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Ein Meister der Rede und ein talentierter Mime: Herbert Hirschmann unterhiel t als Bruder Barnabas die Besucher des Reithofener Starkbierfestes und las vor allem der Feuerwehr-Führung im voll besetzten Schützenheim die Leviten.

Starke Worte beim Starkbierfest in Reithofen

Feuerwehrler in der Midlife-Crisis

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Er ließ niemanden aus: Herbert Hirschmann alias Bruder Barnabas teilte beim Starkbierfest im Reithofener Schützenheim kräftig aus. Feuerwehr, Vizebürgermeister und Schützen-Vorstand mussten Nehmerqualitäten beweisen.

Reithofen Wer im Licht der Öffentlichkeit steht, muss auch mal einstecken können. Das gilt für Bundespolitiker ebenso wie für Bürgermeister und Feuerwehrchefs. Und so feuerte Herbert Hirschmann alias Bruder Barnabas am Samstagabend beim Starkbieranstich in Reithofen eine verbale Salve nach der anderen Richtung Feuerwehr-Kommandant Thomas Huber und Feuerwehr-Vereinschef Matthias Zimmerer ab.

Zimmerer, auch 2. Bürgermeister der Gemeinde Pastetten, hatte eineinhalb Stunden vor der Fastenpredigt mit zwei gekonnten Schlägen angezapft. Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger hatte aus gesundheitlichen Gründen recht kurzfristig absagen müssen. Das zwang Barnabas, seine Predigt noch schnell zu ändern. Das Diana-Schützenheim war voll, und schon lange vor 22 Uhr tanzte vor allem das jüngere Publikum auf den Bänken, denn das „Trio de Luxe“ – das an diesem Abend als Quartett aufspielte – rockte den Saal.

Kräftigen Applaus gab es, als Schützenmeister Markus Stanner Bruder Barnabas ankündigte. Der zog sofort vom Leder, begrüßte Buchs Vize-Bürgermeister Martin Kunstwadl und stellte fest: „Es kommt mir vor, als ob heute der Tag der zweiten Garnitur wäre.“ Und es sei ihm aufgefallen, dass „unser Herr Zimmerer o’zapfa durfte, ohne Rücksprache halten zu müssen“. Vor allem gegen den Gemeinderat zielten die Seitenhiebe – besonders wegen des vorherrschenden Themas Feuerwehrhaus/-häuser für Pastetten und Reithofen.

Zimmerer bekam vom Prediger kräftige Schläge mit der Wortpeitsche: „Sie sonnen sich ja auch gerne im Schatten von Prominenten. Ich sag’ nur Filserball.“ Das würde Kommandant Huber auch gern tun, aber „nicht auf dem Filserball, weil, da dürfen Sie nicht hin! Weil Sie ausnahmsweise mal keinen kennen, der einen kennt.“ Und auf dem Filserball „trifft sich die Prominenz. Da tut es doch gut, den Eindruck zu erwecken, man hätte auch zu Hause was zu sagen. Es macht mit Sicherheit was her, wenn man sagen kann, man ist der 2. Bürgermeister. Sie müssen ja nicht sagen, von wo.“

Auch Albert Sagerer, Schatzmeister im Schützengau Erding, sei „nun dort, wo er immer hin wollte, aber sich nicht traute, das zuzugeben. Die Möglichkeiten bei den Diana-Schützen waren einfach zu begrenzt“. Ins Visier rückte auch Schützenmeister Stanner: ob nun wegen Senioren, die beim Schießen auflegen, oder wegen des neuen Herdes fürs Schützenheim. „Paar Zentimeter hin oder her... Manchen Menschen macht das wirklich Mut, dass beim TÜV nicht so genau gemessen wird.“

Selbst die Marotten von Männern um die 50 kamen zur Sprache. „Wahrscheinlich befindet sich die komplette Reithofener Feuerwehr in der Midlife-Crisis“, mutmaßte Barnabas. „Der Drang zur Prominenz ist so groß geworden, das grenzt schon fast an Größenwahn. Der Vorstand auf dem Filserball, der Herr Huber beim Hahnenkammrennen – aber nicht irgendwo! Nein, beim Zieleinlauf – dort, wo die High Society ist. Und dahoam – nicht mal ein eigenes Haus!“

Und dass die Wehr heuer beim Oktoberfest-Umzug mitfahren wird, nahm Barnabas ebenfalls auf die Schippe. „Wissen die Verantwortlichen, dass das, was als historische Truppe gemeldet ist, eigentlich eine Parade der zur Verfügung stehenden Einsatzmittel ist?“

Mit den Worten „Ich wünsche Ihnen nur noch eines: Bleibt fair zueinander“ schloss Barnabas seine Predigt. „Wer morgen Kopfweh hat, das kommt vom Bier. Wer ein schlechtes Gewissen hat, das kommt von mir!“

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