+
Zusammenhalt im Ort: Der Theaterverein Pastetten hat Yasmin Weger (M.) und ihre Familie bei der diesjährigen Aufführung finanziell unterstützt. Für Anfang Oktober ist sogar eine zweitägige Benefizveranstaltung geplant.

15-Jährige erlitt Gehirnblutung

Yasmin kämpft sich ins Leben zurück

  • schließen

Pastetten - Seit einer Gehirnblutung vor eineinhalb Jahren ist Yasmin Weger auf den Rollstuhl angewiesen. Doch die 15-jährige Pastettenerin lässt sich nicht unterkriegen. Die Geschichte eines tapferen, lebenslustigen Mädchens.

Am liebsten hört Yasmin Culcha Candela. „Scheiße, aber happy“ heißt ihr momentaner Lieblingssong. Sie trägt große Ringe und bunten Nagellack, möchte ihre Haare zu einem Sidecut schneiden lassen. Sie postet auf Instagram, surft auf Facebook, hätte gerne ein Nasenpiercing. Die junge Pastettenerin ist eigentlich ein typischer Teenager. Doch Yasmin, 15 Jahre jung, sitzt im Rollstuhl – seit sie vor eineinhalb Jahren eine Gehirnblutung hatte.

Es ist der 5. November 2014, den Familie Weger nie vergessen wird. Yasmin war bei einem Treffen der Jugendfeuerwehr, bei der sie so gerne mitgemacht hat. Doch zuhause hat sie plötzlich Kopfschmerzen. So starke, dass sie vor Schmerzen schreit. Ihre Eltern Anja (39) und Christian (47) wollen sofort ins Krankenhaus fahren, doch noch im Hausflur bricht Yasmin zusammen. Der Notarzt stellt die Diagnose: Hirnblutung. Schon im Krankenwagen wird Yasmin ins Koma versetzt.

Was folgt, sind fast eineinhalb Jahre des Bangens und Hoffens, aber auch des Kämpfens. 16 Monate lang liegt Yasmin im Krankenhaus, auf der Intensivstation und isoliert von anderen Menschen. „Das waren 16 Monate Alptraum“, sagt ihr Papa Christian. Yasmin selbst beschreibt die Zeit „wie in einem schlechten Horrorfilm“.

Um den Druck aus ihrem Schädel zu nehmen, wird noch am Tag ihrer Einlieferung ein Loch in den Knochen gebohrt. Der Versuch, das Blut aus dem geplatzten Gefäß per Katheter zu entfernen, scheitert. Die Ärzte nehmen Yasmins halbe Schädeldecke ab, sie liegt fast sechs Wochen im Koma. Am Tag vor Weihnachten 2014 wird ihr ein Shunt gelegt, um das Gehirnwasser abzuführen. Das Gerät muss Yasmin wohl ihr Leben lang tragen.

„Wir hatten ein gutes Gefühl, auch als die Schädeldecke wieder eingesetzt wurde“, erzählt Christian Weger. Doch schon am nächsten Tag erleidet Yasmin eine weitere Hirnblutung. Der Schädelknochen muss wieder entfernt werden, inzwischen trägt sie eine Titanplatte unter der Kopfhaut, die Haare sind längst nachgewachsen.

Doch damit nicht genug der Komplikationen: Der Shunt infiziert sich mit dem Krankenhauskeim MRSA, Yasmin bekommt starke Medikamente, magert auf 37 Kilogramm ab. Ihr rechter Arm kann nach einer falsch gelegten Infusion nur durch eine Not-OP gerettet werden. Davon zeugt eine riesige Narbe, die Yasmin einmal gerne unter einer Tätowierung verstecken würde.

Noch vor einem Jahr konnte Yasmin nicht reden, essen oder trinken, erzählt Anja Weger – und, dass die Ärzte ihnen wenig Hoffnung gemacht hätten. Doch Yasmin ist eine Kämpferin: Mittlerweile kann sie normal essen und sprechen, leise zwar, aber „manchmal wie ein Wasserfall“, sagt ihr Papa lachend. Allmählich bekommt sie auch wieder Gefühl in ihrer linken Körperhälfte, die seit der Hirnblutung gelähmt ist. Seit die junge Frau mit den dunklen, strahlenden Augen einen Tag vor Weihnachten im vergangenen Jahr schließlich nach Hause entlassen wurde, macht sie große Fortschritte.

Yasmin arbeitet täglich hart an ihrer Genesung – Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie. Damit sie genug Platz hat, sind ihre Brüder Fabian (4) und Marcel (12) unters Dach gezogen. So ist im Haus der Familie inzwischen ein richtiges Therapiezimmer entstanden, das dank einer Spende der Forsterner Physiotherapie-Praxis Lausch unter anderem mit einer Trainingsbank ausgestattet ist.

Überhaupt werden die Wegers von den Bürgern und Vereinen am Ort sehr unterstützt, erzählen sie gerührt. Der Theaterverein beispielsweise hat bei der diesjährigen Theateraufführung 1500 Euro übergeben. Für den Herbst ist eine Benefizaktion geplant (siehe Kasten).

Die finanzielle Unterstützung kann die Familie gut brauchen, ist die spezielle Pflegeausrüstung doch sehr teuer. Ein Stehtisch mit Motorunterstützung etwa, der Yasmin dabei hilft, ihre Rumpfmuskulatur nach dem monatelangen Liegen wieder aufzubauen, kostet mehrere tausend Euro. Doch die Wegers haben ein Ziel fest vor Augen: Yasmin soll kurze Strecken wieder alleine gehen können. Die Chance darauf bestehe, hätten die Ärzte erklärt – „mittlerweile sogar die, die am Anfang nicht an mich geglaubt haben“, sagt Yasmin stolz.

Und stolz sind auch Anja und Christian Weger – stolz auf die Stärke ihrer Tochter. „Sie hat wirklich um ihr Leben gekämpft und das tut sie weiter, denn sie hat noch einen weiten Weg vor sich“, sagen die Eltern, die den Kampfeswillen wohl an ihre Kinder vererbt haben: Sie lassen sich ebenfalls nicht unterkriegen – auch nicht davon, dass Papa Christian ebenfalls 2014 einen Herzinfarkt erlitten hat, Mama Anja seit Jahren an MS leidet und der Familienvater deswegen seine fünfköpfige Familie alleine versorgt. Sie versuchen, ihrem Mädchen zurück in ein normales Leben zu helfen, auch wenn sie wissen, dass Yasmin wohl ihr Leben lang zumindest teilweise Unterstützung brauchen wird.

Will sie zum Beispiel aus ihrem Zimmer ins Erdgeschoss, muss Papa Christian sie tragen – und das tut er jeden Morgen, denn Yasmin geht wieder zur Schule. Seit April besucht sie wieder die Mittelschule Forstern, jeden Tag zwei Stunden lang. Die Gemeinde hatte eigens für sie elektrische Türöffner einbauen lassen.

Das Bayerische Rote Kreuz bringt Yasmin zum Unterricht, eine Mitarbeiterin der AWO Markt Schwaben begleitet sie. „Ich schreibe inzwischen aber alles wieder selber mit“, erzählt Yasmin, deren Lieblingsfächer Soziales und Englisch sind. Bald wird sie vier Stunden täglich in die Schule gehen und zum nächsten Schuljahr soll sie in der neunten Klasse den normalen Schulalltag mitmachen können.

Schließlich möchte Yasmin nächstes Jahr das tun, was sie schon 2015 tun wollte: ihren Mittelschulabschluss machen und Kindergärtnerin werden. „Das war schon immer mein Traumberuf“, sagt sie. Zunächst steht aber ein anderer wichtiger Termin an: In wenigen Tagen wird Yasmin 16 Jahre alt. Ihren Geburtstag will sie mit ihrer Familie feiern, mit Freundinnen und guter Musik. Wie ein typischer Teenager eben.

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt Menschen wie Familie Weger. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54 7005 1995 0000 01

71 11. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Höchster Karnevalsorden für Kuliga
Ein halbes Jahrhundert für den Fasching aktiv: So eine außergewöhnliche Leistung würdigt der Bund Deutscher Karneval (BDK) mit seiner höchsten Ehrung, dem Verdienstorden …
Höchster Karnevalsorden für Kuliga
Gemeinde Taufkirchen hält Hand übers Wasserschloss
Für den Betrieb des Wasserschlosses gründet die Gemeinde Taufkirchen ein eigenes Kommunalunternehmen. Betrieb und Unterhalt des Schlosses sind damit aus dem Haushalt der …
Gemeinde Taufkirchen hält Hand übers Wasserschloss
Schweinshaxn-Tattoos und Motivationsjeans
Mit lustigen Geschichten aus seinem Leben und coolen Bluessongs bereitete Stephan Zinner seinem Publikum im ausverkauften Jakobmayer-Saal einen vergnüglichen Abend.
Schweinshaxn-Tattoos und Motivationsjeans
Nach acht Jahren Bühne frei für die Langengeislinger Mimen
Nach acht Jahren Abstinenz wird der FC Langengeisling heuer wieder ein Theaterstück aufführen.
Nach acht Jahren Bühne frei für die Langengeislinger Mimen

Kommentare