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Realisiertes Schutzkonzept für das Neubaugebiet an der Bachhamer Straße in Fraunberg: Rechts neben dem Wohngebiet sind zwei Rückhaltespeicher, die sowohl das aus der Siedlung fließende Wasser aufnehmen können, als auch Wasser aus den nördlichen Feldern. Läuft selbst dieses Reservoir über, kann es – weiter rechts – durch eine Straßenunterführung in den Süden abgeleitet werden.

Pilotprojekt in Oberbayern

Sturzflut-Management in Fraunberg: Erkennen, warnen, schützen

In einem Pilotprojekt setzt sich die Gemeinde Fraunberg mit dem Thema Sturzflut auseinander. Jetzt wurde ein Konzept vorgestellt.

Fraunberg – In einem Pilotprojekt setzt sich die Gemeinde Fraunberg mit dem Thema Sturzflut auseinander. Erkennen, warnen, schützen – so lautet das Motto. Einerseits war Fraunberg in der Vergangenheit immer wieder von starken Regenfällen betroffen. Andererseits hatte die damalige Umweltministerin Ulrike Scharf ihrer Heimatgemeinde vor einem Jahr 150 000 Euro Zuschuss in Aussicht gestellt, um Untersuchungen für ein kommunales Sturzflut-Management in Auftrag zu geben. Dieses wurde nun im Gemeinderat vorgestellt.

Heiko Nöll, Diplom-Ingenieur bei der CDM Smith Consult GmbH in München, präsentierte auf rund 50 Folien ein detailliert ausgearbeitetes Konzept, wie künftig Sturzfluten begegnet werden könnte. Zunächst beschrieb er in einer Bestandsanalyse die relevanten Fließgewässer, hier vor allem die Strogen, mit Fluren, Straßen und bestehenden Häusern. „Die Topografie spielt dabei eine große Rolle: So bleibt das Wasser auf der westlichen Flussseite eher stehen. Wir haben hier vorwiegend flaches Gelände und niedrige Wassertiefen. Auf östlicher Seite dagegen, etwa in Hinter- und Vorderbaumberg, Riding oder Maria Thalheim sehen wir größere Probleme mit Fließwasser. Denn hier gibt es viel hügeliges Gelände, in den Tälern sammelt sich der Niederschlag. Das Ergebnis sind hohe Wassertiefen und hohe Fließgeschwindigkeiten“, erklärte Nöll.

Um eine konkrete Aussage für Maßnahmen gegen Sturzfluten treffen zu können, wurden rund 340 Profile bei Fließgewässern vermessen und eine Simulation des Wasserablaufs erstellt. Aus einer solchen „gestellten Beregnung“ lässt sich ein Abfluss in den Gewässern errechnen sowie wirksame Gegenmaßnahmen: etwa dezentrale Rückhaltesysteme und Abflussgräben aus Tälern. „Aber auch der Eigenschutz privater Flächen durch ihre Besitzer ist wichtig“, gab der Experte zu bedenken.

Besonders beeindruckt waren die Gemeinderäte von Beispielen in einzelnen Teilorten, wie hier mit Rückhaltebecken, kleinen Deichen oder Überleitungsgräben schon eine deutliche Verbesserung der bisherigen Sturzflut-Situation erreicht werden könnte. „Betrug in Riding die ungehemmt fließende Wassermenge bei Sturzfluten bisher etwa 21 Kubikmeter pro Sekunde, würde sie durch einen 3,50 Meter hohen und 390 Meter langen Deich auf 1,5 Kubikmeter reduziert“, erklärte der Ingenieur.

Eine Schutzmaßnahme hat die Gemeinde bereits am neuen Baugebiet an der Bachhamer Straße realisiert. Dort gibt es Entwässerungsgräben, ein doppeltes Rückhaltebecken, eine Wasserüberleitung mit Durchlass unter der Straße in andere Gewässer sowie Zisternen in jeder Bauparzelle. „Dieses Schema werden wir künftig bei jedem neuen Bauprojekt und in jedem neuen Baugebiet umsetzen“, kündigte Bürgermeister Hans Wiesmaier an. „Wir brauchen aber auch die Bereitschaft der Bürger bei der Umsetzung, ihre eigenen Erfahrungen und ihr Wissen um lokale Gegebenheiten.“

Deshalb soll es zeitnah erste Informationsveranstaltungen für die besonders betroffenen Teilorte geben. „Dabei können und werden wir aber keine Eingriffe in privates Eigentum vornehmen. Alles muss einvernehmlich geschehen“, betonte Wiesmaier. Noch kann er nicht sagen, wer letztlich für Rückhalte-Maßnahmen bezahlen wird. „Wir sehen das Sturzflut-Management als ein Projekt in einem Jahrzehnt-Korridor, wollen aber möglichst bald von der Förderphase in die konkrete Umsetzung gehen“, sagte er. Zudem hofft er auf eine zuverlässigere und schnellere Vorwarntechnik durch Meteorologen: „Irgendwann werden wir hoffentlich über ein System verfügen, das punktgenau Bürger vor Sturzfluten an ihrem Ort warnt.“ (Friedbert Holz)

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