Andrea Scheidler und ihr Sohn Leon Hürter mit Anträgen, Absagen und dem Widerspruch
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Anträge, Absagen und der Widerspruch: Andrea Scheidler, hier mit Sohn Leon Hürter, hat sich nun Unterstützung von einem Anwalt geholt.

Reithofener soll zum M-Zug nach Dorfen – Schule in Markt Schwaben wäre besser erreichbar

„Zwei Stunden Busfahrt wären vermeidbar“

  • Henry Dinger
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Leon Hürter aus Reithofen soll den M-Zug auf der Mittelschule Dorfen absolvieren, so will es das Gesetz. Doch die Schule in Markt Schwaben wäre in viel kürzerer Zeit zu erreichen. Der Antrag wurde abgelehnt. Seine Mutter will nun kämpfen

Reithofen – Leon Hürter soll den M-Zug auf der Mittelschule Dorfen absolvieren, so will es das Gesetz. Doch die Schule in Markt Schwaben wäre in viel kürzerer Zeit zu erreichen. Der Antrag wurde abgelehnt. Seine Mutter will nun kämpfen.

Leon Hürter ist ein helles Köpfchen. Der Zwölfjährige aus Reithofen war bislang auf der Mittelschule Forstern und hat es geschafft, sich für den M-Zug zu qualifizieren, um seine Mittlere Reife zu machen. „Wir waren alle froh und glücklich darüber“ erzählt seine Mutter Andrea Scheidler.

Schon die Schwester besuchte Schule in Markt Schwaben

Ein kleiner Wermutstropfen mischte sich in die Nachricht, als bekannt wurde, dass der Bub auf die Mittelschule Dorfen kommt – die zuständige Sprengelschule für Reithofen. „Die ist aber umständlich zu erreichen“, sagt Scheidler und erzählt, dass Leons Schwester Lena vor vier Jahren auf die Grafen-von-Sempt-Mittelschule in Markt Schwaben gegangen sei, um dort ihren Abschluss zu machen. „Das hatten wir damals beantragt und es wurde genehmigt.“ Schließlich liegt die Schule nur neun Kilometer von Reithofen weg, der öffentliche Bus braucht eine viertel Stunde. Rechnet man die Laufzeit dazu, ist man vom Wohnhaus zur Schule eine gute halbe Stunde unterwegs. Das Fahrgeld hatten die Eltern damals selbst bezahlt. „Das würden wir natürlich auch bei Leon übernehmen“, stellt Scheidler klar.

Noch im Juni setzte sie sich mit der Schule in Markt Schwaben in Verbindung. „Da wurde mir signalisiert, dass Leon gerne kommen kann.“ Im Anschluss stellte sie einen Gastschulantrag und begründete ihn damit, dass ihr das pädagogische Konzept der gebundenen Ganztagsklasse zusage und Leon die erweiterte Förderung durch Lehrer benötige.

Gastschulantrag abgelehnt

Der Antrag wurde abgelehnt, zunächst von der Schule in Dorfen – mit der Begründung, dass man das gleiche pädagogische Angebot habe. „Da musste Markt Schwaben dann auch ablehnen“, so Scheidler. Sowohl Schule als auch Gemeindeverwaltung waren nicht einverstanden. Auch Pastetten als Heimatgemeinde lehnte ab. Begründung: Wenn es das gleiche Angebot im Schulverbund gibt, dürfen ihn die Schüler nicht verlassen. Wenn außerdem beide Schulleiter ablehnen, könne die Gemeinde nicht zustimmen, heißt es im Schreiben vom 31. Juli, das unserer Redaktion vorliegt.

Zwischenzeitlich kümmerte sich Scheidler um den Schulbus. „Das Sekretariat der Schule in Dorfen hat mir mitgeteilt, dass ich mich wegen der Beförderung mit dem Busunternehmen in Verbindung setzen soll. Im Telefonat mit ihm wurde mir gesagt, dass es derzeit nicht vorgesehen sei, Reithofen anzusteuern. Das müsse erst geklärt werden“, erzählt die 44-Jährige. Für Leon hätte das morgens und nachmittags jeweils eine halbe Stunde Fußmarsch zur nächsten Haltestelle bedeutet. „Und dann eine Stunde mit dem Bus fahren. Leon wird es auf längeren Fahrten speiübel, er müsste also täglich Medikamente nehmen, und dann soll er sich in der Schule konzentrieren. Wie soll das gehen? Außerdem war seine Schwester auch in Markt Schwaben, warum also nicht auch Leon?“

Fürs Schulamt ist die Sache eindeutig

Scheidler legte Einspruch gegen die Ablehnung ein, ihr Brief landete beim Staatlichen Schulamt in Erding. Am 17. August stand die Antwort ebenso aus wie eine Nachricht des Busunternehmens. „Wir wollen in den Urlaub fahren. Wie es ab dem 8. September weitergeht, weiß ich noch nicht“, so Leons Mutter. Sie habe sich vorsichtshalber die ersten Schultage freigehalten.

Die Heimatzeitung hat beim Schulamt nachgefragt. Für Direktorin Marion Bauer ist die Sache eindeutig. „Prinzipiell besteht an den Grund- und Mittelschulen Sprengelpflicht. Eine individuelle Ausnahme von dieser Regelung kann nur bei zwingenden persönlichen Gründen erfolgen“, schreibt sie. Und die Gründe müssten schon sehr schwerwiegend sein. „Allgemein auftretende Schwierigkeiten, die eine größere Zahl von Eltern und Schülern betreffen“, so Bauer, reichten nicht aus. Schließlich hätten auch alle Schüler aus Forstern, die die Schule in Dorfen besuchen, einen ähnlich langen Schulweg.

Ab diesem Schuljahr gibt es einen Bushalt in Reithofen

Außerdem würde die Stadt Dorfen seit dem vorigen Schuljahr das Bus-Geld zur Mittelschule Dorfen übernehmen. „Von dort haben wir die Auskunft erhalten, dass ab dem Schuljahr 2020/21 die Haltestelle Reithofen direkt angefahren wird“, so Bauer weiter. Dass Leons Schwester nach Markt Schwaben gehen durfte, liege daran, dass es diese Busverbindung damals noch nicht gegeben hat.

Für Scheidler ist das Problem damit keineswegs geklärt. „Unterdessen hat mich das Schulamt angerufen. Man hat mir nahegelegt, den Widerspruch zurückzuziehen, sonst müsste ich 50 Euro Bearbeitungsgebühren zahlen. Das ist es mir wert, so lasse ich mich nicht abspeisen. Ich habe einen Anwalt eingeschaltet und das dem Amt auch mitgeteilt“, sagt sie entschlossen. Es sei ihr wichtig zu betonen, dass sie nichts gegen die Schule in Dorfen habe. Nur: „Es bleibt ein Schulweg mit täglich insgesamt zwei Stunden Busfahrt, dem eine halbe Stunde hin und zurück nach Markt Schwaben gegenüberstehen.“

Henry Dinger

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