Pastettens Bürgermeister Peter Deischl steht vor der neuen Glasfront der alten Turnhalle, die gerade zur Mensa umgebaut wird
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Sein Arbeitsplatz ist nicht nur der Schreibtisch: Hier zeigt Pastettens Bürgermeister Peter Deischl die neue Glasfront der alten Turnhalle, die gerade zur Mensa umgebaut wird. Als Baufachmann bringt er bei der Sanierung gern sein Wissen ein.

100 Tage im Amt - Pastettens Bürgermeister Peter Deischl (FWE) zieht erste Bilanz

Seine Gemeinde kennt er aus dem Effeff

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
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Die ersten 100 Tage im Amt liegen hinter Pastettens Bürgermeister Peter Deischl (FWE). Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht er eine erste Bilanz.

Pastetten – Es war Montag, der 4. Mai, an dem Peter Deischl (FWE) das Büro des Bürgermeisters im Rathaus von Pastetten bezogen hat. Für ihn ist der persönliche Kontakt sehr wichtig: Gleich an seinem ersten Arbeitstag hat er einen Rundgang durch die Büros gemacht. „Ich habe mich jedem Mitarbeiter persönlich vorgestellt“, erzählt der 58-jährige, der jetzt die ersten 100 Tage im Amt hinter sich hat.

Er freue sich, dass ihn alle „sehr positiv“ aufgenommen hätten, im Rathaus wie im Bauhof. „In der Startphase bin ich hervorragend unterstützt worden“, sagt Deischl, ob bei der Einrichtung des PCs oder bei Fragen rund um seine Aufgabengebiete. Seine Vorgängerin Cornelia Vogelfänger (CSU) habe ihn in mehreren Gesprächen auf sein Amt vorbereitet. Dass die Schlüsselübergabe coronabedingt mit Abstand und ohne Feier erfolgt ist, bedauert der neue Rathauschef.

Mit Roswitha Bayer-Siegling (FWE) habe er eine „tolle Vize-Bürgermeisterin“ an seiner Seite, die ihn bereits Ende Juli gut vertreten habe, als er drei Tage lang auf der Bürgermeister-Schulung des Bayerischen Gemeindetags war. Auch die 3. Bürgermeisterin, Alice Lorenz (Grüne), lobt der Ortschef: „Sie ist bei vielen Themen gut informiert und kennt sich gut aus.“

Deischl, der Besonnenheit regelrecht ausstrahlt, hat sich auch mental gut auf seinen neuen Posten vorbereitet. Und trotzdem: „Der erste Moment, in dem ich alleine hinter dem Schreibtisch saß, war schon emotional.“ Er habe die Veränderungen gespürt, die nun auf die Gemeinde, auf ihn und seine Familie zukommen. „Das war aber ein gutes Gefühl.“

Optimistisch und voller Tatendrang sei er ans Werk gegangen. Das Rüstzeug dafür hat er in den vergangenen Jahrzehnten gesammelt. Deischl führt seine Zimmerei seit 35 Jahren, eine Leitungsposition mit Personalverantwortung ist ihm nicht fremd. Er ist es gewohnt, Entscheidungen zu treffen. Die Gemeinde und auch die VG, der er nun vorsteht, kennt er aus dem Effeff – seit seiner Kindheit lebt er in Zeilern.

Zudem saß der Handwerksmeister bereits 24 Jahre lang im Gemeinderat. Nun ist er als ehrenamtlicher Bürgermeister montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr im Rathaus zu finden, bei Veranstaltungen und Sitzungen auch länger. Freitags und am Wochenende führt Deischl seine Zimmerei, zumindest so lange, bis Sohn Lorenz eine leitende Stellung übernimmt – der 23-jährige ist seit August als frischgebackener Zimmerermeister fest angestellt.

Seine ersten Gemeinderatssitzungen hat der Bürgermeister erfolgreich absolviert. Dass vor ihm ein Berg von Aufgaben liegt, ist ihm bewusst. Vor allem für das kostenintensive Problem der Feuerwehrhäuser eine Lösung zu finden, ist einer der dickeren Brocken. „Es ist aber lösbar“, sagt Deischl, „nach den Sommerferien kommt es an die erste Stelle der Tagesordnung“. Das bedeutet für ihn in erster Linie, dass die Aufgabe gemeinsam mit dem Gremium zu einem zufriedenstellenden Ergebnis gebracht wird. Es gab bereits Gespräche mit dem Planungsbüro zur Frage, wo Kosten gespart werden können.

Zu den weiteren großen Themen des Orts gehören der Regenwasserkanal in Poigenberg und die Sanierung der Flurstraße – Projekte, die er weiterführen und zu Ende bringen muss. Sie stehen ebenso auf seiner Prioritätenliste wie ein Punkt, der ihm persönlich auf den Nägeln brennt: „Der soziale Wohnungsbau ist eine der wichtigsten Aufgaben“, findet Deischl. Es gebe genügend Bürger, die dringend eine bezahlbare Wohnung suchen – vor allem junge Pastettener, die flügge werden und im Ort eine Familie gründen wollen.

2905 Menschen lebten am 1. Juli 2020 in Pastetten und seinen Ortsteilen, 1654 in Buch am Buchrain, das macht 4559 in der VG Pastetten. Deischl weiß: „Der Siedlungsdruck wird noch größer werden.“ Dass bei der Unterbringung der Gemeindebürger auch der Geschosswohnungsbau eine stärkere Rolle spielt, ist ihm klar. Die Gemeinde werde sich neue Strategien überlegen müssen, da es auch im Hinblick auf die Flächenversiegelung immer schwieriger werde, das klassische Einheimischenmodell umzusetzen.

Auch beim Hochwasserschutz kniet sich der Ortschef bereits mächtig rein. Er habe sich in die Thematik eingearbeitet und auch mit den Planern zusammengesetzt. „Für beide Ortschaften“ – also Reithofen und Pastetten – sei der Schutz eine vordringliche Aufgabe, damit sich die Orte weiterentwickeln können.

Derzeit werde an neuen Lösungen gearbeitet, um eine Alternative zur Graben-Variante anbieten zu können. Bei dieser Version schlug das Planungsbüro eine Umleitung des Hirschbachs vor. Dies stellt die Gemeinde jedoch vor Probleme, denn die Grundstückeigentümer müssten den Gräben zustimmen. Deischl kann sich eine „naturnahe Lösung“ vorstellen – auch, um Gräben zwischen den Ortschaften zu verhindern.

In seinen ersten 100 Tagen hatte der neue Ortschef schon eine schwere Bewährungsprobe zu bestehen: Ein Missbrauchsfall erschütterte die Jugendfeuerwehr (wir berichteten). „Die Verantwortlichen der Feuerwehr haben richtig reagiert und sind sofort zu mir gekommen, nachdem sie davon erfahren hatten“, sagt Deischl. Gemeinsam mit den Betroffenen und deren Eltern wurde versucht, die Vorfälle aufzuarbeiten. Dafür fand auch eine Präventionsveranstaltung in der Turnhalle statt, zu der etwa 70 Gäste gekommen waren. Eingeladen waren Psychologen und Erziehungsberater vom Landratsamt, die Gemeindereferentin und Vertreter der Feuerwehr sowie von der TSG.

Ebenfalls auf der Agenda des Bürgermeisters steht der Radweg nach Markt Schwaben, der schon seiner Vorgängerin Kopfzerbrechen beschert hat. Ihren Part hätten die Gemeinde Pastetten und die angrenzenden Nachbarn erfüllt, der Ball liege beim Straßenbauamt. Der Ausbau von Radwegen im Gemeindegebiet liegt dem Ortsoberhaupt genauso am Herzen wie die Biodiversität, etwa durch Grünflächen an Straßenrändern und Freiflächen.

Ein großes Vorhaben, nämlich die Sanierung der alten Turnhalle zu Ende zu bringen, hat Deischl jeden Tag von seinem Schreibtisch aus vor Augen. Sein Fachwissen kann er als Bauspezialist einbringen und ist bei den Bauabnahmen dabei. „Die Mensa entwickelt sich wunderbar“, freut sich der Bürgermeister. Im Herbst soll sie fertig sein.

Henry Dinger

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