Hochkarätig besetztes Podium: (v. l.) Moderator Claudius da Costa Gomez (Hauptgeschäftsführer Fachverband Biogas), die Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter (Die Linke), Andreas Lenz (CSU) und Ewald Schurer (SPD) sowie Landtagsabgeordneter Benno Zierer (FW). Foto: huber

Podiumsdiskussion: "Biogas ist nicht zu ersetzen"

Lengdorf - Wie geht es weiter mit der Biogas-Branche? Diese Frage bestimmte eine Podiumsdiskussion in Lengdorf, zu der der Fachverband Biogas hochkarätige Teilnehmer eingeladen hatte.

Gekommen waren die Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter (Linke), Andreas Lenz (CSU) und Ewald Schurer (SPD) sowie Landtagsabgeordneter Benno Zierer (Freie Wähler). Hintergrund der Existenzfrage, vor der aktuell Betriebe stehen, die vor dem Jahr 2000 ans Netz gegangen sind, ist das Erneuerbare Energiegesetz (EEG), das eine Einspeisegarantie für 20 Jahre vorsieht.

Nach dem enormen Wachstum der vergangenen Jahre stünden die Betreiber alter Biogasanlagen jetzt vor der Entscheidung investieren oder zusperren. Denn die Politik, so Moderator Claudius da Costa Gomez, Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas, schreibe dem Biogas derzeit nur eine untergeordnete Rolle zu. Dabei sei Biogas im Zusammenspiel der erneuerbaren Energie wichtig und diene weitaus mehr, als nur der Stromerzeugung. So könne mit Unterstützung der Politik etwa der Wärmebereich ausgebaut werden. Daneben könne es durch Tankstellen an den Anlagen auf dem Mobilitätssektor eine Rolle spielen und erbringe System- und Umweltdienstleistungen.

Derzeit gibt es in Deutschland 8000 Anlagen mit einer installierten Leistung von 4000 Megawatt, in Bayern stehen 2300, in Oberbayern 586 und im Landkreis Erding 36. Nach den signifikanten Zuwächsen durch die EEG-Novelle des Jahres 2004 rechnet die Branche heuer lediglich mit 100 neuen Anlagen.

Verständnis und Unterstützung signalisierten die Abgeordneten. Sie räumten Biogas nicht nur einen Anteil beim Branchenmix der erneuerbaren Energien ein, sie erkannten auch Chancen für Bestandsanlagen. Lenz sah vor allem in dem Beitrag zur Versorgungssicherheit einen Vorteil der Branche. Durch Biogas stehe eine dauerhafte Kapazität zur Verfügung, die einen wertvollen Beitrag für die Netzreserven leisten könne. Doch es gehe nicht nur um Stromerzeugung, wobei in Bayern acht Prozent des Strombedarfs durch Biogas gedeckt würden. Durch Gülleanlagen werde zudem ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet.

Auch für Schurer ist Biogas nicht zu ersetzen. Er forderte einen „Bonus für Stabilität, die die Biomasse bringen kann“. Schurer, der die aktuelle EU- und Bundespolitik kurz beleuchtete, sah nicht nur Divergenzen zwischen Deutschland Frankreich, das ganz auf Atomkraft setze, sondern auch Energiepolitiker, die Biogas nicht nur deckeln, sondern nach 20 Jahren nicht weiter subventionieren wollen.

Für Bulling-Schröter gehört Biogas zum Energiemix. Durch die derzeitige Energiepolitik sei die Industrie privilegiert, die Kosten des durch „vernünftige und soziale Technik“ erzeugten Biogases werde mit dem billigen, subventionierten Kohlestrom verglichen.

Kritik an der Energiepolitik übte auch Zierer. Er forderte Anschlussverträge, „damit die Leute wissen, ob sie investieren können“. Eine Chance sah er in der Verwertung von Erdgas. „Das wird ein Thema sein, wenn Wärme optimal genutzt werden kann“, sagte er. „Reine Stromerzeugung, ohne zu wissen, wohin mit der Wärme, wird nicht vermittelbar sein“.

Die konkrete Frage eines Besuchers an die Abgeordneten auf dem Podium, ob sie denn 800 000 Euro für ein Endlager in die Hand nehmen würden oder die alte Anlage „an die Wand fahren würden“, beantworteten die Abgeordneten zurückhaltend. Zierer schlug vor, die Diskussion in einem Jahr zu wiederholen. „Dann könnt ihr eure Aussagen einfordern“, sagte er zu den etwa 180 Energiebauern aus Ober- und Niederbayern.

Anne Huber

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