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Seit 2007 baut Alexander Groß hochwertige Trommeln – in der linken Hand hält e r seine allererste, selbst gebaute Indianertrommel.

Porträt: Alexander Groß 

Der Trommelbauer aus dem Tannenhof

Alexander Groß aus Buch am Buchrain arbeitet bei einem Catering-Service, kocht bei Veranstaltungen und ist Heilpraktiker. Seine große Leidenschaft aber gehört den Trommeln, die er aus heimischen Materialien baut.

Buch am Buchrain „Die Absicht ist die stärkste Kraft. Es ist wichtig, auf seine Wahrnehmung zu vertrauen und mit dem Zweifeln aufzuhören.“ Diese Weisheiten gehören zu den wichtigsten spirituellen Erfahrungen, die Alexander Groß aus Buch am Buchrain bisher gewonnen hat. Zu seinem Leben gehören das Christentum ebenso wie der Buddhismus und das Schamanentum.

Vor diesem Hintergrund hat der 57-Jährige seine große Leidenschaft gefunden: Trommeln bauen, und zwar bei sich zuhause im ruhigen Bucher Ortsteil Tannenhof, wo der gelernte Fischwirtschaftsmeister seit 2010 lebt.

Hier hat der gebürtige Tegernseer gleich mehrere berufliche Standbeine, arbeitet bei einem Catering-Service, kocht bei Veranstaltungen und ist Heilpraktiker. Zum Trommelbau kam er zufällig: Groß sorgte 2007 für die Verpflegung bei einem Trommelbau-Seminar in Isen.

Nach einem gemeinsamen Trommeln am Lagerfeuer habe er auf der Heimfahrt „ein durch das Trommeln ausgelöstes, äußerst angenehmes Vibrieren im Körper“ bemerkt, das sogar am Morgen danach noch da gewesen sei. Groß schaute den Seminarteilnehmern über die Schultern und baute Zuhause seine erste eigene Trommel.

Eine besondere Begegnung war für ihn die mit dem grönländischen Schamanen Angaangaq, der ihn bei einem Seminar nachhaltig beeindruckt habe. Schamanen sind Personen mit spirituellen, magischen Fähigkeiten und Begabungen, die in manchen Völkern auch als religiöse Funktionsträger gelten.

Schließlich entschied sich Groß, bei Angaangaq ein dreijähriges Studienprogramm zu absolvieren, um sich Wissen zum Schamanentum und zu Heilarbeit anzueignen. Groß: „Auch wenn ich nun bestimmte Talente habe, die in diesen Bereich gehen, sehe ich mich selbst nicht als Schamane.“

Seinen Künstlernamen Busshó, der übersetzt „Buddha Natur“ heißt, bekam der Bucher von einer Münchner Ärztin, die Groß mit ihren buddhistischen Ansichten vor ein paar Jahren in seiner Selbstfindung unterstützt hat. Dies prägte den 57-Jährigen sehr: „Der Buddhismus ist nun ein Teil von mir, genauso wie das Christentum.“ Darum könne er sich jetzt nicht mehr nur einer Konfession zuordnen.

Aus Busshós Trommelbau-Premiere von 2007 wurde schnell eine Leidenschaft. Während Angaangaqs Lehre baute er sich seine erste Rahmentrommel – und das so gut, dass er später andere Kursteilnehmer darin unterrichtete. Heute produziert er etwa 25 Trommeln im Jahr. Für ein Exemplar braucht er rund zwei Tage. Neben Zeremonialtrommeln und mexikanischen Medizintrommeln baut Groß auch große Pow-Wow-Trommeln mit einem Durchmesser von bis zu 100 Zentimetern.

Sie alle entstehen in seinem Wohnhaus in Tannenhof. Dafür verwendet er das Holz alter Eschen und Eichen aus seinem Umfeld. Die 14 Millimeter dicken Bretter werden gekocht, damit das Holz weich wird und man es zu einem Kreis biegen kann. Nach dem Verleimen wird das Trommelinnere gefräst und das Äußere abgeschliffen.

Besonders wichtig ist das Leder, das für den Klang verantwortlich ist. Neben Rothirsch-Fell von einem bekannten Förster aus Ramsau erhält er vom benachbarten Wildgehege in Hammersdorf Damhirsch- und Mufflon-Haut. Gelegentlich verwendet er auch Gamswild-, Steinbock- oder Ziegen-Fell.

Das zeitaufwändige Trocknen der Haut übernimmt ein Gerber aus Tirol. Groß hat keinen Leder-Favoriten, aber ist überzeugt: „Das Material muss zum Bauer passen.“ Außerdem gebe es Unterschiede im Klang: „Bei relativ dünner Haut ist er heller, bei einer dickeren dunkler.“ Letzter Schritt beim Trommelbau ist die Befestigung mit Kevlar-Schnüren mit hoher Dehnbarkeit. Um die notwendige Spannung zu erhalten, werden rundherum Löcher gemacht, acht gegenüberliegende Schleifen gebunden und Stimmringe eingebaut.

Ist die Trommel fertig, ist das ein spannender Moment für den Hersteller – besonders, wenn er das erste Mal darauf schlägt. „Es kann dann nämlich passieren, dass das Tier, dessen Haut man verwendet, sein Leben rückwärts erzählt. Ich habe das schon öfter gehört“, sagt Groß.

Seine Rahmentrommeln, die je nach Größe zwischen 300 und 400 Euro kosten, verkauft er persönlich oder über Heidemarie Eibls Shop Naturinstrumente.de. Mehrmals im Jahr gibt Groß zudem sein Wissen in zweitätigen Trommelbaukursen weiter.

Der nächste Kurs

im Trommelbauen findet am 22./23. April statt. Alle Infos zum Workshop gibt es online auf www.schamanikus.de.

Markus Ostermaier

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