An einem Standort waren die Feuerwehren Pastetten und Reithofen-Harthofen bislang untergebracht.
+
An einem Standort waren die Feuerwehren Pastetten und Reithofen-Harthofen bislang untergebracht. Geht es nach dem Ergebnis des Bürgerentscheids, soll das auch in Zukunft so bleiben.

Bürgerentscheide zur Feuerwehr in Pastetten lösen Gerätehaus-Problematik nicht

Ja zum gemeinsamen Gerätehaus, ja zum Erhalt des Sportplatzes

  • Henry Dinger
    VonHenry Dinger
    schließen

Die Feuerwehren Pastetten und Reithofen-Harthofen sollen weiterhin einen gemeinsamen Standort haben, und der Schulsportplatz soll in voller Größe erhalten bleiben. Das sind die Ergebnisse der Bürgerentscheide vom Sonntag. Die Gerätehaus-Problematik löst das jedoch noch nicht.

Pastetten – Etwa drei Wochen lang hatten die Bürger der Gemeinde Zeit, per Briefwahl ihre Meinung kundzutun. Von 2257 verschickten Stimmzetteln kam mit 1397 etwas mehr als die Hälfte zurück an die Verwaltung. Frage Nummer 1 betraf das Feuerwehrhaus: Hier stimmten 846 Bürger für ein gemeinsames Haus, 532 dagegen. Anders als am Montag irrtümlich berichtet, waren nur 19 Stimmzettel ungültig. Auch die Antwort auf Frage Nummer 2 war eindeutig: 885 Bürger stimmten für den Erhalt des kompletten Sportplatzes, 506 dagegen, sechs Stimmen galten nicht.

Für Janina Schüler, eine der Initiatorinnen dieses Begehrens, ist das „ein hervorragendes Ergebnis“. Sie habe, erzählt die junge Mutter auf Nachfrage, zum Schluss gar nicht mehr so recht daran glauben wollen, dass die Abstimmung zu einem Erfolg führt. „Es gab schon ziemlich viel Gegenwind.“ Eine Bestätigung sieht sie in der Zahl der Pro-Stimmen. Sie toppe nochmals die ohnehin schon mehr als 700 Stimmen, mit denen der Bürgerentscheid ins Rollen gebracht worden war. „Jetzt kommt natürlich viel Arbeit auf die Gemeinde zu“, so Schüler. Dass es letztendlich eine zweite Frage auf dem Stimmzettel gab, fand sie nach anfänglicher Skepsis gar nicht so schlecht. „Da weiß man nun wenigstens, was die Bürger wollen.“

Horst Ippisch (FWE): „Das Bekenntnis zum gemeinsamen Haus ist eine klare Aussage“

So sieht es auch Horst Ippisch, einer der acht Gemeinderäte, die das Doppelhaus auf dem Sportplatz befürwortet hatten und der zu den Antragstellern des Ratsbegehrens gehört. „Ich finde es gut, dass die Bürger erstmalig in die Fragestellung nach einem Doppelhaus einbezogen wurden und deutlich eine klare Meinung geäußert haben“, sagt der FWE-Rat. Das Abstimmungsergebnis sei zwar nicht zu 100 Prozent das, was sich die Verfechter eines Doppelhauses auf dem Sportplatz gewünscht hätten. Aber das Ergebnis zeige deutlich, was die Pastettener wollen. „Das Bekenntnis zum gemeinsamen Haus ist eine klare Aussage, da sind wir ein Stück weiter.“ Nun sei eine gute Gelegenheit für die Feuerwehren, einzulenken. Und die Verwaltung müsse sich auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück begeben.

Christian Lorenz (Grüne): „Wir haben derzeit keinen vernünftigen Bauplatz in der Hinterhand“

Grünen-Gemeinderat Christian Lorenz ist vom Resultat „nur mäßig erfreut“, wie er trocken bemerkt. „Leider haben wir keinen Plan B in der Tasche, wir haben derzeit keinen vernünftigen Bauplatz in der Hinterhand.“ Wie es nun weitergeht, müsse in der nächsten Gemeinderatssitzung zusammen überlegt werden. Zu wissen, dass sich die Bürger für ein Doppelhaus entscheiden, sei eine gute Diskussionsgrundlage. Allerdings sei man vom Ziel, beide Wehren gleichberechtigt zu behandeln und das möglichst sofort, wieder ein großes Stück weiter entfernt.

Bürgermeister Peter Deischl (FWE): „Es hätten ruhig ein paar mehr Stimmen sein können“

Dass das Doppelhaus keine leichte Aufgabe sein wird, weiß auch Bürgermeister Peter Deischl (FWE). „Da werden wir uns jetzt Gedanken machen müssen, wo wir ein gemeinsames Haus bauen können. Insgesamt kann ich mit dieser Entscheidung aber gut umgehen. Es wurde ein Ergebnis geschaffen, das ich anerkenne“, sagt er auf Nachfrage. Für ihn zählt, dass der Sportplatz für die Schule erhalten bleibe. Zur eher überschaubaren Beteiligung an der Abstimmung äußert er sich nur zurückhaltend: „Es hätten ruhig ein paar mehr Stimmen sein können.“

Die Auszählung der Bürgerentscheide im Rathaus übernahmen Verwaltungsmitarbeiterinnen. Gespannt warteten (hinten, v. l.) die Gemeinderäte Andreas Wagner (BIG), Christian Lorenz (Grüne), Leo Rehmann, (FWE) und Alice Lorenz (Grüne) sowie Bürgermeister Peter Deischl auf die Ergebnisse.

Das ist ein Punkt, an dem Cornelia Vogelfänger deutlich wird. „Fast 40 Prozent der Pastettener sind der Schutz der eigenen Sicherheit und die Belange der Schule offenbar nicht so wichtig, dass sie sich an einer Abstimmung beteiligen“, meint die Altbürgermeisterin. Sie sei nicht nur von der geringen Beteiligung, sondern auch vom Ergebnis enttäuscht. Allerdings findet sie gut, dass die Entscheidung zugunsten der Kinder und Jugendlichen gefallen sei.

Als Bürgermeisterin hat sich Vogelfänger mehr als zehn Jahre lang mit dem Feuerwehrhaus-Thema befasst. Dazu gehörte auch die vergebliche Suche nach einem geeigneten Standort für ein Doppelhaus.

Pastettens Kommandant Peter Lex: „Nun geht die Suche nach einem geeigneten Platz von vorn los“

Das sieht Peter Lex, Kommandant der Feuerwehr Pastetten, ebenso. „Das Ergebnis ist in dieser Kombination für die Feuerwehren am ungünstigsten, da nun die Suche nach einem geeigneten Platz wieder von vorn losgeht“, sagt Lex. Ein Wunsch der Bürger nach einem Doppelhaus auf dem Sportplatz oder zwei Einzelhäusern und einem komplett erhaltenen Sportplatz wäre umsetzbarer gewesen. Ob ein Doppelhaus überhaupt genehmigungsfähig sei, hänge auch von der Einhaltung der Hilfsfristen ab, die wiederum vom Standort abhängen. „Wir versuchen seit fast elf Jahren, das Gerätehaus-Problem zu lösen. Jetzt ist wieder kein Ende in Sicht“, so Lex.

Reithofens Kommandant Thomas Huber „Für den Sportplatz ist es gut, dass die Vernunft gesiegt hat“

Das sieht auch der Reithofen-Harthofener Kommandant Thomas Huber so. „Für den Sportplatz ist es gut, dass die Vernunft gesiegt hat. Ein Doppelhaus hätte da ohnehin nicht gepasst.“ Das könne man ja nun auf das vorhandene Grundstück in Reithofen setzen, das sei groß genug und auch schon erschlossen. „Das ginge aber auch nur, wenn die Hilfsfristen keine Rolle spielen“, gibt Huber zu. Er verweist nochmals darauf, dass sich die Vorteile zweier dezentraler Wehren derzeit auch bei der räumlichen Trennung wegen der Corona-Maßnahmen zeigten. Wie es nun weitergeht, könnte die Gemeinderatssitzung am 30. November zeigen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare