Zuschüsse von Gemeinden

Mittagsbetreuung in Geldnot

  • Veronika Macht
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Pastetten/Buch am Buchrain – Der Verein „Aktive Eltern Pastetten“, der an der Grundschule Pastetten die Mittagsbetreuung übernimmt, steckt in finanziellen Schwierigkeiten.

Die Gemeinden Buch am Buchrain und Pastetten unterstützen die Initiative nun mit insgesamt gut 12 800 Euro. Mittelfristig ist die Mittagsbetreuung ohnehin ein Auslaufmodell: Stattdessen wird eine Offene Ganztagsschule etabliert.

Seit 1995 bietet der gemeinnützige Verein für Grundschüler kindgerechte Aktivitäten und Spiele sowie Hausaufgabenbetreuung mit Mittagessen an. Mitgründerin und seit Beginn Leiterin ist Petra Proft. Die ausgebildete Fachwirtin für Erziehungswesen war in beiden Gemeinderatssitzungen anwesend und bat die Kommunen Buch und Pastetten um finanzielle Unterstützung.

Hauptproblem: die staatlichen Förderungen wurden seit Beginn nicht erhöht. Haben sie früher pro Gruppe 6500 Mark betragen, gibt es heute noch immer – umgerechnet – 3323 Euro. Zum Vergleich: Für den Offenen Ganztag beträgt die Förderung jährlich 10 500 Euro. Für Proft wie auch Pastettens Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger (CSU) ein Indiz dafür, dass Ganztagsschulen politisch gewollt sind – auf Kosten der Mittagsbetreuungen.

Gestiegen seien dagegen die laufenden Betriebskosten. Mindestlohn, mehr Geld für Lehr- und Bastelmaterial oder regelmäßige Fortbildungen der Betreuerinnen sorgen für Liquiditätsengpässe.

Laut Proft reichen die bisherigen Elternbeiträge, Zuschüsse und Spenden nicht mehr für die Finanzierung aus. Deshalb wurden die Elternbeiträge etwas angehoben. Das, aber auch berufliche und private Veränderungen bei den Erziehungsberechtigten hätten dafür gesorgt, dass sich die Anzahl der Anmeldungen von 51 auf 40 reduzierte. Da durch diese elf abgemeldeten Kinder eine Gruppe verloren gegangen sei, habe sich in der Folge auch der staatliche Zuschuss verringert. Zusammen mit den fehlenden Beiträgen „sind wir nun an einem Punkt angelangt, an dem es ohne die Unterstützung der Gemeinden nicht mehr geht“, sagte Proft.

Gemäß ihrem Wirtschaftsplan für das Schuljahr 2018/2019 ergibt sich ein Defizit von fast 12 700 Euro. Für dessen Ausgleich bat Proft die Kommunen um Hilfe: Für die neun Kinder aus Buch fielen anteilig 2856 Euro an, für die 31 Pastettener Mädchen und Buben 9837 Euro.

Buchs Bürgermeister Ferdinand Geisberger (CSU) lobte den Verein: „Ihr habt hier wirklich etwas Tolles auf die Beine gestellt.“ Auch ihn ärgerte, dass das Kultusministerium trotz veränderter Rahmenbedingungen die Förderung nicht anpasse. „Jetzt sind wir als Gemeinde gefragt, und wir sollten hier ein klares Signal für den Verein geben“, fand Geisberger. „Alle Achtung vor dem Engagement“, befand auch Josef Auer (Wählergruppe). Einstimmig folgte das Gremium dem Vorschlag Martin Dondls (WG), den Zuschuss auf 3000 Euro aufzurunden.

Ebenfalls einstimmig fiel in Pastetten nach längerer Diskussion die Entscheidung, die Mittagsbetreuung mit 9837 Euro zu unterstützen. Angesichts steigender Kosten, aber stagnierender Zuschüsse plädierte Alois Zollner (CSU) dafür, dass man sich dringend Gedanken über die Zukunft des Angebots machen müsse. „Wir haben hier ein Konstrukt, das in dieser Form auch künftig zu einem Minus von mindestens 10 000 Euro pro Jahr führen wird“, sagte Zollner. Proft stimmte zu und stellte klar: „So wie sich die Mittagsbetreuung bisher finanziert hat, wird es auf Dauer nicht funktionieren.“

Dies sei mit ein Grund für die geplante Einführung des Offenen Ganztags. Dafür hatte der Gemeinderat in gleicher Sitzung die Weichen gestellt – durch das Ja zum Umbau der alten Turnhalle in eine Mensa (wir berichteten).

Die Mittagsbetreuung soll dann in der Offenen Ganztagsschule aufgehen. Von Seiten des Vereins hätten alle Betreuerinnen die notwendigen Ausbildungen. Sie selbst sei Koordinatorin in Offenen Ganztagsangeboten, erklärte Proft. Diese Qualifizierung habe sie speziell für einen nahtlosen Übergang gemacht, „dass für die Kinder kein Unterschied spürbar ist, weil das Personal erhalten bleiben kann. Wir haben einen hohen Anspruch an unser Personel, deswegen sind die Kosten auch entsprechend hoch“, erklärte Proft.

Bis der Ganztag jedoch an den Start gehen kann, soll die Mittagsbetreuung aufrecht erhalten werden – mit finanzieller Hilfe der Kommune. „Ich gehe davon aus, dass wir auch nächstes Jahr wieder kommen müssen“, prophezeite Proft. Zugleich betonte sie aber auch, dass der Verein bisher nur zweimal finanzielle Hilfe der Kommune gebraucht habe: als Anschubfinanzierung und zuletzt vor zwei Jahren.

Lisa Neumaier (CSU) plädierte dafür, dass die Offene Ganztagsschule schnellstmöglich umgesetzt werde. „Dann wären alle Probleme gelöst“, erklärte die Lehrerin aus ihrer Arbeit an der Grund- und Mittelschule Kirchseeon.

VON VRONI MACHT
UND MARKUS OSTERMAIER

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