben und die Füllung in die Kuchenform gießen. Die Früchte (je nach Saison Heidelbeeren, Kirschen, Äpfel, Aprikosen) obendrauf legen und etwas eindrücken. Den Kuchen backen bei 170 ˚C , ca. 45 Minuten.

Gerda & Peter Gebel

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