Sieht sich mittlerweile voll akzeptiert: Die evangelische Pfarrerin Ruth Nun aus Haag, die St. Wolfgang mit betreut. Foto: prä

Pfarrgemeinde St. Wolfgang: Freude über den Papst, Kritik an den Geissens

St. Wolfgang - Traditionell wird der Neujahrempfang in St. Wolfgang von der politischen und kirchlichen Gemeinde gemeinsam veranstaltet. Heuer wurde vor allem zu Barmherzigkeit, Bescheidenheit und Mitmenschlichkeit aufgerufen - und die Verschwendungssucht kritisiert.

Mit einem Vergelt’s Gott bedankte sich Pfarrer Michael Henger bei den vielen ehrenamtlichen Helfern im ganzen Pfarrverband St. Wolfgang. Er mahnte, dass gerade im vom Papst Franziskus ausgerufenen „Heiligen Jahr“ die Menschen aufgerufen seien, selbst Barmherzigkeit zu zeigen. Barmherzigkeit sei eine „zentrale Eigenschaft Gottes“.

Die Haltung von Papst Franziskus, geprägt von Bescheidenheit, und sein Wille, die Kirche auch an der Spitze zu reformieren, werde „Konsequenzen auch für die pastorale Arbeit haben“. Viele engagierte Christen setzten auf Erneuerung. Da werde man in der Kirche „manches überdenken und anders machen müssen“, meinte Henger.

Seine Kirche werde die Türen offen halten, sagte Henger. Dabei wies der Pfarrer Kritik zurück, er würde freie Räume im Pfarrhaus für Flüchtlinge nicht öffnen. Dies sei schlicht aus baurechtlichen Gründen (Brandschutz) in dem denkmalgeschützten Gebäude nicht möglich.

Begeistert äußerte sich auch der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Franz Lohmaier über die „klaren Zeichen“ in der Kirche von Papst Franziskus und die Bescheidenheit, die er vorlebe. Kritisch sei da unsere teils verschwenderische Lebensweise „auf hohem Niveau“, auch auf Kosten von Ausbeutung der Menschen und Umweltzerstörung in den Ländern der Dritten Welt. Das zeige etwa eine Fernsehwerbung, wo sich „zwei Reiche“, die Geissens, rühmten, je mehr sie verbrauchten, desto mehr sparten sie. „Aber auf wessen Kosten?“, sei die Frage.

In der Pfarrgemeinde sei „Vieles im Verborgenen geschehen“, dankte Lohmaier den Ehrenamtlich. Die kirchlichen Gruppierungen, wie etwa Landjugend und Landvolk, hätten sich in verschiedensten Bereichen und Themen engagiert. Stolz könne man auch auf die Sternsinger sein, größtenteils Ministranten, aber auch andere Kinder. Sie würden seit Jahrzehnten mit ihrer Aktion Geld für soziale Zwecke sammeln, heuer über 6000 Euro. In der Gemeinde gebe es eine „große Spendenbereitschaft“, lobte der Pfarrgemeinderatsvorsitzende.

Die evangelische Pfarrerin Ruth Nun aus Haag kam zum zweiten Mal zu dem Empfang. Sie freute sich, dass sie inzwischen auch als „unsere Pfarrerin“ empfangen wurde, obwohl die evangelische Gemeinde in St. Wolfgang in der Diaspora lebe. Nur sieben Prozent seien evangelischen Glaubens. Sie bedankte sich zudem für den gemeindlichen Zuschuss für den nun fertigen Anbau an die kleine evangelische Kirche in Haag.

Hermann Weingartner

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