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Ungewöhnliche Gemeinderatssitzung: Weil das Thema Feuerwehrhaus derart viele Bürger interessiert, hatte die Gemeinde die Sondersitzung in die alte Turnhalle verlegt. 

Sondersitzung in Pastetten

Jede Feuerwehr bekommt ein eigenes Haus

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Die Entscheidung ist gefallen: Die Gemeinde Pastetten baut für jede der beiden Ortsfeuerwehren ein eigenes Gerätehaus.

Pastetten– Es dürfte eine einmalige Pastettener Gemeinderatssitzung gewesen sein – und zwar in mehrerlei Hinsicht. Einmalig war die alte Turnhalle als Ort, wo die Gemeinderäte auf Bierbänken saßen, aufgereiht fast wie auf einer Bühne. Einmalig war der Besuch der Sitzung – gut 200 Menschen verfolgten die Diskussionen, so viele wie noch nie. Und einmalig dürfte die Entscheidung sein, die nach gut zwei Stunden voller Daten und Zahlen fiel: Die Entscheidung, für jede der beiden Ortsfeuerwehren ein eigenes Gerätehaus zu bauen.

Warten aufs Votum

Auf dieses Votum warten die Pastettener seit fast fünf Jahren. So lange nämlich schwelt dieses Thema schon. Auslöser dafür war ein Schreiben von Kreisbrandrat Willi Vogl vom 26. August 2012, wie Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger (CSU) zurückblickte. Darin informierte er die Gemeinde über Mängel am 1987 erbauten Feuerwehrhaus.

Dies wiederholte Vogl Anfang 2015 in einem weiteren Schreiben. Das Haus entspreche weder gültigen Normen, noch gültigen Unfallverhütungsvorschriften. Seine Empfehlung lautete damals, umgehend ein Feuerwehrhaus für Reithofen-Harthofen zu bauen, wodurch sich die Situation für Pastetten entspanne. Sobald es die Finanzen der Gemeinde zuließen, solle auch für Pastetten ein Neubau erfolgen. Ähnlich fiel eine Stellungnahme der Regierung von Oberbayern aus, die Vogelfänger in der Sitzung ebenfalls verlas. Beide regten die Erstellung einer Bedarfsplanung an.

Diese wurde im April 2015 vergeben – auf Antrag von Andreas Winner (FWE) explizit jedoch nicht an die Kreisbrandinspektion, sondern an einen „neutralen Gutachter“. Das Ingenieurbüro für Brandschutztechnik und Gefahrenabwehrplanung GmbH (IBG) aus Heilsbronn bekam den Zuschlag. Was dieses herausgefunden hat, war bisher unter Verschluss. Bekanntermaßen war eine öffentliche Präsentation der Ergebnisse erst mehrfach verschoben und dann vom Gemeinderat gänzlich gekippt worden.

Am Dienstag nun stellte Vogelfänger das Papier vor. Gut zwei Stunden lang ging es um Fachbegriffe und Zahlen, Diagramme und Skizzen. Von Hilfsfristen und Ausrückzeit war die Rede, von Tagsalarmstärke und Zielerreichungsgrad. Am Ende schlägt IBG ein gemeinsames Feuerwehrhaus im Bereich des Sportplatzes vor, was zugleich die wirtschaftlichste Variante wäre.

Kein Grundstück

Rüdiger Koppe, Leiter des Pastettener Bauamts, hat daraufhin ein Doppelhaus auf diesem Areal geplant. „Doch das passt dort definitiv nicht hin, wenn die Laufbahn und der Sportplatz für die Grundschule erhalten bleiben sollen“, sagte Vogelfänger und belegte dies mit Skizzen. Zudem erklärte sie, der Gemeinderat habe die zusätzliche räumliche und finanzielle Planung „eines großen, gemeinsamen Feuerwehrhauses mehrheitlich ausdrücklich abgelehnt“.

Genau das aber hat Ratsmitglied und Architekt Winner getan. Er hatte mehrere Skizzen inklusive grober Kostenschätzungen angefertigt, um zu zeigen, dass ein gemeinsames Haus durchaus auf den Gemeindegrund beim Sportplatz passe. Winner wies darauf hin, dass es sich dabei nur um eine grobe Studie handele, die jedoch mit dem Büro IBG und weiteren Architekten besprochen sei. Für seinen Vorschlag bekam Winner aus dem Zuschauerraum Beifall, der vor allem auch bei jenen Redebeiträgen aufbrandete, die für ein Haus plädierten. Verhaltener war der Applaus in Richtung zwei separate Häuser.

Neben Winner plädierten auch Gerhard Nußrainer und Hans Kerschbaum (beide FWE) dafür, ein gemeinsames Haus nochmals von einem Fachplaner prüfen zu lassen. „Nur so hätten wir eine sichere Aussage, dass es wirklich nicht geht. Das würde auch die Bürger beruhigen“, meinte Nußrainer. Laut Vogelfänger hat Koppe, ebenfalls ein fachlich fundierter Planer, das bereits geprüft. Ergebnis: Auch diese Variante sei zu groß für den Sportplatz, sofern man dieses Gelände erhalten will.

„Für mich wäre die beste Lösung ein großes Haus“, sagte Vogelfänger und zählte einige Vorteile aus ihrer Sicht auf. So könnten etwa auch andere Vereine die Räume nutzen, und sollte in einigen Jahren die Tagesalarmstärke zum Problem werden, könnten die Wehren gemeinsam ausrücken. Vogelfänger: „Aber wir haben kein passendes Grundstück. Wir haben sämtliche Eigentümer gefragt, die in Frage kommen, aber keiner will verkaufen. Da bleibt nur die Alternative, zwei Häuser zu bauen.“

Dafür haben sich auch Kreisbrandrat Vogl und die Regierung von Oberbayern ausgesprochen, letztere bereits vor zwei Jahren. Vogl hatte erst einen Tag vor der Sitzung schriftlich seine Empfehlung bekräftigt, „eine sinnvolle Planung von zwei Standorten zu machen“. Dieser Empfehlung folgte das Gremium letztlich gegen die Stimmen von Nußrainer, Winner, Kerschbaum und Fritz Deutinger (CSU).

Sorge um Finanzen

Die Pastettener selbst hatten nur in der Bürgersprechstunde zu Beginn der Sitzung das Wort, was zwei von ihnen nutzten. Jürgen Amann verlas im Namen von Klaus-Dieter Koische, der verhindert war, dessen Gedanken zum Entscheidungsprozess. Darin forderte er eine emotionslose Überprüfung aller Fakten – insbesondere mit Blick darauf, welche Folgekosten dadurch ausgelöst werden.

Horst Ippisch, der sich in der Vergangenheit vielfach zum Thema geäußert hatte, holte in seiner Stellungnahme weit aus und pochte noch einmal auf die Transparenz der Entscheidung, die extreme finanzielle Belastungen für Jahre nach sich ziehe. Er hatte zudem beantragt, dass die Bürger am Ende der Sitzung mitreden können. Das hatte das Gremium mehrheitlich abgelehnt.

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