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Rettung aus dem Trümmerberg: Bei der gemeinsamen Übung von Rettungshundestaffel Isar und Jugendfeuerwehr Pastetten wurden Verletzte in Trümmern gefunden, geborgen und erstversorgt. 

Übung von Rettungshundestaffel und Jugendfeuerwehr 

Hilfe auf vier Pfoten

Die Rettungshundestaffel Isar und die Jugendfeuerwehr Pastetten haben gemeinsam die Bergung und Versorgung von vermissten Personen trainiert. Übungsgelände war eine Kiesgrube.

Pastetten– Im hohen Gras liegt eine junge Frau, bewusstlos. Mel kommt angerannt, schnüffelt, kauert sich neben die Frau und bellt laut. „Brav!“, ruft Monika Barth, die kurz danach die beiden erreicht. Der Riesenschnauzer wedelt freudig mit dem Schwanz. Die junge Frau steht wieder auf, lacht und lobt den Hund – zum Glück erleben die Zuschauer nur eine Übung der Rettungshundestaffel Isar.

Der Verein war für sein Training auf einem Gelände bei Pastetten zu finden. Eine Woche lang campierten Mitglieder mit ihren Hunden am Waldrand bei der Kiesgrube für ihren jährlichen Lehrgang mit abschließender Prüfung. „Wir sind der Gemeinde Pastetten dankbar, dass sie uns dabei so gut unterstützt“, sagt Andreas Inioutis, Vorsitzender des Vereins.

Schon seit 30 Jahren gibt es die Rettungshundestaffel Isar, die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins leisten ihren Dienst ehrenamtlich. Als Hilfsorganisation ist die Staffel in den Katastrophenschutz der Landkreise Ebersberg, Freising und Erding eingebunden. Mehrmals jährlich müssen die Teams, die aus dem Hundeführer und seinem Hund bestehen, ausrücken und bei der Suche nach vermissten Personen helfen.

„Beispielsweise wenn die Schwammerl-Saison losgeht, werden wir mehrmals im Monat angefordert“, erzählt Monika Barth, die beim Verein die Rettungshundesparte leitet. In diesem Fall wird der Wald in einer Kette mit etwa 50 Metern Abstand zwischen den Teams nach vermissten Personen durchsucht.

Um solche Einsätze unter möglichst realistischen Bedingungen zu trainieren und auch um die Zusammenarbeit im Verein zu festigen, war das Trainingscamp in Pastetten bestens geeignet. Gemeinsam mit ihren Besitzern, die gleichzeitig auch die Hundeführer sind, üben die Vierbeiner, Personen zu finden. Die Rasse spielt dabei übrigens kaum eine Rolle, wie sich zeigt: Hier vor Ort sind Berner Sennenhunde ebenso wie Riesenschnauzer, Hovawarts, Labradore, Weiße Schäferhunde, Dackel und selbst Mischlinge.

Geübt wird das Aufspüren von Menschen im Wald gleichermaßen wie in Trümmern – dabei bietet das Pastettener Areal gute Bedingungen. Bei der Suche, und damit auch bei der individuellen Ausbildung, gibt es Unterschiede: So finden sogenannte Mantrailer-Hunde einzelne Personen anhand ganz spezifischer Geruchsmerkmale. „Er hilft beispielsweise bei der Suche nach hilflosen Bewohnern von Seniorenheimen“, erklärt Inioutis. Der Hund kann mit Hilfe eines Kleidungsstücks die Spur eines einzelnen Menschen unter vielen anderen herausschnüffeln und ihn aufspüren.

Anders ist es bei den Trümmer- oder Flächensuchhunden. Sie können in eingestürzten Häusern alle Verschütteten finden. Auch für die Lawinenortung oder Menschen unter Wasser gibt es speziell geschulte Hunde.

Für die Jugendfeuerwehr Pastetten hatte das Camp, wie übrigens schon in den Vorjahren, einen lehrreichen Nebeneffekt. Es wurde eine gemeinsame Übung organisiert, bei der der Feuerwehr-Nachwuchs das Bergen von Personen und Erste Hilfe trainieren konnte. Die Jugend hatte dabei aber auch jede Menge Spaß, denn die „Verletzten“ wurden dementsprechend martialisch geschminkt.

Im Moment ist die in Schwaig ansässige Rettungsstaffel händeringend auf der Suche nach einem neuen festen Übungsgelände, nachdem der Vermieter das bisher genutzte Gelände Ende vergangenen Jahres wegen Eigenbedarfs gekündigt hatte. „Bis jetzt hatten wir kein Glück“, bedauert Inioutis. Das Areal müsste etwa 5000 Quadratmeter groß und umzäunt sein sowie mit einem Vereinsheim bebaut werden dürfen.

Laut Inioutis ist die Nachwuchsarbeit ein wichtiger Punkt für den Rettungshunde-Verein. „Bei mehreren Gemeinden sind wir fest ins Ferienprogramm integriert“, sagt der Vorsitzende. Neben Vorführungen würde dabei auch gegrillt. „Oft ist unsere Veranstaltung die erste, die im Ferienprogramm ausgebucht ist“, sagt Inioutis. Auch deshalb findet er es bedauerlich, dass sich bis jetzt noch keine Gemeinde gefunden hat, die dem Verein wieder ein festes Domizil geben kann oder will.

Von Henry Dinger

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