Pfarrer kritisieren Zölibat

Erding - Die Zulassungsbedingungen für Priester sollen geändert werden, damit mehr Berufungen möglich sind. Diesen Beschluss fasste der Dekanatsrat Erding in seiner Vollversammlung am Mittwoch im Altenerdinger Pfarrheim Mariä Verkündigung.

Darunter sei in erster Linie der Wegfall des Zölibats zu verstehen, erläuterte Roswitha Bendl, die Erdinger Vorsitzende von Pax Christi, am Rande der Versammlung. Diese Ansicht vertraten dort auch Geistliche gegenüber der Heimatzeitung.

„Das haben wir als ,Zeichen der Zeit‘ identifiziert“, erläuterte Dekanatsratsvorsitzender Armin Schalk auf Nachfrage. Diese Zeichen zu benennen sei ein Auftrag des in der katholischen Kirche laufenden Strukturprojekts „Dem Glauben Zukunft geben“. Allen sei klar, so Schalk, dass das ein weltkirchlicher Prozess sei. „Wir wollen nicht gegen den Erzbischof schießen, sondern denken an die Zukunft“, erklärte er. Es sei allerdings nicht nur das Zölibat gemeint. Man müsse auch darüber nachdenken, ob man Frauen das Priesteramt öffnet, oder Ordensfrauen mit der Leitung einer Pfarrei betraut werden.

Zum Zölibat sagte der Pfarrer von Isen, Josef Kriechbaumer, im Gespräch mit der Heimatzeitung: „Der Beschluss dürfte absolut richtig liegen.“ Johann Eschbaumer, Pfarrer in Dorfen, äußerte sich kritischer. Der Priestermangel sei nicht nur mit dem Zölibat zu begründen, sagte er. Schließlich habe auch die evangelische Kirche Schwierigkeiten. „Das ist eher ein gesellschaftliches Problem der Akzeptanz der Kirche in der Gesellschaft.“ Gleichwohl, so sagte er, „hätte ich kein Problem damit, wenn die Kirche sagt: Das Zölibat soll fallen.“

Der Dekanatsrat diskutierte vor allem über einen Aspekt der Pfarreienreform (wir berichteten): „Die Leitung des Pastoralen Raumes wird einem Pfarrer übertragen, der die Befähigung zur Leitung hat“, heißt es darin. „Das ist ein zu klerikalistischer Ansatz. Vor allem muss über die Zulassungsvoraussetzungen zum Priesterberuf diskutiert werden“, meinte Franz Gasteiger. Daher stellte der ehemalige Flughafenpfarrer den Antrag.

„Wir haben gute Erfahrungen mit der Leitung von Pfarreien durch Laien gemacht. Der Geist Gottes lässt sich auch woanders nieder“, sagte Gasteiger, „es gibt durchaus andere Personen, die seelsorgerlich und leitend tätig sein können.“ Der Beschluss wird im April mit weiteren Anträgen in der Vollversammlung des Zukunftsforums thematisiert. (nie/ta)

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