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Pendler in Schienenbus eingepfercht

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Von: Anton Renner

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Dorfen - Wieder Chaostage für Pendler. Auf der Bahnstrecke München-Mühldorf kommt es seit Tagen zu Störungen, Verspätungen und kompletten Zugausfällen.

Diese Woche war keine gute Woche für die Bahnpendler – auch nicht für das Image der Südostbayernbahn. Mehrere Stellwerksstörungen am Bahnhof Dorfen haben zu erheblichen Verspätungen geführt. Laut Bahnreisenden musste die Erlaubnis zur Weiterfahrt wegen der Stellwerksprobleme teilweise erst schriftlich eingehen. Darauf warteten manche Züge bis zu 15 Minuten. Und es kam noch dicker: Diverse Bahnübergänge zwischen Dorfen und Thann Matzbach konnten nur per Hand freigeschaltet werden – dazu musste der Zug vor jedem Bahnübergang halten, berichten Pendler.

Gestern morgen trauten die wartenden Pendler am Dorfener Bahnhof dann ihren Augen nicht. Gerade die beiden Züge um 7.54 und 8.06 Uhr sind fast immer komplett ausgelastet. Doch um 8.06 Uhr kam anstatt der RB 27 038 mit Doppelstockwagen ein einfacher Schienenbus mit einem Bruchteil des nötigen Platzangebots.

Bahnpendler Jens Roedel, der täglich nach München fährt, schildert die Situation: „Der Zug kam schon mit Fahrgästen vollgestopft an. Hätte nicht mindestens die Hälfte der in Dorfen wartenden potentiellen Passagiere schon bei Einfahrt des Zuges auf dem Absatz kehrt gemacht, um stattdessen andere Reisemöglichkeiten, zu meist wohl den privaten Pkw zu nutzen, wäre eine Abfahrt in Dorfen wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen. Ich selbst wollte es dennoch probieren. Zwar konnte ich den Wagen noch betreten, aber schon im Vorraum zum eigentlichen Abteil war kein Weiterkommen mehr. Innerhalb von Sekunden fand ich mich von Menschenmassen eingekeilt.“ Roedel verließ daraufhin den Schienenbus wieder. Er rief seine Frau an, die ihn dann mit dem Auto nach München chauffierte.

Schon am Donnerstag war es auf der Fahrt von München nach Dorfen zu einem ähnlichen Gedränge gekommen. Auch hier setzte die Südostbayernbahn anstatt eines Zugverbandes nur einen Schienenbus ein. Andere Reisende berichteten davon, dass sie aufgrund der Verspätungen und Ausfälle ihre Anschlusszüge nicht mehr erreichen konnten, wie das zum Beispiel am Donnerstagabend der Fall war.

Roedel hat genug von den ständigen Problemen. „Es kann nicht sein, dass im Berufsverkehr der einzig verfügbare Zugverband, zum Beispiel bei Ausfall, ein Schienenbus ist.“

Von der Südostbayernbahn war keine detaillierte Stellungnahme zu erhalten. Die Stellwerkstörungen wurden bestätigt. Probleme habe es auch wegen einer Person im Gleisbett gegeben. Einzelheiten würden noch geklärt.

Anton Renner

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