Sorgenvoller Blick in die Zukunft (v. r.): Pfarrer Daniel Tenberg, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und Dekan Jochen Hauer. Foto: ham

Priestermangel bei den Protestanten

Erding - Die evangelische Kirchengemeinde Erding leidet unter Personalmangel. Seit fast einem Jahr ist die vierte Pfarrerstelle unbesetzt. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht. Das Problem stellt sich in ganz Bayern.

Priestermangel - dieses Problem kannte man bisher vor allem aus der katholischen Kirche und begründete dieses nicht zuletzt mit dem Zölibat. Doch die andere christliche Gemeinschaft, die evangelisch-lutherische Kirche, schlägt sich mit dem gleichen Problem herum. 1700 Stellen gibt es bayernweit, 250 sind nach einer aktuellen Schätzung vakant.

Betroffen ist auch die evangelische Kirchengemeinde Erding. Dies bestätigt der Pfarrer und stellvertretende Dekan von Erding und Freising, Daniel Tenberg, im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Unsere vierte Stelle ist seit Februar 2014 offen“, beklagt sich der 55-Jährige. Inne hatte sie zuletzt der junge Pfarrer Bernd Reichert, der aber aus familiären und beruflichen Gründen nach Baden-Württemberg umgezogen ist.

Zurückgeblieben sind Tenberg und seine Pfarrerskollegen Andrea Oechslen und Martin Schwenk. „Die Arbeit ist aber nicht weniger geworden, und die Gemeinde wird eher größer“, erklärt Tenberg weiter. Immerhin leben in den Sprengeln im gesamten westlichen Landkreis 8000 Protestanten.

Reichert sei für die Außenbezirke zuständig gewesen, unter anderem für Berglern, Oberding und Neuching. „Dort leben gut 2000 evangelische Gläubige, um die wir uns nun kümmern müssen“, so der stellvertretende Dekan. Noch habe man den Gottesdienstkalender nicht zusammenstreichen müssen. „Aber die Vakanz bedeutet für uns drei Pfarrer jeweils ein Drittel mehr Arbeit.“

Tenberg betont, dass es „fast nicht mehr möglich“ sei, freie Tage abzubauen oder einen längeren Urlaub zu nehmen. „Unser Beruf bringt es mit sich, dass wir rund um die Uhr da sein müssen.“ Wenn dann etwa in der Ferienzeit ein halbes Dutzend Beerdigungen in einer Woche anstehen, „dann kommt man irgendwann schon in die Bredouille“, so der Pfarrer.

Ein wenig Unterstützung kommt aus der Nachbarkirchengemeinde Taufkirchen-Dorfen. Dort haben Edson und Annette Schumacher 1,75 Stellen. Die Pfarrerin hat nun eine volle Stelle und bringt ein Viertel ihrer Zeit in Erding ein.

Die Stelle hier ist lauf Tenberg offen und könnte sofort wieder besetzt werden, allein es mangelt an Bewerbern. „Dieses Los teilen wir nicht nur mit den Katholiken, sondern mit allen sozialen Berufen, die nicht mehr so hoch im Kurs stehen“, erklärt Tenberg. Er verweist auf einst vier Seminare in Bayern: in Nürnberg, Bayreuth, Neuendettelsau und München-Pasing. Mittlerweile gibt es nur noch ein einziges, das in Nürnberg.

Tenberg befürchtet, dass das Problem noch an Dynamik zulegen werde. „Ich komme aus einem geburtenstarken Jahrgang. Wenn wir in etwa zehn Jahren in Ruhestand gehen, werden deutlich mehr Pfarrerstellen offen sein.“

Und nun? „Wir setzen auf das Prinzip Hoffnung“, sagt Tenberg. Die Gemeinde Landshut habe unlängst auch große Probleme gehabt, „konnte dann aber auf einmal alle Lücken schließen.“

Hans Moritz

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